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Rollendes Rechenzentrum

Feature | 25. September 2015 von Michael Zipf 0

Bei der IAA in Frankfurt geht es um vernetzte Autos und automatisiertes Fahren. SAP ist mittendrin. Denn ohne IT bewegt sich nichts mehr.

Grelle Lichtblitze, wummernde Bässe, gestylte Tänzerinnen und Tänzer: In den riesigen Ausstellungshallen präsentieren die Automobilhersteller wie eh und je mit großem Pomp ihre neuesten Modelle: Alle zwei Jahre lockt die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) fast eine Million Autofans nach Frankfurt. Die IAA ist die größte Automesse weltweit. Und während sich unten die Menschen zwischen Lack und Leder, schnittigen Sportwagen, Familienkutschen, Elektromobilen und den omnipräsenten SUVs drängeln, geht es ein Stockwerk höher in der „New Mobility World“ etwas leiser zu. Dafür werden hier die wirklichen Zukunftsfragen in Sachen Mobilität diskutiert.

Hier heißen die Aussteller Samsung, IBM, Deutsche Telekom – und, zum ersten Mal: SAP. Die IT-Unternehmen dokumentieren, vor welch tiefgreifendem Wandel die Automobilbranche steht. Informationstechnik ermöglicht es nun, die bereits in hohem Maße digitalisierten Fahrzeuge untereinander, mit dem Fahrer und der Infrastruktur zu vernetzen. Auch selbstfahrende Autos werden wohl in gar nicht allzu ferner Zukunft zum Straßenbild dazugehören.

Vernetzte Autos – eine neue industrielle Revolution

„Das Zusammenwachsen von Auto und IT ist die spannendste Entwicklung unserer Zeit“, sagt etwa Chris Urmson. Er leitet das Programm des fahrerlosen Autos bei Google und machte in Frankfurt deutlich, dass Google insbesondere auf diesem Gebiet forsche, um die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern. Rund 36.000 Verkehrstote pro Jahr alleine in den USA seien nicht hinnehmbar, so Urmson.

Robert Wolcott, Professor of Innovation Management and Corporate Entrepreneurship an der Kellogg School of Management, sprach in Frankfurt gar von “einer neuen industriellen Revolution, die mit der Entwicklung der Eisenbahn” vergleichbar sei.

Kein Wunder also, dass die IT-Branche nun auch auf die Autobranche abfährt.

Zusammen mit mehreren Städten präsentiert SAP im „Smart City Forum“ der IAA Lösungen, die diesen helfen sollen, den täglichen Verkehrsinfarkt zu vermeiden. Dass dies bitter nötig ist, zeigen folgende Zahlen:

  • Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen auf diesem Planeten in Städten leben.
  • Global wird sich der Pkw-Bestand bis 2030 nahezu verdoppeln
  • Auf den Straßen Europas sagen Wissenschaftler bis 2025 eine Zunahme des Güterverkehrs um 80 Prozent voraus
  • In Deutschland stehen Autofahrer heute im Schnitt 36 Stunden lang im Stau.

Wie schlaue Städte mehr Lebensqualität versprechen

Mit Smart Traffic Control etwa können Städte Ampelsteuerungen optimieren und zur Hauptverkehrszeit zusätzliche Fahrspuren freigeben, um Staus zu verhindern. RFID-Chips, Sensoren, Kameras und Induktionsschleifen liefern Daten, mit deren Hilfe sich Stauprofile erstellen und die aktuelle Verkehrssituation überwachen lassen. In der chinesischen 8-Millionen-Einwohnerstadt Nanjing beispielsweise hilft SAP HANA, die 20 Milliarden Sensor-Daten, die jedes Jahr in der Stadt anfallen, zu analysieren, um vorausschauend Verkehrsprobleme zu vermeiden. Die Software lernt dabei ständig dazu. Im Juni 2015 unterzeichnete die Stadt das Custom-Development-Projekt. Derzeit analysiert SAP HANA die Daten, die von den 10.000 Taxis der Stadt generiert werden. Weitere Verkehrsteilnehmer sollen folgen.

„Smart Traffic ist eines der heißesten Themen für die ständig wachsenden Städte“, sagt Norbert Koppenhagen vom SAP Innovation Center Network, der auf der IAA auch die Zusammenarbeit mit Darmstadt in Hessen präsentiert. „Wenn es uns gelingt, den Verkehr fließen zu lassen, können wir die Lebensqualität für die Einwohner erheblich steigern.“

 

Die Cloud-Anwendung SAP Vehicle Insights verknüpft Fahrzeug- mit Sensordaten und liefert so aussagekräftige Informationen zum Verhalten und der Effizienz von Fahrern. So haben Mobilitäts- und Logistikdienstleister den Zustand ihrer Fahrzeuge in Echtzeit im Blick und berücksichtigen dabei gleichzeitig Umweltbelastungen und Verkehrsprobleme. Fuhrparkbetreiber können mit SAP Vehicle Insights ihre Flotte optimal verwalten.

Zudem zeigt SAP in Frankfurt ihre zusammen mit Nürnberg entwickelte City App. Sie ermöglicht es Bürgern, Mängel und Schäden in ihrer unmittelbaren Umgebung zu melden. Algorithmen verknüpfen diese Meldungen mit Daten wie dem Verkehrsaufkommen im betroffenen Stadtteil. Stadtverwaltungen können anhand dieser Informationen ihre Prozesse optimieren.

Auf großes Interesse stößt zudem TwoGo by SAP, die mobile App, die es Mitarbeitern von Unternehmen, Institutionen und Kommunen ermöglicht, sich zu Fahrgemeinschaften zu vernetzen. „Es ist eine spannende Zeit für TwoGo“, sagt Alexander Machold aus dem TwoGo-Business-Development-Team. „Ob Autofirmen, Parkhaus-Betreiber oder Kommunen und Ministerien, viele prüfen derzeit, wie ihnen TwoGo helfen kann, Kosten zu sparen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.“ Zudem diene die App oftmals als Türöffner, um weitere SAP-Lösungen zu verkaufen.

„Die Zahl vernetzter Fahrzeuge steigt, Sensoren werden immer häufiger eingesetzt und sogar selbstfahrende Fahrzeuge rücken in den Bereich des Möglichen. Daraus ergeben sich für uns Möglichkeiten, Städte, Branchen und Wirtschaftsbereiche nachhaltig zu verändern“, so Stephan Brand, Vice President, PI Analytics Applications, Products and Innovation, SAP.

Weitere Informationen:

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Fotos: Shutterstock; SAP

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