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Wie Versicherer ihre IT krisenfest machen

Feature | 4. Juli 2017 von Michael Hafner 19

Die Prinzipien des Continuous Accounting sowie der agilen IT-Architektur sind die Königswege im Versicherungswesen. Beide Architekturen ermöglichen Stabilität der Systeme auf der einen Seite, aber auch innovative Ansätze.

Dem Finanz- und Risikobereich steht ein schwieriger Spagat bevor: Einerseits sollte das System jederzeit robust und nachvollziehbar laufen, andererseits müssen technologische Neuerungen wie Cloud-Ansätze, die In-Memory-Technologie, Blockchain-Ansätze und Machine Learning kontinuierlich erforscht und integriert werden. Der Einsatz von maschinellem Lernen etwa kann im Finanzbereich für die automatische Zuordnung eingehender Zahlungen erheblichen Mehrwert generieren – auch dann, wenn die Klärungsquote schon heute relativ hoch liegt.

Wie lässt sich aber beides zugleich bewältigen? Zwei Leitgedanken zeigen Möglichkeiten einer passenden Finanzarchitektur auf.

1. „Continuous Accounting“: Vereinfachung der Finanzprozesse und Datenhaltung

In klassischen Finanz- und Risikoarchitekturen fällt auf, dass Daten oft redundant in unterschiedlichen Formaten und Aggregationsstufen vorliegen. Operative und analytische Daten sind voneinander getrennt wie auch die Datenhaltung von Aktuariat, Rechnungswesen und Risikomanagement. Dadurch wird es kompliziert, die Daten zusammenzuführen, die für Entscheidungen und Abschlussprozesse nötig sind. Die Folge: Berichte werden inkonsistent und die Unternehmenssteuerung wird erschwert.

In einer modernen IT-Architektur liegen Daten dagegen redundanzfrei auf granularer Ebene an einer zentralen Stelle. Sie ermöglichen operative und analytische Prozesse zugleich. Virtuelle Datensichten und hochperformante In-Memory-Technologie ermöglichen es, jederzeit Detailinformationen zu bekommen, die für spätere Entscheidungen nötig sind. Weiterer Vorteil: Planungs- und Konsolidierungsprozesse sind vollständig integriert und basieren auf granularen Ist-Stamm- und Bewegungsdaten. Dies ermöglicht einen kontinuierlichen Rechnungswesen-Prozess, Continuous Accounting genannt. Das bedeutet, dass Manager auf Basis einer tagesaktuellen Finanzsicht („Soft Close“) entscheiden können sowie der vollständigen Abschluss zum Stichtag („Fast Close“) beschleunigt wird. Dieses Prinzip ist übrigens auch die Grundlage für SAP S/4HANA Finance mit der integrierten „Business Planning and Consolidation“-Komponente als Kern einer robusten Finanzarchitektur.

2. Agile IT-Architektur durch bi-modale IT

Der von Gartner geprägte Begriff der „bi-modalen IT“ besagt, dass für die Nutzung neuer Technologien zwei parallele Arbeitsstile bei Pflege und Ausbau der IT-Architektur benötigt werden: Im Modus 1 geht es um den bedachten und nachhaltigen Ausbau etablierter, stabiler Prozesse, im Modus 2 hingegen um den explorativen und experimentellen Ausbau der IT-Architektur, der neue Chancen und Geschäftsmodelle ermöglichen soll.

Das Ziel einer agilen IT-Architektur liegt darin, beider Arbeitsmodi miteinander zu verbinden und zu integrieren:

– In Modus 1 stellt die SAP-Lösung SAP S/4HANA Enterprise Management einen stabilen Kern dar, der möglichst modifikationsfrei einem regelmäßigen Release-Zyklus folgt, um von Innovationen zu profitieren.

– Modus 2 wird durch die „SAP Cloud Platform“ bereitgestellt. Dabei handelt es sich um eine Cloud-basierte Service-Schicht auf dem stabilen Kern, die auf offenen Standards beruht. Sie ermöglicht den einfachen Zugang zu innovativen Technologien wie Machine Learning oder die Einbindung des „Internet of Things“ über SAP Leonardo (beispielsweise über die SAP-Telematik-Lösung „Vehicle Insights“).

Weitere Informationen:

Erfahren Sie mehr über das Thema auf den Webseiten des „Fachkreises Finanzen und Risiko in der Assekuranz“.

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