Über die Geschäftsprozesse zur Enterprise SOA

Feature | 12. Juli 2006 von admin 0

Heutzutage wollen SAP-Kunden alle für ihr Unternehmen wichtigen Prozesse möglichst mit Standard-Lösungen umsetzen. Gleichzeitig stehen sie vor der Frage, inwieweit sie damit flexibel auf Änderungen des Geschäfts reagieren können. Dabei enthält beispielsweise mySAP ERP 2005 neben dem hoch integrierten ERP-Kern auch SAP NetWeaver, der es mit SAP NetWeaver Portals und SAP NetWeaver Exchange Infrastruktur (SAP NetWeaver XI) bereits ermöglicht, andere IT einfach zu integrieren. Eine gemeinsame Aufbereitung von Daten heterogener Systeme kann mit dem SAP Business Information Warehouse (SAP BW) im Sinne eines “Single Point of Truth” erfolgen.
Zudem beschreiten alle neuen Anwendungen des Software-Herstellers konsequent den Weg in Richtung Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA). So finden sich in mySAP ERP 2005 zahlreiche Funktionalitäten zusätzlich als so genannte Enterprise Services, beispielsweise Goods Receipt Processing. Enterprise Services sind, stark vereinfacht ausgedrückt, umfangreiche Web-Services einschließlich der betriebswirtschaftlichen Logik.
Bei der Enterprise SOA löst das flexiblere Zusammenspiel der Enterprise Services mit weiteren Services, etwa selbst erstellten oder solchen anderer Hersteller, die starren Prozesse heutiger monolithischer Systeme ab. So lassen sich erfolgskritische Geschäftsabläufe auch in einer heterogenen Umgebung unternehmensweit einheitlich abwickeln. Gleichzeitig steigt die Flexibilität der Unternehmen nachhaltig, da sie Prozesse einfach verändern können, in dem sie einzelne Services oder die Regeln für ihr Zusammenspiel anpassen.

Business comes first!

Bei der Frage, wann und wo ein Unternehmen mit Enterprise SOA starten sollte, gilt eine einfache Regel: Business comes first! Denn was nutzt das schönste IT-System, wenn es das Unternehmen nicht weiterbringt? Daher muss beispielsweise vor einer Implementierung ihr Einfluss auf die Geschäftsprozesse bewertet werden, wie es das Konzept des Business Process Management vorsieht. So konstatiert die Delphi Group in ihrem Market Milestone Report BPM 2003: „In Zukunft wird durch den Einsatz so genannter (Web) Services zwar ein Maximum an IT-Integration und Flexibilität erreichbar, aber ohne Business Process Management (BPM) kann kein lauffähiges IT-System mehr entstehen.”
BPM ist vor allem bei der Implementierung von IT-Systemen heute nicht mehr wegzudenken. Einen geradezu revolutionären Effekt für den Umgang mit Unternehmensanwendungen entfalten BPM und SOA zusammen. Denn die Kombination beider Konzepte schließt die Kluft zwischen den Geschäftsprozessmodellen der Fachabteilungen und den Daten- und Programmmodellen der IT-Abteilungen. Das Anpassen, Optimieren und Steuern der Abläufe in Softwarelösungen geschieht dann aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive. Ausgehend vom Geschäftsprozessmodell werden die entsprechenden Services identifiziert und gegebenenfalls neu kombiniert. Während die SOA die technischen Voraussetzungen schafft, um Prozesse und Systeme zu integrieren, ermöglicht BPM eine effektive und effiziente Zusammenarbeit der Services.

Neue Wege gehen

AVE for SAP – Roadmap

AVE for SAP – Roadmap

Aus gewohnten Bahnen in echte Prozessorientierung umzuschwenken, erscheint nicht einfach, da die Organisationen nach wie vor funktional geprägt sind. Dabei sind beim Umstieg auf Enterprise SOA ohnehin neue Vorgehensweisen anzuwenden, um Softwarelösungen zu erstellen und zu warten. Es bietet sich also die Chance, Enterprise SOA nicht als Technologie zu implementieren, sondern konsequent entlang der Prozesse dem Nutzen folgend vorzugehen. Mit ARIS Value Engineering for SAP (AVE for SAP) liefert IDS Scheer dafür eine geeignete, BPM-basierte Methode. AVE for SAP ist umfassend anwendbar, zum Optimieren ganzer Wertschöpfungsketten ebenso wie zur Einführung von IT-Systemen. Der Zusatz „for SAP” steht für die langjährige Erfahrung von IDS Scheer mit den SAP-Lösungen und die tiefe Integration der ARIS-Werkzeuge mit der Software. Daher lässt sich die Methode reibungslos mit den Anwendungen verzahnen. So unterstützen bereits die Methoden, die in den Phasen Strategie und Design angewendet werden – zum Beispiel die Haupterfolgsfaktoranalyse in den Geschäftsfeldern, also klassische Managementberatung – die Arbeit in der Implementierungsphase entscheidend.

Arbeitspakete

Arbeitspakete

Wichtig ist hierbei insbesondere der Fokus auf so genannte End-to-end-Prozesse, wie Order-to-cash (vom Auftragseingang bis zur Bezahlung). Die Teilprozesse, zum Beispiel die Abläufe im Distributionszentrum, werden danach bewertet, inwieweit sie den Gesamtprozess verbessern. Die Bewertung basiert auf entsprechend definierten Kennzahlen, beispielsweise aus SAP BW. Nur erfolgversprechende Szenarien werden für die Implementierung vorgesehen und in einem Business Case dargestellt. Die Prozesse werden zunächst neutral gestaltet, anschließend aber konkret mit SAP Content angereichert. Unternehmen, die bereits SAP-Lösungen einsetzen, können aus den Anwendungen mit Hilfe der Werkzeuge ARIS Redocumentation Solution, ARIS BI Modeler und ARIS Process Performance Manager Prozessmodelle und -kennzahlen extrahieren, auf denen das Design, aber auch die Konfiguration direkt aufsetzt.

Die gesamte Organisation im Blick

In jedem AVE-for-SAP-Projekt kommt ARIS for SAP NetWeaver zum Einsatz. Das Werkzeug tauscht Modelle mit SAP Solution Manager, SAP Netweaver XI und – in der neuen SAP Business Process Platform (SAP BPP), in der ARIS das BPM-Modellierungswerkzeug ist – mit dem Enterprise Services Repository (ESR) aus. ARIS komplettiert die Sicht auf Organisation und Kennzahlen sowie Prozessschritte, die durch Nicht-SAP Systeme unterstützt werden. Branchenspezifische Referenzprozesse schaffen im Mittelstand einen weiteren, erheblichen Mehrwert, in dem sie unter anderem die Realisierungsdauer verkürzen. Zudem lässt sich mit AVE for SAP der Umstieg in die Welt der Enterprise SOA unmittelbar planen, da die End-to-end-Prozesse in ARIS auf sämtlichen Betrachtungsebenen – von der Strategie bis zur Implementierungssicht – vorliegen. Dabei sind gegebenenfalls verwendete Varianten ebenso dargestellt wie Prozessschritte, die derzeit noch nicht von IT-Systemen unterstützt werden. Dies hilft, potenzielle “Service-Kandidaten” zu identifizieren.

Konsistente Sicht

Konsistente Sicht

Darüber hinaus liegt mit AVE for SAP jederzeit ein konsistentes Bild vor, von der Strategie bis zum laufenden System. Die gesamte Dokumentation ist in ARIS for SAP NetWeaver und SAP Solution Manager abgelegt, was zu jedem Zeitpunkt eine Detailsicht bis hin zur Transaktion oder zu einem Service ermöglicht. Durch eine Performance-Messung mit ARIS Process Performance Manager (ARIS PPM) werden die ausgeführten Ist-Prozesse aggregiert dargestellt und deren Leistung bewertet. Mit diesen Informationen lassen sich die Abläufe kontinuierlich und ohne Umwege verbessern.

Jeder Weg ist individuell . . .

. . . daher gibt es das so genannte Enterprise SOA Adoption Programm, ein gemeinsames Angebot von SAP und IDS Scheer. Es kombiniert klassische AVE-Workshops mit fundiertem Wissen über Enterprise SOA, insbesondere bezogen auf die Branchenspezifika des Unternehmens. In diesen Workshops wird unter anderem das realistische Potenzial durch den Umstieg auf Enterprise SOA bewertet. Außerdem geht es darum, mögliche Kandidaten für den Einsatz erster Services zu identifizieren und deren technische Umsetzung zu skizzieren. Ein individueller Zeitplan anhand der “Fitness” des Unternehmens für Enterprise SOA zeigt auf, wann die Potenziale am besten und effizientesten erreicht werden.
Es zeigt sich einmal mehr, dass eine gute Implementierung nicht an der Geschwindigkeit zu messen ist, sondern an der Qualität. Und die Qualität selbst lässt sich am besten an den realisierten Prozessen ablesen. Gerade im Bereich von SOA wird klar, dass es nicht vorrangig um die Einführung von Technologie, sondern in Wirklichkeit um die Realisierung verbesserter Prozesse geht.

Carsten Jörns

Carsten Jörns

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