„Verlängerter Arm von SAP für die mittelständische Immobilienbranche“

Feature | 18. Mai 2005 von admin 0

Herr Sommer, Sommer Informatik hat seinen Geschäftsbereich Software für die Immobilienbranche um eine Partnerschaft mit SAP im Bereich SAP Business One erweitert. Aus welchen Gründen haben Sie diese Partnerschaft geschlossen?

Da gibt es gleich mehrere: Im Bereich der Immobilienwirtschaft ergänzen sich die Lösungen von SAP und Sommer Informatik ideal. SAP deckt mit SAP Real Estate (SAP RE) das obere und mittlere Marktsegment ab. Die von uns entwickelte Immobilienmanagement-Software „CAPITOL Classic“ richtet sich dagegen an den unteren Mittelstand, der zwischen 1.000 bis maximal 5.000 Immobilieneinheiten verwaltet. Zudem haben wir die Lösung an die Bedürfnisse kleinerer Hausverwaltungen unter anderem im mittelständischen Hotel-, Brauerei- oder Bankengewerbe angepasst. Allerdings deckt unsere Software nicht zugleich die im kleineren Immobilienmanagement erforderlichen betriebswirtschaftlichen Prozesse ab. SAP liefert für diese Zielgruppen mit SAP Business One bereits eine ausgereifte betriebswirtschaftliche Standardlösung, hat jedoch keine entsprechende vertikale Zusatzlösung für den Immobilienbereich. Da lag es nahe, dieses Segment im Rahmen einer Partnerschaft gemeinsam mit einer Lösung auf Basis von SAP Business One zu adressieren.

Ein weiterer Punkt war, dass SAP Business One für eine steigende Zahl kleiner und mittlerer Firmen einen kostengünstigen Einstieg in die SAP-Welt darstellt. Das ist ein stark wachsender Markt. Hinzu kommt, dass neben den technologischen Vorzügen der SAP-Mittelstandssoftware die Marke SAP ein hervorragendes Verkaufsargument darstellt, denn sie steht für Verlässlichkeit, Investitions- und Zukunftssicherheit. Das sind – neben der Budgetfrage – wichtige Aspekte, auf die mittelständische Unternehmer achten, wenn sie eine Geschäftssoftware kaufen. Unser Ziel ist es, kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung der SAP-Standardlösung als lokaler oder regionaler Ansprechpartner und zentraler Dienstleister für SAP Business One zu unterstützen.

Sie deuteten bereits an, dass Sommer Informatik mit einer vertikalen Zusatzlösung, die auf SAP Business One basiert, auf den Markt gehen will. Wer hat denn Bedarf an einer solchen Lösung?

Zunächst einmal: Bedarf an Immobilien- und Facility-Management haben in der Regel alle Firmen, ob Konzern oder Mittelständler, mit Immobilienbesitz, und zwar unabhängig von ihrer Branchenausrichtung. Um eine positive Wertentwicklung von Immobilien sicherzustellen, fallen vielfältige Kosten an, etwa für Instandhaltung und Modernisierung, beispielsweise durch den Einbau energiesparender Fenster oder das Reinigungsmanagement.

Aus diesem Grund entwickeln wir mit „CAPITOL 2005 für SAP Business One“ eine vertikale Zusatzlösung. Damit sprechen wir den gesamten Markt der kleinen und mittelständischen Wohnungswirtschaft an. Das beginnt beim klassischen Hausverwalter mit einigen wenigen Objekten und reicht bis zum Großkonzern, der bereits SAP RE einsetzt, für seine Tochtergesellschaften oder Niederlassungen eine schlanke, effektive und kostengünstige Standardsoftware mit integrierter Immobilienlösung benötigt. So positionieren wir uns als verlängerter Arm von SAP im Markt für mittelständische Immobilienlösungen.

Wie ist die Lösung in SAP Business One eingebunden?

Dazu programmieren wir unsere eigene Immobilienlösung, die auf C++ und Delphi basiert, komplett neu auf Basis von .NET. Sie wird über das Software Development Kit (SDK) sowie erweiternde Datenbankmodule vollständig in SAP Business One integriert. Damit ist sie auch im Look&Feel der SAP-Mittelstandslösung. Das hat für die Anwender den Vorteil, dass sie auf einer einheitlichen Benutzeroberfläche arbeiten. Wir werden die Lösung auf dem diesjährigen SAP-Kongress für die Immobilienwirtschaft vorstellen (21. und 22. Juni 2005, Anm. der Redaktion) und dann ab Juli 2005 in den Vertrieb gehen.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von der Partnerschaft sowohl für SAP als auch für Sommer Informatik?

Ganz einfach: Es entsteht eine Win-win-Situation zwischen SAP und Sommer Informatik, da über die Partnerschaft der gesamte Markt für Immobilienmanagement mit SAP-Lösungen beziehungsweise SAP-basierten Systemen abgedeckt wird. SAP gewinnt meiner Ansicht nach dadurch, dass über eine vertikale Lösung für die Immobilienwirtschaft ein neuer Markt für SAP Business One erschlossen wird. Das gilt im Übrigen branchenübergreifend für alle vertikalen Zusatzlösungen. Überdies profitiert SAP von unserem Branchen-Know-how und unseren über lange Jahre gepflegten Marktbeziehungen im mittelständischen Immobilenbereich.

Aber auch wir gewinnen Wettbewerbsvorteile durch die Partnerschaft mit SAP, verbunden mit unserem hervorragenden Marktzugang. Diese können wir dank des hohen Bekanntheitsgrads von SAP und seinen Erfahrungen im Bereich standardisierter Business-Software künftig noch stärker erweitern. Auch bauen wir durch die Partnerschaft aktiv und gezielt Wissen im Bereich SAP Business One auf. Wir haben bereits eine ganze Reihe von Zertifizierungsstufen erfolgreich durchlaufen und werden auch künftig unser Know-how im Rahmen weiterer Zertifizierungen kontinuierlich vertiefen. Das hilft uns bei der Vermarktung von SAP Business One. Darüber hinaus haben wir erfahrene Mitarbeiter gewonnen, die Kenntnisse aus Einführungsprojekten mit SAP RE mitbringen.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem SAP-Partnernetzwerk?

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt für uns. Der Vorteil des SAP-Partnernetzwerks ist einerseits, dass wir auf die unterschiedlichsten Erkenntnisse der dem Netzwerk angehörigen Unternehmen zurückgreifen können. Zudem tragen die verschiedenen Partnerveranstaltungen maßgeblich dazu bei, neue Kontakte zu knüpfen und unser Wissen im SAP-Umfeld sukzessive zu erweitern. Andererseits können wir bei Kundenanfragen aus anderen Branchen, wie der Fertigungsindustrie oder dem Textilbereich, bereits auf in der Praxis erprobte und am Markt etablierte Zusatzlösungen anderer Partner zurückgreifen. Wir müssen also nicht erst selbst das benötigte Wissen aufbauen, sondern bieten potenziellen Kunden sofort die für sie geeignete qualifizierte Zusatzlösung an. Das zahlt sich für Sommer Informatik sowie für den beteiligten SAP-Partner aus. Dieser verkauft die Lizenzen, und wir übernehmen als Dienstleister vor Ort den First-Level-Support. Selbstverständlich gilt das auch umgekehrt. Sucht ein Mittelständler eine immobilienwirtschaftliche Lösung in Verbindung mit SAP Business One, so kann diese von einem anderen Partner empfohlen werden. Bei größeren Projekten bieten sich überdies Allianzen zwischen verschiedenen den SAP Business Partnern an, um Kompetenzen zu bündeln und somit noch schlagkräftiger zu werden.

Planen Sie bereits konkrete Kooperationsvereinbarungen mit anderen SAP-Mittelstandspartnern?

Derzeit noch nicht aktiv. Wir sind aber immer offen für Gespräche, auch mit Partnern von SAP aus gehobenen Prduktsegment mySAP-All-in-One, denn nur so erreichen wir eine vollständige vertikale Marktbearbeitung. Ob es zu einer Kooperation kommt, hängt im Einzelfall davon ab, inwieweit diese beiden Partnern nutzt. Hier spielen aber auch Faktoren wie das jeweilige Know-how, die räumliche Nähe sowie die „Chemie“, die ebenfalls stimmen sollte, eine wesentliche Rolle. Wenn alles passt und gemeinsame Ziele festgelegt sind, profitieren von den gebündelten Ressourcen in erster Linie die Kunden, und das ist das Wichtigste.

Weitere Informationen:

www.sommer-informatik.de

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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