Szenarien für realitätsnahe Planung

Feature | 25. Juli 2005 von admin 0

Die internetbasierte Lösung SAP ICH bindet auch kleinere Lieferanten enger in die Planungsprozesse ihrer Kunden ein. Diese erhalten einen einfachen Zugang zu Bestands- und Bedarfsinformationen. Stammdaten, etwa zu Werken, Lieferanten, Materialstämmen oder Infosätzen lassen sich bequem aus den ERP-Systemen in eine Supply-Chain-Management-Lösung übertragen und müssen nicht mehr in verschiedenen Systemen angelegt werden. Dies geschieht über ein so genanntes Core Interface (CIF), das beispielsweise in Plug-Ins zu SAP R/3 oder in mySAP ERP enthalten ist und auf Remote Function Call (RFC) basiert.
Bewegungsdaten – etwa zu Bedarfen, Beständen, Lieferplanabrufen, Lieferavisen oder Wareneingangsmengen – werden über die SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) von der ERP-Lösung in SAP ICH übertragen und umgekehrt. SAP ICH beschleunigt den Datenaustausch zwischen den Backendsystemen von Kunden und Lieferanten erheblich – ob es sich nun um SAP R/3, mySAP ERP oder Drittlösungen handelt. Außerdem lässt sich die Komponente auch in ein Lieferantenportal wie SAP NetWeaver Portal einbinden. Das hat für den Lieferanten den Vorteil, dass er für die Kommunikation mit dem Kunden nur einen einzigen Link benötigt. Über diesen erhält er Zugang zu SAP ICH, aber auch zu anderen Funktionalitäten wie Supplier Self-Service (SUS) oder den Collaboration Folders (C-Folders).

Neue Prozesse der Bedarfs- und Bestandsplanung

Wurden mit SAP ICH 4.0 nur die beiden Prozesse Supplier Managed Inventory und die Lieferplanabwicklung unterstützt, so hat sich dieses Spektrum mit dem Release 4.1 um die beiden Prozesse Bestellabwicklung und Dynamic Replenishment und neue Funktionalitäten erweitert. Zur Buchung eines Wareneingangs im ERP-System wird entweder eine Bestellung oder eine Lieferplaneinteilung benötigt. SAP ICH 4.1 bietet daher für Wareneingänge mehrere alternative Vorgehensweisen an: Szenarien, die sich an einer Lieferplaneinteilung (Initiative durch den Kunden) und andere, die sich an einer Bestellung (Initiative durch den Lieferanten) orientieren. Im Einzelnen unterstützt SAP ICH folgende vier Szenarien:

1. Lieferplanabwicklung

Bei diesem Prozess handelt es sich um die klassische, aus SAP R/3 bekannte Lieferplanabwicklung. Der Kunde ist weiterhin verantwortlich für die Planung der Wiederbeschaffung. Auf Grund von Bedarfen werden die Lieferplaneinteilungen in der SAP-R/3-Lösung des Kunden erzeugt und dem Lieferanten als Lieferplanabrufe übermittelt. Dies erfolgt nun über SAP XI an SAP ICH. Technisch gesehen läuft dabei folgendes ab: Vom ERP-System wird ein IDOC an SAP XI verschickt, dort in ein XML-Dokument umgewandelt und an SAP ICH weitergeleitet. Dort kann sich nun der Lieferant über seinen Webbrowser die Abrufe ansehen, aktuelle Abrufe bestätigen, verschiedene Versionen vergleichen oder im Falle eines Warenausgangs einen Lieferavis generieren. In SAP XI werden die Lieferavise als XML-Dokumente zu einem IDOC weiter verarbeitet und ans ERP-Backend des Kunden verschickt.

2. Supplier Managed Inventory

Beim Supplier Managed Inventory (SMI)-Prozess handelt es sich um einen Beschaffungsprozess, bei dem der Lieferant die Nachschubplanung übernimmt. Innerhalb der MRP-Planung (Material Requirement Planning) in der ERP-Lösung des Kunden werden nur noch Bruttobedarfe ermittelt, die Lieferanten berechnen aus dem Bruttobedarf in Abgleich mit Lagerbeständen und anderen Faktoren den Nettobedarf in ihrem Backend. Ein Standardreport im ERP-System des Kunden erstellt automatisch IDOCs nach bestimmten Kriterien und übermittelt sie an SAP XI zur Umwandlung in ein XML-Format und zur Weitergabe an SAP ICH. Über seinen Webbrowser greift nun der Lieferant auf SAP ICH zu und gleicht die geplanten Zugänge mit Daten wie Minimal- oder Maximalgrenzen oder bestimmten Rundungsregelungen ab. Dabei dient ihm das XML-Dokument zu den geplanten Zugängen als Grundlage für die Erstellung eines Lieferavises in SAP ICH, den er – ähnlich wie im Prozess der Lieferplanabwicklung an das Backendsystem des Kunden verschickt.

3. Bestellabwicklung

Bei der Bestellabwicklung werden Bestellungen im ERP-System des Kunden erzeugt und an SAP ICH geschickt. Der Lieferant kann diese Bestellungen im Webbrowser bestätigen, aber auch Mengen und Terminänderungen mitteilen. Die bestätigen Bestellungen mit eventuell abweichenden Daten werden wieder ans Backend des Kunden zurückgemeldet. Die Lieferanten erzeugen aus diesen Bestellungen Lieferavise.

4. Abgleich von Zugängen und Nettobedarf (Dynamic Replenishment)

Hier werden die Nettobedarfe des Kunden aus ihrem Backend mit den Zugängen des Lieferanten automatisch verglichen und Abweichungen sichtbar. Der Lieferant kann entweder die Zugänge im Webbrowser manuell pflegen, oder sie werden vom Backendsystem des Lieferanten an SAP ICH übertragen. Dieses Verfahren wird eingesetzt, um einerseits die Nettobedarfe als Vorschau im mittel- oder langfristigen Horizont dem Lieferanten zur Verfügung zu stellen, andererseits liegt aber im kurzfristigen Horizont die Planungshoheit trotzdem beim Kunden. Bei den anderen Szenarien ist entweder der Lieferant verantwortlich für die Planung (SMI-Szenario) oder aber der Kunde (Bestell-Szenario), wobei dem Lieferanten keine Vorschau mitgeteilt wird.

Alert Monitor

SAP ICH ermöglicht es darüber hinaus, mit der aus Version 4.0 vertrauten Funktion Alert Monitor zu arbeiten: Über die Web-Benutzeroberfläche von SAP ICH lassen sich damit eingehende XML-Nachrichten und die Planung überwachen. Wenn eine kritische Situation wie die Unterschreitung eines Mindestbestandes eintritt oder in Kürze eintreten wird, erzeugt SAP ICH einen Alert und zeigt ihn im Alert Monitor an. Dieser bereitet die verschiedenen Alerts geordnet nach den Anwendungen beziehungsweise Objekten auf, in denen sie aufgetreten sind. Beim Anlegen von Daten prüft SAP ICH den Materialstamm. Ist dieser noch nicht vorhanden oder sind die Daten ungültig oder inkonsistent, erzeugt das System automatisch einen Alert (Validierungsalert). Andere Alerts generiert SAP ICH aus betriebswirtschaftlichen Prüfungen, falls beispielsweise ein Mindestbestand unterschritten wird (Bestands-Alert). Weiterhin verfügt SAP ICH über Alerts für unbestätigte Abrufe, überfällige Lieferavise oder vom Lieferavis abweichende Wareneingänge sowie für den Fall, dass eine neue oder abgeänderte Bestellung eingeht. Eine Benachrichtigung von Kunden und Lieferanten ist über die Kommunikationswege E-Mail, SMS, Fax oder Pager möglich.

Die in mySAP SCM 4.1 enthaltenen Funktionalitäten von SAP ICH bringen für SAP-Kunden Kostenersparnisse mit sich, denn Lieferanten lassen sich durch die einfache Installation und Konfiguration der Lösung in kürzester Zeit mit ihren Kunden vernetzen. Die Kunden können daher mit einem schnelleren ROI rechnen.
Mehr Informationen zu den neuen Funktionen von SAP ICH im 2005 erschienenen SAP-Heft:”Supplier Collaboration mit dem mySAP SCM Inventory Collaboration Hub”.

Anita Leitz

Anita Leitz

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