Eine App hilft, Überschwemmungen frühzeitig zu erkennen

Hurrikan Harvey zwang Shibaji Chandra zur Flucht vor den Wassermassen. Er berichtet, wie er eine App für akut Betroffene entwickelte.

Am Freitagmorgen, den 25. August 2017, setzte der Regen ein. Es goss in Strömen. Ein Sturm näherte sich dem Festland. Die Region stand bereits die ganze Woche in höchster Alarmbereitschaft. Die NASA, The Weather Channel sowie alle größeren Nachrichtenagenturen warnten vor einem tropischen Wirbelsturm der Kategorie 4, der sich über dem Golf von Mexiko bildete. Die Bürger sollten dadurch auf die bevorstehende Katastrophe vorbereitet werden. Ab Mittwoch begannen alle, Vorräte wie Wasser und Grundnahrungsmittel anzulegen. In unserem Lebensmittelmarkt gab es ab Donnerstagnacht kein Wasser und keine Güter des täglichen Bedarfs mehr.

Harvey hat uns erreicht!

Drei Tage lang regnete es in Strömen ohne Unterlass. Wir verfolgten die Nachrichten, die von Überschwemmungen in ganz Houston berichteten. Aber zu unserer Überraschung war die Region von Katy, wo ich lebte, erst am Montag davon betroffen. An diesem Morgen schien der Regen nachgelassen zu haben. Doch bevor wir aufatmen konnten, kam ein Team der Katastrophenschutzbehörde FEMA zu unserer Wohnung und warnte uns davor, dass unser Apartmentkomplex bald unter Wasser stehen würde. Zuerst nahmen wir an, es handle sich um ein vorübergehendes Problem und das Wasser würde in einigen Stunden wieder zurückgehen. Wir dachten also gar nicht an eine Evakuierung.

Die Flucht vor dem Wasser

Aber es regnete die ganze Nacht ohne Unterbrechung weiter. Zu unserem Entsetzen lief der nahegelegene Stausee über und flutete unsere gesamte Wohnanlage. Am Dienstag, den 29. August, sahen wir uns schließlich gezwungen, unsere Wohnung zu räumen und wurden in einem Rettungsboot unter Anweisungen der örtlichen Behörden aus der Gefahrenzone transportiert. Glücklicherweise haben wir einen guten Freund, dessen Wohnung nahe dem Zentrum von Houston nicht überflutet wurde. Wir entschlossen uns also, bei ihm Unterschlupf zu suchen. Bald danach mussten drei Freunde zusammen mit deren Familien ebenfalls ihre Wohnungen räumen. Auch sie kamen zusammen mit uns bei unserem Bekannten unter.

In Sicherheit bei Freunden

Da waren wir also. Vier Familien (zwölf Personen), die Zuflucht im Apartment meines Freundes gefunden hatten. Er ließ nichts unversucht, um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Dennoch begannen wir, uns Sorgen zu machen. Schließlich konnten wir nichts anderes tun, als die Nachrichten zu verfolgen, auf das Beste zu hoffen und darauf zu warten, dass der Wasserpegel sinkt.

Hoffnungsschimmer

So sieht die Benutzeroberfläche von Chandras App aus.

Ich machte mich schlau und fand heraus, dass das US Army Corps of Engineers (die Pioniertruppe der US-Armee) bereits in den ganzen USA zahlreiche IoT-Sensoren (Radar- und Drucksensoren) installiert hatte, die unter anderem Pegelstände und Gewässer nahezu in Echtzeit überwachen. Bei weiteren Nachforschungen entdeckte ich einige APIs vom Geologischen Dienst der USA (United States Geological Survey), die mich mit den Daten dieser Sensoren versorgen konnten. Volltreffer!! Wir begannen also damit, die Daten auszuwerten. Da es aber sehr anstrengend ist, alle 15 Minuten Nutzdaten im JSON-Format zu lesen, beschloss ich, eine App auf Basis der SAP Cloud Platform zu entwickeln. Was soll man nachts auch anderes tun, wenn man kostenloses Internet hat und drei Freunde neben einem schnarchen? Ich begann eine App zu entwickeln, die den Stausee in der Nähe meiner Wohnung überwacht. Und am nächsten Morgen war sie fertig.

Das war sehr nützlich, da ich auf einer benutzerfreundlichen Oberfläche den Wasserstand auf meinem Handy ablesen konnte. Später beschloss ich, dieselben Daten in das SAP-Cloud-Platform-Portal zu überführen.

Hurrikan Irma braut sich zusammen

Keine zwei Wochen später, als wir uns langsam von den Folgen von Hurrikan Harvey in Texas erholten, braute sich über Florida ein neuer Wirbelsturm der Kategorie 5 zusammen. Hurrikans und die damit verbundenen Überschwemmungen scheinen in manchen Teilen des Landes einfach unvermeidlich. Ich entwickelte die App also weiter und machte die Website dynamischer. Nach Eingabe der Adresse kann nun der Wasserstand von Regionen im ganzen Land überwacht werden. Dafür sind nur drei Schritte nötig:

  1. Adresse eingeben. Die Website findet automatisch naheliegende Gewässer und listet diese auf.
  2. Gewünschtes Gewässer aus der Trefferliste auswählen.
  3. Der Standort wird in Google Maps angezeigt und die Wasserstandsdaten werden in einem Diagramm in Echtzeit dargestellt.