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21.000 Teilnehmer beim IoT-Kurs zu SAP Leonardo

Feature | 12. September 2017 von Jacqueline Prause 2

Was haben Smart Farming, Gesundheit, Sicherheit und Versorgungsunternehmen gemeinsam? Sie gehören zu den Szenarien, die Teilnehmer des openSAP-Kurses „Touch IoT with SAP Leonardo“ entwickelt haben. Wir stellen die Sieger des Prototyp-Wettbewerbs und vielversprechende Anwendungsfälle im Internet der Dinge vor.

„Lernen ist das Einzige, das den Geist niemals erschöpft, das er niemals fürchtet und niemals bereut“, sagte einst der bedeutende Renaissancekünstler Leonardo da Vinci.

Diesen Grundsatz beherzigten auch die rund 21.000 Teilnehmer des Kurses „Touch IoT with SAP Leonardo“, der in diesem Sommer erstmals stattfand. Gemeinsam gingen sie den Geheimnissen des Internets der Dinge auf den Grund und erfuhren, welche neuen Möglichkeiten das digitale Innovationssystem SAP Leonardo bietet.

Themen des Kurses, der als Massive Open Online Course (MOOC) über die Plattform openSAP bereitgestellt wurde, waren unter anderem moderne Technologien wie Blockchain, selbstfahrende Autos, Drohnen, künstliche Intelligenz und IoT-Anwendungen. Durch praktische Übungen, angeregte Diskussionen in Foren, die Interaktion mit dem Kursleiter, Beurteilungen durch andere Kursteilnehmer und einen Wettbewerb zur Entwicklung eines Prototyps für ein gemeinnütziges Startup-Unternehmen erhielten die Teilnehmer einen Eindruck, wie sich mit digitalen Konzepten neue Geschäftsmodelle für das IoT-Zeitalter entwickeln lassen.

Die Teilnehmer kamen aus über 100 Ländern. Sie bewerteten den Kurs mit durchschnittlich 4,39 von 5 Sternen.

Zu den Highlights des Kurses gehörten die Gastvorträge führender Branchenanalysten. Der Vortrag „IoT and the Future of Business“ von IDC steht auch als Video bereit (Anmeldung unter openSAP erforderlich). Auch das Analystenhaus Technology Business Research erläuterte in einem Vortrag, wie sich Unternehmen das Potenzial des Internets der Dinge Schritt für Schritt zunutze machen können.

Eine praktische Übung zu SAP Connected Goods zeigte auf, wie sich durch die Analyse von Daten, die mit IoT-Sensoren erfasst werden, in Kombination mit bereits vorhandenen Daten neue Erkenntnisse ableiten lassen (siehe hierzu das Video zur Übung, Anmeldung unter openSAP erforderlich). Mehr als 3.600 Teilnehmer absolvierten die Übung, indem sie sich als „vernetzte Waren“ anmeldeten – in diesem Fall als Behälter mit ihrem Lieblingsgetränk. Sie konnten sich anzeigen lassen, welche Getränke in verschiedenen Regionen am beliebtesten sind, und Datentrends im Zeitverlauf beispielsweise durch den Vergleich von Temperaturen in Verbindung mit anderen Informationen analysieren. „Anhand dieses Beispiels wollten wir veranschaulichen, wie sich durch die Aggregation von Daten schnell zusätzliche Erkenntnisse gewinnen lassen“, erläutert Kursentwickler Bob Caswell, Senior Product Manager bei SAP.

Prototyp-Wettbewerb zur Entwicklung von Lösungen auf Basis von SAP Leonardo

In einem Prototyp-Wettbewerb konnten die Teilnehmer ihre neu erworbenen Kenntnisse unter Beweis stellen. Nach einer Einführung in SAP Leonardo erhielten sie Zugriff auf Tools (unter anderem auf das Online-Prototyping-Tool BUILD), Vorlagen (basierend auf Beispielen aus SAP Connected Goods) und Lernmaterialien, um eigene IoT-Prototypen zu entwerfen und zu entwickeln. Jeder Prototyp musste dabei eine nach Design-Thinking-Prinzipien entwickelte Story, Persona und Benutzeroberfläche enthalten. Die Teilnehmer waren gefordert, anhand von Vorlagen oder Beispielen aus BUILD eine Demoversion ihres Prototyps zu erstellen. Für den Wettbewerb wurden insgesamt 1.580 Prototypen eingereicht, unter denen fünf Sieger gekürt wurden. Sie erhielten jeweils einen Intel NUC Mini-PC (mit freundlicher Unterstützung des SAP-Partners Intel), den sie für die Entwicklung weiterer IoT-Anwendungen nutzen können.

Wie die siegreichen Prototypen eindrucksvoll zeigen, geht es bei IoT-Lösungen der Zukunft nicht nur um die Vernetzung von Dingen, sondern auch um die Vernetzung von Menschen. Im Mittelpunkt stehen dabei gezielte Lösungen für die Bedürfnisse der Verbraucher und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Im Bestreben, durch den Einsatz von Technologie einen Beitrag zum gesellschaftlichen Wandel zu leisten, bot die SAP gemeinsam mit der Mikrofinanzierungsplattform Kiva.org den Teilnehmern mit den 200 besten Beiträgen die Möglichkeit, ein Unternehmen ihrer Wahl mit einem Zuschuss von 25 US-Dollar zu unterstützen. Kiva ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die Mikrokredite vergibt. Zur Unterstützung von Kiva spendete die SAP weitere 5.000 US-Dollar, sodass insgesamt 10.000 US-Dollar zur Verfügung standen. Weitere Informationen hierzu finden sich im Kiva Funding Impact Report. „Häufig wird mit dem Internet der Dinge eine Technologie assoziiert, die leblose Objekte miteinander vernetzt“, erklärt Bob Caswell. „Es gibt aber auch eine menschliche Seite. Seine wahre Größe zeigt das Internet der Dinge, wenn es den Menschen durch Vernetzung ein besseres Leben ermöglicht. Durch unsere Partnerschaft mit Kiva.org können wir so auch deutlich machen, dass IoT-Lösungen nicht nur der Vernetzung von Dingen, sondern auch der Vernetzung von Menschen dienen.“

Die fünf besten Prototypen geben Einblick in die Zukunft des IoT

Was haben Smart Farming, Gesundheit, Sicherheit und Versorgungsunternehmen gemeinsam? Sie gehören zu den Szenarien, die mit den Prototypen der Teilnehmer des openSAP-Kurses „Touch IoT with SAP Leonardo“ unterstützt werden. Wir stellen hier die Sieger des Prototyp-Wettbewerbs vor.

Informationen zu den 200 besten Beiträgen stehen außerdem auf openSAP (Anmeldung erforderlich) und in der SAP Community (ohne Anmeldung) zur Verfügung.


Versorgung von Diabetes-Patienten

Vivek Krishnadas | PDF | Video | BUILD

Für die mehr als 422 Millionen Menschen, die weltweit an Diabetes leiden, ist die Selbstbehandlung oft mit großem Aufwand und Herausforderungen verbunden. Meist haben die Patienten keine medizinischen Kenntnisse, müssen aber dennoch ihre Blutzuckerwerte sorgfältig messen, die Insulindosis berechnen und ihre Insulinpumpe entsprechend einstellen. „Sie sind keine Experten, doch es wird von ihnen erwartet, dass sie ihre Werte eigenständig messen und die Insulindosis berechnen. Sonst müssen sie ins Krankenhaus gehen. Das ist mit Zeitaufwand und Risiken verbunden“, erklärt Vivek Krishnadas, der als technischer IT-Berater bei Accenture arbeitet und den Prototyp „Diabetes Care“ entwickelt hat. Die Idee zu diesem IoT-Prototyp kam Vivek Krishnadas, als er sich näher mit dem täglichen Aufwand von Diabetikern bei der Behandlung ihrer Krankheit befasste. „Selbst einfache Dinge wie Autofahren oder Joggen können eine Herausforderung darstellen“, erläutert er. „Ihre Krankheit zwingt sie, um das Messen und die Insulingabe herum zu planen.“

Durch Tragen eines „vernetzten“ Insulingeräts können Patienten Messdaten mit einer erfahrenen medizinischen Fachkraft austauschen, die per Fernüberwachung die richtige Dosis einstellen und die Insulingabe auslösen kann. Die Lösung lässt sich außerdem durch künstliche Intelligenz so erweitern, dass Daten und Muster ausgelesen werden können. Dies ermöglicht eine automatische Behandlung, was das Leben für die Patienten sehr viel leichter macht. „Die Patienten müssen nicht mehr regelmäßig ins Krankenhaus, da der Arzt alle erforderlichen Daten über das IoT-Gerät abrufen kann“, führt Vivek Krishnadas aus.


Pilzfarm-Manager

Aoife O’Dwyer | PDF | Video | BUILD

Mushroom Farm Manager ist eine Smart-Farming-Lösung, mit der Landwirte die Anbaubedingungen in ihren Pilztunneln überwachen, Bestände kontrollieren und Lieferungen verfolgen können. IoT-Sensoren in den Pilztunneln und Lieferwagen übermitteln Informationen an Mushroom Farm Manager, mit deren Hilfe die Farmer die Produktionsmengen optimal an die Nachfrage anpassen können. Nicht nur sie profitieren damit von einer IoT-basierten Echtzeitlösung, sondern auch die Kunden können auf eine schnelle Lieferung der Pilze und eine hohe Qualität vertrauen. Aoife O’Dwyer, UX-Designerin bei SAP, hat den Prototyp entwickelt und erklärt: „Das Internet der Dinge ist eine ideale Lösung, da über Sensoren die Temperatur der Pilze beim Anbau und bei der Auslieferung überwacht werden kann.“


Intelligenter Gaskessel

Paul Thompson | PDF | BUILD

Jedes Jahr sterben in den USA durchschnittlich 430 Menschen an Kohlenmonoxidvergiftung. Und häufig ist die Ursache ein defekter Gaskessel. Durch Fernüberwachung mithilfe einer IoT-Lösung können geschulte Experten erkennen, wenn ein Gaskessel nicht ordnungsgemäß funktioniert, und Wartungsmaßnahmen einleiten, bevor es zu spät ist. Paul Thompson, der als UKI & Europe Lead for SAP Mobile bei IBM arbeitet, entwickelte mit Smart Boiler eine überzeugende IoT-Lösung, die gleich auf mehrere Aspekte abzielt: Bedienkomfort, Instandhaltung, Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit. „Ich glaube, dass genau für solche Szenarien künftig IoT-Lösungen eingesetzt werden“, erklärt er.

Die wenigsten Verbraucher wissen, wie ein Gaskessel funktioniert. Tritt ein Problem auf, können sie dies meist nur unzureichend beschreiben, was bei der Kommunikation mit Wartungstechnikern zu Frust und Missverständnissen auf beiden Seiten führen kann. „Wenn es dafür eine App gäbe, die heutzutage fast jeder bedienen kann, wäre das Leben wesentlich einfacher“, dachte sich Paul Thompson.

Sein Prototyp basiert auf Personas, die er mithilfe eines Verfahrens namens Empathy Mapping entwickelt hat. „Erst durch das Empathy Mapping für den Kesselbesitzer verstand ich die Komplexität von Heizungsanlagen“, erläutert er. „Ich wollte versuchen, das Ganze verständlicher zu machen und gleichzeitig Möglichkeiten zu schaffen, die Temperatur und Heizzeiten per Fernsteuerung zu regeln.“ Das Empathy Mapping machte zentrale Aspekte deutlich, die besonders wichtig sind und die nach Ansicht von Paul übersehen worden wären, wenn man Gaskessel lediglich um IoT-Funktionen ergänzt hätte.


Bienenstock-App

Tesfaldet Negash |  | PDF | BUILD

Die Insektenwelt hat bekanntermaßen sehr großen Einfluss auf die technischen Fortschritte der Menschheit. Tesfaldet Negash, Entwicklungsarchitekt bei SAP, inspirierte eine Biene, die sich in sein Büro verirrt hatte und ihn an die Bienenstöcke seiner Familie erinnerte. Tesfaldet Negash machte sich an die Entwicklung eines IoT-Prototyps, mit dem er sowohl den Bienen als auch den Imkern helfen wollte – und sei es nur dadurch, dass sie weniger Zeit miteinander verbringen müssen. „Die Bienen wollen nicht gestört werden“, erklärt Tesfaldet Negash, der als Kind oft gestochen wurde, wenn er sich in der Nähe der Bienenstöcke aufhielt. „Der Imker möchte seinen Bienen nur nahekommen, um Honig zu ernten. Wenn es keinen besonderen Anlass oder Probleme gibt, möchte er die Bienen in Ruhe lassen.“

Hanna, die fiktive Persona seines Prototyps, kümmert sich neben ihren zwei kleinen Kindern auch um ihre Bienen. Die Imkerei ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit, für die man zu den Bienenstöcken fahren, sich Schutzkleidung anziehen und die rund 20 kg schweren Stöcke anheben muss, um Gewicht, Feuchte und Luftfeuchtigkeit zu überprüfen. Mit der Beehive App und den IoT-Sensoren in den einzelnen Bienenstöcken kann Hanna die Bedingungen in ihren 200 Stöcken auch per Fernzugriff überprüfen und hat so mehr Zeit für ihre Familie. „Zwar ist Hanna eine imaginäre Person, doch ich kenne mich mit Bienenstöcken aus. Und als Vater weiß ich auch, was es heißt, Arbeit und Kinder unter einen Hut bringen zu müssen“, erklärt Tesfaldet Negash.


Wartung von Stromnetzen

Mohit Kakkar | PDF | BUILD

Stromnetze sind mit ihren zahlreichen Transformatoren, Leitungen, Speiseleitungen, Verteilzentren und Endgeräten bei den Verbrauchern komplexe und anfällige Netzwerke – und damit die ideale Spielwiese für Entwickler von IoT-Lösungen. Im Mittelpunkt des Prototyps „Connected Grid“ steht eine Persona für den Wartungsleiter eines Stromversorgungsunternehmens. Er ist für die Instandhaltung der Anlagen zur Vermeidung von Stromausfällen und die Einteilung der Wartungstechniker zuständig, die sich um unvorhergesehene Probleme im Netz kümmern. Entwickelt wurde Connected Grid von Mohit Kakkar, der als IoT-Architekt bei Deloitte arbeitet: „Mit den heute verfügbaren Technologien lässt sich ein Problem zwar eingrenzen und lokalisieren, jedoch nicht vorhersagen, wann es erneut auftreten wird. Maschinelles Lernen kommt dabei nicht zum Einsatz. Es gibt keine zentrale Lösung, in die Techniker, Außendienstmitarbeiter und Kunden eingebunden sind.“

Bei einem Ausfall können sich die Reaktionszeiten der Außendienstteams verzögern, bis die erforderlichen Informationen durch das Netzwerk zu ihnen gelangen. Mohit Kakkar wollte eine Lösung entwickeln, die alle Punkte im Netz miteinander verbindet, sodass Wartungsleiter Betriebsparameter in Echtzeit abrufen und Funktionen für Vorhersageanalysen nutzen können. Auch die Verbraucher profitieren von besserem Einblick in ihre Stromverbrauchsmuster.

Mohit Kakkar will seinen Prototypen weiterentwickeln und die verschiedenen Aspekte seiner Arbeit in die Deloitte Reimagine Platform Solution Roadmap integrieren. Sein Vorgesetzter Darwin Deano, Principal und SAP Chief Leonardo Officer bei Deloitte, bescheinigt: „Wir freuen uns sehr, dass einer unserer Berater die Technologie von SAP nutzt und eine Lösung entwickelt hat, die wir auch unseren Kunden zur Verfügung stellen können.“

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