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Warum Technologie allein nicht ausreicht

Blog | 3. Januar 2018 von Bernd Leukert

Kein Zweifel – der digitale Wandel läuft auf Hochtouren. Innovations- und Technologiezyklen vollziehen sich in immer höherem Tempo, und als Vordenker der Innovation reisen wir auf der Digitalisierungsautobahn auf der Überholspur.

Höchste Zeit, einen Moment innezuhalten und zu reflektieren, wohin die Reise geht. Ich möchte ein paar Gedanken über einen wichtigen Aspekt des digitalen Zeitalters mit Ihnen teilen, der nicht nur für mich Priorität hat, sondern auch für viele Partner und Kunden, mit denen ich spreche.

Paradigmenwechsel kommen und gehen nicht über Nacht

Das Credo moderner Technologie ist Offenheit. Wir können heute mit Leichtigkeit zwischen Technologien, Software und Geräten wechseln. Das bedeutet für uns alle eine Zukunft mit viel mehr Flexibilität. Doch dieser Wandel verlangt neue Ansätze für die Interaktion von IT-Anbietern und setzt eine umfassende Vernetzung voraus. Damit werden dynamische Kunden- und Partnernetze eine immer wichtigere Rolle spielen. Und obwohl neue Technologien und wachsende Netzwerke digitalen Unternehmen Auftrieb geben, schaffen oder erhöhen sie auch die Komplexität.

Zudem zeitigt der Aufbruch ins digitale Zeitalter bereits Auswirkungen in der weltweiten Wirtschaft – 52 Prozent der Fortune-500-Unternehmen sind seit 2000 nach Angaben von Capgemini entweder in Konkurs gegangen, wurden übernommen oder mussten den Betrieb einstellen. Das Innovationstempo nimmt stetig zu, und wenn wir Technologietrends wie das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und Blockchain nutzen, können wir Geschäftsprozesse umgestalten und optimieren und neue Geschäftsmodelle verwirklichen. Allerdings wird die immer umfassendere Automatisierung auch die Zukunft der Arbeit fundamental verändern.

Die neuen Chancen, die diese Technologien mit sich bringen, werfen auch neue Fragen auf – Fragen, die für uns alle elementar sind und auf die wir Antworten finden müssen. Wie können wir Vertrauen in die digitale Wirtschaft bilden? Wie können neue ethische Maßstäbe geschaffen werden, die für alle zur Norm werden? Wie können wir sinnvolle Innovationen entwickeln, die einem übergeordneten Ziel dienen?

Wesentliche Aspekte neuer Paradigmen

Diese Fragen beinhalten die drei Hauptthemen, die für jede technologische und wirtschaftliche Entwicklung in Zukunft immer wichtiger werden: Vertrauen, Ethik und Sinn.

Die Art und Weise, wie wir in unseren Partnernetzen miteinander interagieren, verändert sich grundlegend. Wir sind es gewöhnt, Vertrauen in Menschen, Produkte und Organisationen aufzubauen, weil wir sie durch die direkte Interaktion mit ihnen kennen. Auf elementarster Ebene bedeutet Vertrauen einfach, an die Verlässlichkeit und Loyalität der anderen zu glauben. Doch in Zukunft reicht es nicht mehr, Vertrauen ausschließlich auf Beziehungen zu gründen, da die Netzwerke immer größer und immer dynamischer werden.

Vertrauen in digitale Systeme – das „Was“

Wir brauchen die Unterstützung durch die Technologie, um die Veränderungen in unseren Netzwerken bewältigen zu können. So vertrauen heute beispielsweise immer mehr Menschen Blockchain-basierten Netzwerken, etwa Kryptowährungen. Bei der Blockchain-Technologie glauben wir bereits an die Zuverlässigkeit und Loyalität des Netzwerks, da es einen digitalen Beleg für physische Dokumente und reale Transaktionen und Ereignisse liefert. Die Vorteile dieser Technologie sind so beachtlich, dass ein auf Blockchain basierendes Unternehmen im Jahr 2022 laut Gartner 10 Milliarden US-Dollar wert sein wird.

Nach Gartner „entsteht Vertrauen in digitale Systeme in Form von Vertrauen in die Myriaden von digitalen Interaktionen und Beziehungen zwischen Unternehmen, Menschen und Dingen“. Das bedeutet, Vertrauen ist überall und muss überall sein, um das Geschäft am Laufen zu halten. Vertrauen ist die „ultimative Währung“. Doch woher soll bei einem völligen Fehlen zwischenmenschlicher Interaktion in der digitalen Welt Vertrauen kommen? Und was ist notwendig, um es zu schaffen? Worin besteht die Beziehung zwischen Daten und Vertrauen? Wie können wir Technologien entwickeln, die für alle Seiten vollkommen vertrauenswürdig sind?

Digitale Informationen und Informationsflüsse

Wir erleben heute eine zunehmende Dezentralisierung von Rohdaten. Das fordert von uns, neue Wege zur Wertschöpfung aus diesen verteilten Datenlandschaften und zur Bewältigung deren Komplexität und Heterogenität zu finden. Das lässt sich in unterschiedlichsten Bereichen beobachten, in denen Big Data eine Schlüsselrolle spielen, etwa IoT, Blockchain und maschinelles Lernen.

Was alle diese Technologien gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass Informationen zwischen einer großen Anzahl von Menschen, Dingen und Systemen fließen, die sich wahrscheinlich nicht kennen und sich folglich (noch) nicht gegenseitig vertrauen. Wir sind heute und in der Zukunft darauf angewiesen, dass Technologie die Authentizität von Daten, Dokumenten und Prozessen bestätigt und uns sicheren und vertrauenswürdigen Zugang zu digitalisierten Informationen und Informationsflüssen gibt. Das an sich ist für Unternehmen schon von unschätzbarem Wert. Letztendlich ist es nicht nur die Technologie eines Unternehmens, die des Vertrauens bedarf, sondern auch das Unternehmen selbst in seiner Rolle als Produkt- oder Serviceanbieter und Partner der Wahl.

Doch Technologie allein reicht nicht aus. Neue digitale Netzwerke aufbauen, heißt zum Beispiel nicht unbedingt, dass wir Mechanismen, die zu einem reibungslosen Betrieb von Systemen und Netzwerken beitragen, einfach eliminieren können.

Blockchain als Basistechnologie

Wenn wir dies weiterdenken, zeigt sich eine weitere Dimension von Vertrauen, die besonders Technologieunternehmen berücksichtigen müssen: sie müssen ihre Kunden befähigen können, im digitalen Zeitalter vertrauenswürdige Organisationen zu sein. Diese Forderung nehmen wir bei SAP sehr ernst. Ein Beispiel dafür, wie Vertrauen in digitale Systeme geschaffen werden kann, ist die Blockchain-basierte Überprüfung von Dokumenten.

In einem Projekt für gemeinsame Innovation mit SAP und der Provinz Bozen in der italienischen Region Südtirol wird Blockchain-Technologie eingesetzt, um den papiergebundenen Dokumentationsprozessfluss zu digitalisieren und die Dokumente zu verifizieren, während die Dokumente selbst unverändert bleiben. Das Ergebnis ist weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die öffentliche Verwaltung – und damit in völlig neue Organisationsmodelle.

Zukünftige Innovationen erfordern Offenheit und umfassende Vernetzung. Vertrauen in die digitale Welt impliziert nicht nur vertrauensvolle Beziehungen zwischen Menschen, sondern auch Vertrauen in Netzwerke – dazu leistet Technologie einen entscheidenden Beitrag. Je offener und transparenter die Netzwerke sind, umso mehr Vertrauen wird in sie gesetzt und können sie umgekehrt schaffen.

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