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Studie zu digitalem Know-how: kaum Fortschritte trotz größerem Bewusstsein

Feature | 13. Juli 2017 von Bernd Welz 8

Der digitale Wandel ist vielleicht in Meetings ein aktuelles Thema für Strategiediskussionen und dennoch bieten Unternehmen nicht genug Schulungen an, in denen Mitarbeiter die Fähigkeiten erwerben könnten, die für die Umsetzung einer digitalen Strategie nötig wären.

Zu diesem Ergebnis kommt die Technische Universität München (TUM) in ihrer im Juni 2017 veröffentlichten Studie „Skills for Digital Transformation” [Kompetenzen für den digitalen Wandel]. Laut dieser Erhebung sind sich Unternehmen zwar mehr denn je der Bedeutung von digitalem Know-how bewusst, allerdings wissen nur die wenigsten, wie sie diese Qualifikationslücke schließen wollen. Und das könnte tatsächlich das Hauptproblem bei Digitalisierungsvorhaben in der jeweiligen Branche werden. Denn die fehlende Versiertheit im Umgang mit digitalen Technologien zählt immer noch zu den größten Herausforderungen des digitalen Wandels.

Die Umfrage wurde in Kooperation mit der SAP in den weltweiten SAP-Benutzergruppen durchgeführt. Sie knüpft an die Studie aus dem Jahr 2015 an mit dem Ziel, den Fortschritt beim Aufbau digitaler Kompetenzen zu messen und Unternehmen bei der Identifizierung der wichtigsten Fähigkeiten für den digitalen Wandel zu unterstützen. (Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Umfrage von 2015 finden Sie im Rahmen der Studie „Employees Lack Skills for Digital Transformation“). Die primäre Zielgruppe, der die Ergebnisse der Studie vorgelegt werden sollen, sind Führungskräfte in IT- und Personalabteilungen.

Unternehmen sind immer noch in der Orientierungsphase

Ein Großteil der Befragten, nämlich 90 Prozent, sind der Meinung, dass der digitale Wandel wichtig für die allgemeine Unternehmensstrategie ist. Die Hälfte davon hat bereits eine entsprechende Vorstellung, wie die digitale Zukunft ihrer Firma aussehen soll.

Der digitale Wandel wirkt sich auf sämtliche Branchen und beinahe alle Geschäftsbereiche aus – von der Gestaltung technologiegestützter Geschäftsmodelle bis hin zu effizienten, automatisierten betrieblichen Abläufen. Allerdings fehlt es den meisten Unternehmen an einer klar definierten Digitalisierungsstrategie: Nur 37 Prozent geben an, dass es ein Konzept gibt und 26 Prozent sagen, dass sie einen detaillierten Plan zur Umsetzung des Projekts erstellt haben.

Personalbeschaffungs- und Fortbildungsprogramme reichen nicht aus

Vor allem fiel auf, dass das Bewusstsein und das Engagement für den digitalen Wandel zwar gestiegen sind, Unternehmen im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte jedoch an Einfluss verlieren. 2015 behaupteten 53 Prozent der Befragten, dass die Mitarbeiter in ihrer Firma bereits über die notwendigen Kenntnisse verfügen würden, um den digitalen Wandel zu meistern. Im Jahr 2017 waren es sogar 64 Prozent.

Die Umfrageteilnehmer konnten eindeutig formulieren, welche Fähigkeiten sie ihrer Meinung nach bräuchten, um die digitale Zukunft ihrer Unternehmen gestalten zu können. Von 14 zentralen Kompetenzbereichen sprachen sie sich vor allem für Schulungen in IT-Sicherheit, mobilen Technologien, Change Management und Big-Data-Analysen aus. Die Befragten gaben an, dass die meisten Kenntnisse für eine erfolgreiche Digitalisierung noch wichtiger wären als vor zwei Jahren und dass sie erhebliche Wissenslücken auf allen Gebieten sähen. Obwohl sie den Bedarf offensichtlich kennen, investiert nur ein Bruchteil der Unternehmen (16 Prozent) in spezielle Personalbeschaffungs- und Fortbildungsprogramme, um das Wissen aufzubauen, das für eine digitale Zukunft erforderlich ist.

Laut der Studie ist die Qualifikationslücke also noch nicht geschlossen und der Mangel an digitalen Kompetenzen zählt immer noch zu den größten Herausforderungen des digitalen Wandels. Mögliche Erklärungen hierfür sind die rasche Einführung technologischer Neuerungen und der Stellenwert des digitalen Wandels.

Konzept zur Kompetenzentwicklung geplant

In Zusammenarbeit mit dem European Research Center for Information Systems (ERCIS) ermittelt die SAP gerade bewährte Geschäftsverfahren als Bestandteil eines Reifemodells für die Vermittlung digitaler Kenntnisse in Unternehmen. Entscheidend ist, dass in diesem Rahmen ein Plan für systematische Personalbeschaffung und Fortbildung entwickelt wird, mit dem sich Mitarbeiter nach einer Bedarfsanalyse in bestehenden und neuen Rollen weiterqualifizieren können. Dazu gehört auch, die Weiterbildungskultur in Unternehmen mit einem integrierten Learning Management System auf selbstbestimmtes, kooperatives und kontinuierliches Lernen umzustellen. Weitere Informationen zum Reifemodell und zu den bewährten Geschäftsverfahren werden voraussichtlich Ende dieses Jahres veröffentlicht.

Stand heute fehlen Unternehmen Mitarbeiter, die über das notwendige Know-how verfügen, um dem digitalen Wandel zu begegnen.

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