Gradmesser für den Erfolg

Feature | 18. August 2011 von Stephan Magura 0

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BPI: Business Perfomance messen und vergleichen (Foto: Fotolia)

Das neu entwickelte, ganzheitliche Messinstrument soll Mittelständlern vor allem in zweierlei Hinsicht dienen. Erstens: Firmenvertreter erhalten einen Überblick darüber, welche Geschäftsprozesse in der mittelständischen Industrie und ihren Teilbranchen besonders relevant sind und wie sie umgesetzt werden. Zweitens: Die Manager erfahren, wie es diesbezüglich um ihr Unternehmen bestellt ist. Sie können sich mit anderen vergleichen und erhalten auf diese Weise Informationen, wo sie den Hebel ansetzen müssen.

Pilotbranche für diesen in seiner Tiefe und Breite bislang einmaligen Index war im vergangenen Jahr das produzierende Gewerbe. Dazu haben die Marktforscher von techconsult mehr als 800 Interviews (Telefonaktion plus Fragebogen) mit Führungskräften durchgeführt. Beteiligt haben sich 430 Unternehmen. Abgefragt wurden die wichtigsten Geschäftsprozesse, wobei Hauptsponsor SAP und Partner itelligence wertvolle Tipps beisteuern konnten. Zusätzlich haben die Analysten Indikatoren wie Leistungsbilanz und IT-Unterstützungsgrad in ihre Bewertung einfließen lassen.

Metall topp, Holz floppt

Das Ergebnis, nachdem die mittelständische Fertigungsindustrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2010 einen BPI-Wert von 71 aus 100 erzielt, ist laut techconsult-Chef Peter Burghardt grundsätzlich in Ordnung.  Bei den Subbranchen schneidet die metallverarbeitende Industrie überdurchschnittlich gut ab, gefolgt von der Elektrotechnik. Am Ende der Skala rangiert die Holz- und Möbelbranche.

Die genauere Analyse macht allerdings deutlich, dass noch viel Luft nach oben ist. Burghardt: „Es handelt sich hierbei um einen Mittelwert. Vor allem kleinere Unternehmen liegen unter 50, nur wenige größere Firmen erzielen einen BPI-Wert von über 90.“ Burghardt legt deshalb allen Mittelständlern ans Herz, das kostenlose Werkzeug zu nutzen. Jedes Unternehmen sollte ein Interesse daran haben, seine Wettbewerbsposition zu kennen und bei Bedarf zu verbessern.

Auf der richtigen Spur

Burghardt, dessen Institut regelmäßig Umfragen zu Business- und IT-Themen durchführt, konnte mit dem ersten BPI für den deutschsprachigen Mittelstand zudem wichtige Thesen untermauern. „Wenn mich etwas überrascht hat, dann die Deutlichkeit, mit der sich viele unserer Hypothesen bestätigt haben“, so der Analyst. „Beispielsweise haben wir eindeutig nachgewiesen, dass die Prozess-Performance mit besserer IT-Ausstattung steigt.“

Und warum liegt der IT-Unterstützungsgrad laut Index dann insgesamt nur auf einem mittleren Niveau? Das sei den langen Laufzeiten von IT-Lösungen geschuldet, sagt Burghardt. Man reagiere erst, wenn man damit an seine Grenzen stoße: „Wir hoffen, dass die neuen Möglichkeiten des Cloud Computing den Mittelstand in die Lage versetzen, hier besser zu partizipieren, ohne gleich um die Liquidität  der Firma fürchten zu müssen.“  Für die Zukunft erwartet Burghardt, dass sich der IT-Nutzungsgrad auch bei kleineren Unternehmen erhöht.

Gerade Firmen mit wenigen Mitarbeitern suchten händeringend nach jungen Talenten, fährt Burghardt fort. Vor diesem Hintergrund sei es nicht nur wichtig, auf der Angebotsseite in eine durchgängige IT-Unterstützung zu investieren, damit die zahlreichen elektronischen Stellenbörsen bedient werden können. Die IT-Ausstattung werde immer entscheidender, um junge Arbeitnehmer mit einem attraktiven Arbeitsplatz zu locken.

Große Nachfrage

Mit einem Resultat hat der erfahrene Marktforscher dann doch nicht gerechnet. „Wir hatten noch nie zuvor so viele positive Rückmeldungen erhalten“, meint Burghardt.  95 Prozent wollten nach der Befragung eine individuelle Auswertung für ihre Firma haben. Bei vergleichbaren Projekten sei eine Rate von 30 Prozent üblich. Nach der Basisbefragung soll die Umfrage in der Fertigungsindustrie  2012 wiederholt werden, um den Index zu aktualisieren und mit mehr Daten anzureichern. Schließlich wurde der BPI als langfristige, repräsentative Studie konzipiert.

Nun sind erst einmal die Branchen Dienstleistung und Handel an der Reihe. Burghardt gibt sich zuversichtlich und setzt auf das bewährte Instrumentarium.  Anpassungen gebe es lediglich hinsichtlich diverser Branchenspezifika und nicht bezüglich der grundsätzlichen Vorgehensweise der Erhebung. Burghardt: „Wir wollen künftig eine noch größere Anzahl Unternehmen von diesem kostenlosen Werkzeug zur Geschäftsoptimierung überzeugen.“

Link zum Index für die Fertigungsbranche: www.business-performance-index.de/fertigung

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