Transatlantische Partnerschaft für die Fertigungsindustrie

Feature | 21. Dezember 2005 von admin 0

Herr Frantzen, infra:business solutions ist seit der SYSTEMS 2004 Business Partner der SAP für SAP Business One. Warum haben Sie sich jetzt, genau ein Jahr später, entschlossen, das Unternehmen an SoftBrands zu verkaufen?

Ich will zunächst auf den ersten Teil Ihrer Frage eingehen. Die infra:business solutions war ursprünglich eine Tochtergesellschaft des ERP-Anbieters infor business solutions AG. Im Juni 2004 habe ich die Gesellschaft im Rahmen eines Management-Buy-outs zusammen mit einem Geschäftspartner zu hundert Prozent übernommen. Schon zu diesem Zeitpunkt war es unser erklärtes Ziel, durch eine Partnerschaft mit der SAP die Grundlagen für die langfristige Sicherung unserer Unternehmensstrategie zu legen. Durch die Entwicklungspartnerschaft mit SAP wollten wir außerdem gewährleisten, dass wir unseren Kunden eine innovative PPS-Zusatzlösung (PPS = Produktionsplanung und -steuerung) auf Basis der betriebswirtschaftlichen Standard-Software zur Verfügung stellen können.

Zu unseren unternehmerischen Zielen gehörte es von Beginn an, auch international aufzutreten. Aber schon die europaweite Vermarktung der PPS-Zusatzlösung war nur mit einem strategischen Investor möglich, der sich entweder am Unternehmen beteiligt oder es komplett übernimmt. Der Verkauf an SoftBrands ist deshalb auch die konsequente Fortschreibung unserer Strategie, nämlich Partner der SAP zu werden und gemeinsam mit einem international tätigen SAP Business Partner unsere PPS-Lösung weltweit zu vermarkten. Übrigens haben wir diesen Prozess von Beginn an in enger Abstimmung mit SAP durchgeführt.

Warum haben Sie Ihr Unternehmen an einen SAP Business Partner aus den USA verkauft. Gab es denn keine Interessenten im deutschsprachigen Raum?

Zunächst einmal haben wir durchaus andere Möglichkeiten, etwa eine Partnerschaft mit einem SAP Business Partner aus dem deutschsprachigen Raum, ins Auge gefasst. Die SAP vermittelte uns die entsprechenden Kontakte, und wir haben auch Gespräche mit verschiedenen Unternehmen geführt. Im Verlauf der Verhandlungen kristallisierte sich jedoch schnell heraus, dass die Ziele und Strategien von infra:business solutions und SoftBrands am besten übereinstimmten und hier die größten Schnittmengen gegeben waren.

SoftBrands fokussiert sich unter anderem auf den Vertrieb von SAP Business One und hat für die betriebswirtschaftliche Standardlösung der SAP außerdem eine global ausgerichtete Verkaufs- und Produktstrategie. Zudem sind die beiden Unternehmen Entwicklungspartner der SAP. Auf Basis von SAP Business One entwickeln und vertreiben wir integrierte Zusatzlösungen für kleine und mittlere Fertigungsbetriebe – nämlich Fourth Shift Edition for SAP Business One und infra:ONE. Sowohl SoftBrands als auch infra sind außerdem im Bereich der Fertigungsindustrie mit eigenen Produkten (Fourth Shift und infra:NET, Anm. der Redaktion) sehr erfolgreich und haben zahlreiche Bestandskunden. Von daher war die Entscheidung nur konsequent.

Welche Gründe waren aus Ihrer Sicht für SoftBrands ausschlaggebend, infra:business solutions zu übernehmen?

SoftBrands hat bislang in Europa nur eine Niederlassung in Großbritannien und war im Rahmen seiner Expansionsstrategie auf der Suche nach einem starken Partner, der besonders im deutschsprachigen Raum gut eingeführt ist. Deutschland ist nämlich weltweit einer der wichtigsten Manufacturing-Märkte mit einer Vielzahl von kleinen und mittleren Fertigungsbetrieben. Wer als Software-Anbieter in dieser Branche europaweit erfolgreich sein will, der muss sich zuerst auf dem deutschen Markt bewähren. Die infra:business solutions ist im deutschen Markt etabliert und hat einen guten Namen. Das hat die Entscheidung von SoftBrands maßgeblich beeinflusst. Als global agierender SAP Business Partner hatte sich SoftBrands außerdem ebenfalls an die SAP gewandt und um Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Partner gebeten. Die SAP hat uns empfohlen und den Prozess der Übernahme aktiv unterstützt und begleitet. Darauf sind wir stolz.

Welche Chancen sehen Sie in der transatlantischen Partnerschaft mit SoftBrands?

Mit Standorten in China, Indien, Afrika und in Großbritannien ist SoftBrands weltweit vertreten. Das Unternehmen ist genau der international aufgestellte, starke Partner, den wir benötigen, um unsere eigene ambitionierte Internationalisierungsstrategie umsetzen zu können.

Mittelfristig planen wir, von Deutschland aus vor allem in die osteuropäischen Länder zu expandieren. Viele Fertigungsunternehmen haben inzwischen in Polen, Tschechien, Ungarn oder der Ukraine Niederlassungen oder Zweigwerke, in denen sie zukunftsfähige Softwarelösungen brauchen. Genau die bieten wir an. Doch auch in Südeuropa, besonders in Spanien, sehe ich große Chancen. Für SoftBrands wird die infra künftig quasi zum Brückenkopf einer europäischen Expansionsstrategie.

SoftBrands hat mit der „Fourth Shift Edition for SAP Business One“ eine PPS-Lösung für kleine und mittlere Fertigungsunternehmen. Wie wollen Sie das Produkt im deutschsprachigen Raum erfolgreich einführen, zumal es hier bereits mehrere PPS-Zusatzlösungen für SAP Business One von anderen SAP Business Partnern gibt?

Da sage ich nur: Wettbewerb belebt das Geschäft. Allein in Deutschland haben wir – unabhängig von Lösungen auf SAP-Basis – etwa 250 Wettbewerber im PPS-Bereich. Das hält uns aber nicht davon ab, eine eigene PPS-Lösung einzuführen und am Markt zu etablieren, im Gegenteil. Wir sehen sehr gute Chancen, hierzulande erfolgreich zu sein. Das liegt unter anderem daran, dass SoftBrands von der SAP global unterstützt wird. Um Aufträge im Großkundenbereich zu akquirieren, ist das enorm wichtig, denn ein international tätiges Unternehmen wird kaum einen Vertrag mit einem Dienstleister abschließen, der – zum Beispiel aufgrund begrenzter personeller Ressourcen – höchstens deutschlandweit agieren kann.

Viele der in Deutschland ansässigen mittelständischen Fertigungsbetriebe arbeiten schon heute global. Auch sie werden bevorzugt einen Partner wählen, der ebenfalls global aufgestellt ist und über die entsprechenden Supportstrukturen verfügt. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein weltweit tätiger Fertigungsbetrieb will seine ausländischen Produktionsstandorte an das SAP-System in der Zentrale anbinden und dazu SAP Business One mit einer integrierten PPS-Lösung installieren. Das geht nur, wenn der Implementierungspartner ebenfalls international präsent ist. Diese Möglichkeiten haben wir jetzt zusammen mit SoftBrands.

Sie sind also vom Erfolg überzeugt und zuversichtlich?

Ja, selbstverständlich. Außerdem, zu den bisher genannten Gründen gesellt sich ein weiterer: SoftBrands ist bereits seit 1989 in China etabliert, mit zurzeit mehr als 130 Mitarbeitern und 400 Kunden. Dadurch können wir Lösungen schneller und vor allem kostengünstig auf den Markt bringen. Und das ist an einem hart umkämpften Standort ein Wettbewerbsvorteil, den wir gegenüber unseren Mitbewerber ausspielen werden. Zugleich kommen wir damit den Erwartungen unserer Kunden und Interessenten entgegen, die eine zukunftssichere, hoch integrierte PPS-Software in Verbindung mit SAP Business One wollen, die schnell implementierbar, global einsetzbar und außerdem kostengünstig ist.

Weitere Informationen:

www.infragmbh.de und www.softbrands.com

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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