Spitzenreiter bei mobilen Lösungen

Feature | 21. Juli 2011 von Sophie Kirsten, Christoph Zeidler 0

John Chen, Chairman and CEO of Sybase, an SAP company (photo: SAP)

CEO John Chen von Sybase über die Zukunft von Sybase und SAP (Foto: SAP)

Die Bündelung von Stärken, von der Anwender in ganz neuer Weise profitieren – so beschreibt John Chen, Chairman und CEO von Sybase, die gemeinsame Marktstrategie von SAP und Sybase. Fast ein Jahr nach dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen erzählt uns Chen, wie er die Ergebnisse der Übernahme und die weiteren Aussichten für Sybase einschätzt.

Es ist nun schon fast ein Jahr vergangen, seit Sybase in die SAP-Familie aufgenommen wurde. Warum haben Sie sich dafür entschieden, Teil des Unternehmens zu werden? Was war Ihr erster Eindruck von SAP?

John Chen: Die SAP verfügt über gewaltige Ressourcen und eine große Kundennähe. Das war der wichtigste Grund, warum wir uns der SAP angeschlossen haben. Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und echte Profis auf ihrem Gebiet. Ich halte die Kundenorganisation für eines der besten Teams im Unternehmen, da sie sehr gut aufgestellt ist und eine starke Marktpräsenz hat.

Welche Rückmeldungen haben Sie von Sybase-Kunden zur Übernahme erhalten?

Die meisten unserer Kunden haben sich sehr positiv darüber geäußert. Dass wir ein eigenständiges Unternehmen bleiben können, ist eine ganz wichtige Botschaft. Anfangs gab es noch eine gewisse Skepsis. Aber die Kunden haben schnell gemerkt, dass Sybase  immer noch das Unternehmen ist, dem sie vertrauen können, und dass wir ihnen jetzt noch mehr zu bieten haben. Sowohl SAP-Kunden als auch Kunden anderer Anbieter bieten wir neue Technologien und eine erweiterte Infrastruktur.

Mobile Lösungen sind als neue Technologie zurzeit in aller Munde. Was bedeutet dieser Trend, der ja zunächst von den Privatanwendern ausging, für Unternehmen?

Ich glaube, dass wir erst ganz am Anfang einer großen Entwicklung, einer großen Revolution stehen. Bei mobilen Anwendungen haben wir heute das gleiche Phänomen wie in der Anfangszeit von Client-Server-Architekturen. Mobile Geräte sind der neue Desktop. Man hat heute seinen Arbeitsplatz quasi immer bei sich.

Durch diese Mobilität kann man nun in Echtzeit mit Kunden agieren, was zum Beispiel für Analysen und Auswertungen sehr interessant ist. Diese Funktionen waren bisher nicht erschwinglich oder gar nicht möglich. Mobilität unterstützt Anwender und Unternehmen. Hier liegen wirklich riesige Chancen.

Wie würden Sie die gemeinsame Strategie von SAP und Sybase für mobile Lösungen beschreiben?

Wir bieten nicht nur eine führende, sondern auch eine erfolgreiche Plattform für mobile Middleware, mobile Anwendungen und mobile Dienste.

Wir sind die Nummer 1 in mobilen Unternehmenslösungen. Wir ermöglichen Unternehmen mobile Geräte sicher und durchgehend steuern – und zwar über Afaria, unsere Lösung für das Management von Mobilgeräten. Darüber hinaus unterstützen wir die Entwicklung mobiler Anwendungen und deren Einsatz über unsere leistungsstarke Sybase Unwired Platform. Einmal entwickelte Anwendungen können dann auf unterschiedlichen Endgeräten bereitgestellt werden. Die Plattform unterstützt Entwickler und Benutzer auf allen wichtigen Mobilgeräten und Betriebssystemen wie iOS, BlackBerry, Android, Windows Mobile und Symbian; auch Palm-Geräte werden wir zukünftig unterstützen.

Wir sind auch der führende Anbieter mobiler Apps. Dazu zählen komplexe Anwendungen mit zahlreichen Funktionen wie auch solche, die schnell und direkt einen Mehrwert bieten. Wir entwickeln bei SAP selbst Anwendungen, helfen aber auch der Branche mittels der Sybase Unwired Platform, ihre eigenen Anwendungen zu erstellen.

Darüber hinaus werden über unsere Infrastruktur täglich 1,5 Mrd. SMS- und MMS-Nachrichten verarbeitet. Wir erreichen 5,2 Mrd. mobile Anwender, das sind 96 % der mobilen Nutzer weltweit.  Warum ist das so wichtig? Weil diese Messaging-Plattform ein Grundbaustein für Mobile Commerce ist. Über unsere mobilen Dienste können Unternehmen nahtlos mit Kunden kommunizieren, ihre Produkte vermarkten und Transaktionen durchführen. Wir haben weltweit zahlreiche Anwendungsfälle, in denen diese kommerziellen Dienste in den Bereichen Banking, Überweisungen und Zahlungsabwicklung auf eine immer größere Resonanz stoßen.

Der zweite Trend und mittlerweile ein wichtiges Thema ist Business Intelligence auf mobilen Geräten…

Über analytische Funktionen kann in Echtzeit auf veränderte Geschäftsbedingungen reagiert werden. Dabei geht es um mehr, als nur um schön aufbereitete Berichte. Diese machen vielleicht 10 % aus. Viel wichtiger sind Werkzeuge zur Entscheidungsunterstützung, die Informationen in Echtzeit liefern. Mit analytischen Funktionen können Benutzer sofort Trends ermitteln, unmittelbar Feedback erhalten und auf ihren Mobilgeräten benachrichtigt werden, damit sie entsprechend handeln – unabhängig von Zeitpunkt und Ort.

Wie entwickelt sich das Datenbankgeschäft von Sybase im SAP-Kontext?

2012 wird unser Datenbankgeschäft für die SAP eine große Bereicherung sein. Die analytischen Datenbanken von Sybase sind in der Lage, SAP HANA zu ergänzen und abzurunden, und eröffnen damit noch schnellere Einblicke. Zusätzlich arbeiten wir daran, Sybase IQ und das SAP-BusinessObjects-Portfolio enger zu verknüpfen. Im nächsten Jahr wird dies noch wichtiger werden.

Wie schätzen Sie den Mittelstandsmarkt ein? Werden sich mittelständische Betriebe mobile Anwendungen ebenfalls zu eigen machen oder vielleicht sogar stärker nutzen als große Unternehmen?

Es gibt viele Gründe, warum kleine und mittlere Unternehmen mobile Anwendungen ganz gewiss nutzen werden. Erstens: Die Anschaffungskosten für mobile Lösungen sind erschwinglich. Zweitens: Über mobile Anwendungen lassen sich Kunden am besten ansprechen. Und drittens sind diese Anwendungen nicht zwingend an Backend-Infrastrukturen gebunden. Unsere Angebote erlauben es, klein anzufangen und dann bei Bedarf aufzustocken. Die Lösungen wachsen mit. Damit helfen wir Unternehmen, noch näher an ihre Kunden zu rücken. Und genau das möchten alle, kleine wie große.

Was sind Ihre weiteren Ziele für Sybase?

Viele Übernahmen von Technologieunternehmen scheitern kläglich oder halten zumindest nicht, was sie versprechen. Nicht in unserem Fall. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Mein Ziel ist, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Wir müssen die Stärken von SAP und Sybase ausspielen und erstklassige Produkte auf den Markt bringen. Dabei wird Sybase aber seine eigene Energie und Dynamik beibehalten.

Tags: ,

Leave a Reply