Tuning fürs Autohaus

Feature | 9. Januar 2006 von admin 0

Automobilindustrie und -handel sind bedeutende Wirtschaftszweige. Speziell der Handel sieht sich weltweit durch Konsolidierungen, die Vielfalt der Marken und veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen einem steigenden Wettbewerb ausgesetzt. In Europa beispielsweise sorgt die Aufhebung der Markenbindung durch die Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) 1400/2002 der EU-Kommission für Bewegung, die am 1.10.2002 in Kraft getreten ist. Seitdem sind zuvor erlaubte Wettbewerbsbeschränkungen der Hersteller rechtswidrig. Vertragshändler dürfen nicht mehr nur an einen Hersteller gebunden werden. Für die Autohäuser entstehen neue Absatzchancen. Außerdem fiel mit Wirkung 1. Oktober 2005 die so genannte Niederlassungsklausel. Seitdem ist jeder Händler berechtigt, auch im europäischen Ausland Vertriebsniederlassungen zu gründen. Diese neuen Freiheiten haben jedoch auch ihren Preis: Verschärfter Wettbewerb, sinkende Margen und Konsolidierungen.
Die Händler benötigen mehr denn je eine genaue Analyse der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse ihres Autohauses. Informationen aus Neu- und Gebrauchtwagenhandel, Werkstatt und Lager müssen gezielt ausgewertet werden. Dazu dienen so genannte Dealer Management Systeme (DMS). Diese wurden bisher meist marken- und schnittstellenspezifisch vom Automobilhersteller vorgegeben, um Fahrzeug- oder Ersatzteilbestellungen zu vereinfachen. SAP Dealer Business Management (SAP DBM) erfüllt nun markenunabhängig die spezifischen Anforderungen und Prozesse des Fahrzeughandels. Die Lösung verbindet zum einen horizontal die Standorte oder Niederlassungen in eine einheitliche Unternehmenssicht. Sie korrespondiert darüber hinaus vertikal mit Herstellern oder Importeuren, die überwiegend ebenfalls auf SAP-Software setzen. Dies ist jedoch keine Bedingung.
Rund um das Automobil und seine Zubehör- sowie Ersatzteile existieren beim jeweiligen Hersteller große Datenmengen. Aufgabe eines DMS ist es, alle fahrzeug- und auftragsspezifischen Informationen über Schnittstellen aufzunehmen und in die eigenen kaufmännischen Prozesse zu integrieren. Je mehr Hersteller ein Händler vertritt, desto vielfältiger werden diese Schnittstellen. Anstelle von einzelnen Insellösungen, die mit sehr hohem Aufwand verbunden werden müssen, um eine fehlerfreie Kommunikation sicher zu stellen, setzt SAP DBM auf der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure auf. SAP NetWeaver Exchange Infratructure ermöglicht ein Monitoring des Datenaustausches mit den Herstellersystemen und einfache Anpassungen der Schnittstellen.

Zentraler Informationspunkt

SAP DBM bildet mehrere Herstellermarken innerhalb eines Handelsunternehmens ab – ein wichtiges Leistungsmerkmal, da immer mehr Händler auf Konsolidierung, Prozessoptimierung und Wachstum setzen, um ihre Umsätze zu sichern. Nicht selten sind schon heute mehrere Marken, die in direktem Wettbewerb stehen, in einem Autohaus zu finden. Für die betriebswirtschaftliche Ergebnisrechnung innerhalb SAP DBM spielt die Marke zunächst keine Rolle. Gleichwohl zeigt die Lösung auf, mit welchen Marken die Werkstatt erfolgreich gewirtschaftet hat oder an welchen Ersatzteilen oder Services sich nichts verdienen lässt.
Bislang verfügen die Automobilhändler oftmals über mehrere IT-Insellösungen. Ein DMS-System steht für die internen Abläufe bereit, eine oder mehrere weitere Lösungen für die Kommunikation mit dem Hersteller. Diese Lösungen sind nicht miteinander verbunden und der Servicebereich ist nicht darüber informiert, was der Verkaufsbereich tut. Mehrfacherfassungen sorgen für inkonsistente Daten und sind keine Seltenheit. Ein Autohändler, nennen wir ihn Manfred Mobil vom fiktiven Autohaus “More Mobility”, kann hiervon ein Lied singen. Er musste bis dato die ausgedruckten Ersatzteilbestellungen aus dem hauseigenen DMS manuell in die Bestellmaske des PCs mit der Software des entsprechenden Herstellers eingeben. Wurde wegen eines simplen Zahlendrehers statt einer Kupplung ein Kotflügel geliefert, war nicht nur der Chef sauer. Auch der Kunde zeigte sich unzufrieden, weil er länger auf die Reparatur seines Autos warten musste. SAP DBM übermittelt jede erfasste Bestellung direkt und ohne weitere Zwischenschritte an den Hersteller. Manfred Mobil braucht somit auch die Einkaufspreise nicht mehr in entkoppelte DMS-Lösungen zu übertragen, womit eine weitere Fehlerquelle entfällt. Da die Lagerzugänge direkt bei Wareneingang erfasst und korrigiert werden, entfällt die manuelle Eingabe in der Buchhaltung. Rechnungen und Zahlungen verarbeitet die Lösung sofort. Das Ergebnis ist eine stets aktuelle und aussagekräftige Buchhaltung.
Mit der alten, nicht integrierten DMS-Lösung hatte das Autohaus “More Mobility” im schlimmsten Fall mit drei verschiedenen “Lagerbeständen” zu kämpfen: Mit dem tatsächlich, physisch im Lager verfügbaren Bestand, mit der im DMS geführten Mengenangabe und mit den Werten auf den Konten der Finanzbuchhaltung. Diskrepanzen musste Manfred Mobil spätestens bis zur Bilanzerstellung manuell ausgleichen. SAP DBM führt die Waren auf den Bestandskonten mit ihrem echten Lagerwert.
Neben dem Finanzwesen unterstützt SAP DBM alle im Autohaus anfallenden wichtigen Geschäftsprozesse in den Bereichen Controlling, Teilehandel, Service/Werkstatt, Verkauf und Personalwirtschaft. Alle Aktivitäten eines Unternehmens stützen sich auf einheitliche Daten. Die integrierte Angebotserstellung innerhalb SAP DBM liefert Informationen über mögliche Sonderpreise, Rabatte oder speziellen Konditionen. Die Möglichkeit, Daten über mehrere Standorte oder Niederlassungen zu konsolidieren, machen jeden Umsatz und jeden Rechnungsposten nachvollziehbar – gleich ob in Verkauf oder Service. Somit werden Einkaufspreise und erzielte Erlöse sofort in Relation gesetzt. Gleichzeitig ist dieser detaillierte Ausweis die Basis für eine Deckungsbeitragsrechnung pro Kunde und Auftrag, wie sie von Wirtschaftsprüfern gefordert wird. Für jeden Auftrag lässt sich nachvollziehen, ob und wie viel Gewinn erzielt wurde. Mit SAP DBM hat das Management eines Kfz-Handelsunternehmens ein Werkzeug zur Hand, das unternehmerische Entscheidungen auf Basis aktueller Zahlen unterstützt.

Vertrieb und Service im Dialog

SAP DBM ist eine durchgängige Lösung, von der Vertriebsniederlassungen großer Hersteller ebenso profitieren wie selbstständige Handelspartner, denn Verkaufs- und Serviceprozesse sind eng miteinander verzahnt. Nach jedem Fahrzeugverkauf übermittelt SAP DBM im Autohaus “More Mobility” Fahrzeug- und Kundendaten für eine weitere Nutzung direkt an den Service. Im Gegenzug werden die Informationen über Inspektionen und Reparaturen aus dem Service im zentralen Datensatz abgelegt. Diese verknüpften Informationen über Kunden, Aufträge und Fahrzeughistorie eröffnen dem Händler neue Umsatzchancen. Im fiktiven Autohaus “More Mobility” beispielsweise würde der Service von SAP DBM informiert, wie viel der Kunde Mustermann mittlerweile für die Reparaturen seines alten Autos ausgibt. Ist hierbei eine gewisse Schwelle überschritten, könnte Manfred Mobil gezielt mit dem Verkaufsargument auf Herrn Mustermann zugehen, ein Neuwagen sei günstiger als dessen altes Vehikel. “More Mobility” steigerte auf diese Weise seine Kundenbindung.
SAP R/3 oder mySAP ERP bildeten bereits in der Vergangenheit die Basis für einige von SAP-Partnern entwickelte Autohandels-Lösungen. Wann immer ein SAP-Modul technologisch verbessert wurde, mussten diese Neuerungen auch in das DMS eingepflegt werden. Mit SAP DBM steht den Kunden nun ein DMS zur Verfügung, das von SAP entwickelt und gewartet wird und somit für Zukunftssicherheit sorgt.

SAP DBM überzeugte die Volkswagen AG

Auf der Internationalen Automobil Ausstellung 2005 in Frankfurt hat der IT-Dienstleister gedas Händlersysteme vorgestellt, die der Volkswagenkonzern seinem Kfz-Handel für alle Volkswagen-Konzernmarken empfiehlt. Mit der Neuaufnahme von SAP DBM schließt der VW-Konzern alle vorher noch offenen Anforderungslücken, die von den Händlern vorgetragen wurden. International enthält die Empfehlungsliste des Konzerns damit insgesamt nur noch drei Dealer Management Systeme. Des Weiteren stehen Händler anderer Hersteller sowie freie Autohäuser kurz vor der produktiven Einführung von SAP DBM.

Friederike  Hertenstein

Friederike Hertenstein

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