Universitätsklinik Jena arbeitet mit RFID-Lösung von SAP

Feature | 31. Mai 2006 von admin 0

Patienten der Intensivstation werden fortan mit Medikamenten versorgt, deren Transport mittels Radio Frequency Identification (RFID) von der Klinikapotheke bis zur Verabreichung an den Patienten in Echtzeit verfolgt und dokumentiert werden kann. Die Klinik erhöht damit die Behandlungsqualität für ihre Patienten sowie die Effizienz in der Patientenverwaltung, und kann darüber hinaus unerwünschte Arzneimittelwirkungen weiter reduzieren. So kommt die in der Logistik- und Handelsbranche bereits erfolgreich eingesetzte RFID-Anwendung SAP Auto-ID Infrastructure erstmals im Gesundheitswesen zum Einsatz.
Die Jenaer Uniklinik hat mit Unterstützung der SAP drei Kernprozessketten ihrer Medikamentenversorgung ausführlich untersucht und zu einem RFID-gestützen Ablauf zusammengefasst: Mit Hilfe so genannter passiver RFID-Tags – also Funketiketten, die nicht aktiv senden – lassen sich Sammelbehälter für Arzneimittel von der Klinikapotheke bis zur Intensivstation sowie einzelne Medikamentenpackungen für Patienten in Echtzeit verfolgen („Tracking“). Gleichzeitig ist eine digitale Zuordnung („Matching“) der Arzneimittel zum Patienten am Pflegebett möglich. Diese tragen dafür am Handgelenk ein RFID-Armband mit einer Referenzcodierung. Das Pflegepersonal kann diese Codierungen über einen Handscanner auslesen und die entsprechenden Patientendaten aus dem IT-System des Krankenhauses abrufen, die dann auf einem Lesegerät angezeigt werden. Fehlmedikationen durch Verwechslung werden mit der RFID-Anwendung drastisch reduziert. Eine Speicherung von persönlichen Daten auf dem Patientenarmband erfolgt dabei nicht, die Verabreichung inklusive genauer Angaben über Medikament, Menge und Uhrzeit dokumentiert das System automatisch in der elektronischen Patientenakte.

RFID-Tracking für 89 Pflegebetten

Zusammen mit Intel Solution Services sorgt SAP in den nächsten Monaten für die Installation und Inbetriebnahme der RFID-Technologie in Jena. Es ist geplant, die Implementierung bis Oktober 2006 abzuschließen. Dafür werden die individuellen Arzneimitteldosierungen für Patienten („Unit Dose“), die Transportkisten der Apotheke sowie die Stahlbehälter des automatischen, internen Beförderungssystems mit RFID-Tags ausgestattet. Intel Solution Services stellt die Hardware-Infrastruktur bereit, darunter Lese- („Port Scanner“), Kommunikations- und Empfangsgeräte sowie RFID-Tags. Dieser durchgängige Prozess von der Apotheke bis zum Patienten wird im ersten Schritt für 24 Pflegebetten in der Intensivmedizin umgesetzt, bis zu 65 weitere Betten werden später folgen.
„Etwa jeder zwanzigste Patient erleidet internationalen Studien zufolge eine unerwünschte Arzneimittelwirkung, wobei mehr als die Hälfte dieser Fälle vermeidbar wären”, erklärt Dr. Michael Hartmann, Direktor der Apotheke am Uniklinikum Jena und Mitglied im Expertenausschuss des Europarats für pharmazeutische Fragen. „Wir haben deswegen unsere bestehende SAP NetWeaver-Plattform für die RFID-Nutzung erweitert und setzen auf SAP-Technologie, um die Behandlungsqualität unserer Patienten deutlich zu verbessern, die Medikamentenversorgung sicherer zu machen und potentielle, unerwünschte Arzneimittelwirkungen verringern zu können.”

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen weiter reduzieren

Neben der erhöhten Behandlungsqualität verbessern die Funketiketten auch den Logistikprozess am Universitätskrankenhaus: Die Klinikapotheke kann bedarfsgerechter prognostizieren und bestellen, und damit Lagerkapazitäten einsparen. Die digitale Identifizierung der Arznei ist bis auf Verpackungsebene möglich, so dass die SAP-Anwendung Medikamente beispielsweise schneller lokalisieren und auch das Erreichen des Verfallsdatums automatisch melden kann. Zukünftig will die Klinik auch ihre medizinische Expertise ausbauen: Durch die elektronische Dokumentation der Arzneimittelverabreichung lassen sich Unverträglichkeiten bei bestimmten Krankheitsbildern nachvollziehen und anonym auswerten. Auf diese Weise lassen sich künftig alternative Medikationen entwickeln.
„Das Uniklinikum Jena beweist, dass neben Handel und öffentlicher Verwaltung auch Branchen wie das Gesundheitswesen das Innovationspotential der RFID-Technologie gewinnbringend nutzen können”, betont Dr. med. Peter Langkafel, Projektleiter und Senior Business Consultant bei SAP. „Mit diesem neuartigen Einsatz von RFID im Krankenhaus zeigen wir einmal mehr, wie SAP moderne Technologien für die Kunden in wirtschaftlichen Nutzen umsetzt.”

Quelle: SAP AG

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