VW Zubehör: Weg vom Handbetrieb

Feature | 28. Juli 2010 von Martina Lamping, Frank Völkel 0

Umstellung auf SAP BusinessObjects-Tools bei Volkswagen Zubehör (Foto: VW)

Umstellung auf SAP BusinessObjects-Tools bei Volkswagen Zubehör (Foto: VW)

Die Volkswagen Zubehör GmbH ist eine VW-Tochter und bietet mehr als  8.000 Zubehörartikel für fast alle Modelle aus dem Programm des Autoherstellers an. Dazu gehören vor allem speziell gestylte Räder und Rad-Reifen-Kombinationen, Bauteile für optische Veredlungen, Komponenten für die Fahrzeugkommunikation, Produkte für die Autopflege und Mode-Accessoires. Bis vor kurzem erledigte die Firma mit ihren 200 Mitarbeitern die Auswertung von Daten aus den einzelnen ERP-Modulen des SAP-Systems noch von Hand und übertrug sie in Excel. Damit entstand aufgrund der hohen Anforderungen an das Konzern-interne Berichtswesen ein immenser Aufwand, der hohe Kapazitäten band – siehe auch Artikel Volkswagen SRM Roadmap 2011.   

Der Projektleiter Björn Lange fügt hinzu: „Diese Methode war zum einen deutlich zu zeitaufwändig und wurde zum anderen den aktuellen Anforderungen einfach nicht mehr gerecht“. Die kürzeren Entwicklungszyklen forderten stetig neue Reports, die möglichst ad-hoc zur Verfügung stehen sollten. Das Unternehmen entschied sich deshalb für die Einführung einer modernen Business Intelligence-Lösung. „Unser Ziel war es, nicht nur eine einheitliche Datenbasis zu schaffen, sondern vor allem eine flexible und weitestgehend automatisierte Informationsverteilung zu gewährleisten“, so Lange. Als Implementierungspartner wählte das Unternehmen die Infomotion GmbH, eines der führenden deutschen BI-Beratungshäuser.

Tools von BusinessObjects

Bei der Konzipierung der BI-Lösung gab es zwei Grundbedingungen: Das neue System sollte zum eine hohe Flexibilität hinsichtlich Reporting und Skalierbarkeit gewährleisten und zum anderen einfach zu bedienen sein. Obwohl die Firma SAP R/3 als ERP-System einsetzt, war die Einführung eines SAP Business Warehouses (BW) nicht der gewünschte Weg. „Das Business Warehouse ist ein sehr komplexes System, das den Zugriff auf umfangreichste Datenbestände ermöglicht“, erklärt Infomotion-Projektleiter Jan Ischebeck. „Im Rahmen der Anforderungsanalyse hat sich klar herausgestellt, dass VW Zubehör eine deutlich komprimiertere und damit flexiblere Anwendung benötigt“. Die Lösung: der Aufbau einer relationalen Datenbank unterstützt durch Werkzeuge von SAP BusinessObjects.

Die Autoindustrie hat mit einer ganzen Reihe Schwierigkeiten zu kämpfen, die vor allem Überkapazitäten in der Produktion, hohe Umsatzeinbrüche in den vergangenen zwei Jahren und Protektionismus betreffen – siehe auch Artikel Autoindustrie: Prozesse gut, alles gut?

Integration von UMTS-Funktionen im Fahrzeug durch VW Zubehör (Foto: VW)

Integration von UMTS-Funktionen im Fahrzeug durch VW Zubehör (Foto: VW)

Sonderausrüstung: 19 Zoll große Räder beim VW Passat CC (Foto: VW)

Sonderausrüstung: 19 Zoll große Räder beim VW Passat CC (Foto: VW)

„Während das Business Warehouse praktisch alle Daten aus den jeweiligen SAP-Modulen extrahiert, haben wir im Vorfeld genau definiert, welche Daten aus fachlicher Sicht tatsächlich relevant sind“, macht Ischebeck den Unterschied deutlich. „Um unsere Zahlen nicht allein durch eine SAP-Brille zu analysieren, müssen wir auch Daten aus verschiedenen Modulen einfach zueinander ins Verhältnis setzen können“, ergänzt Lange „Darüber hinaus ermöglicht es das neue Tool, dass wir ebenso externe Datenquellen schnell und unkompliziert an unser Berichtswesen anbinden können.“

Im Rahmen der Datenmodellierung stellte insbesondere die Extraktion der Daten aus den jeweiligen SAP-Modulen wie Finanzwesen (FI), Kostenträgerrechnung (CO), Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (CO/PA) und Materialwirtschaft (MM) hohe Anforderungen. „Zum einen sind die benötigten Daten oft auf diverse Einzeltabellen verteilt. Zum anderen wird ein Großteil der Daten im Modul selbst berechnet“, berichtet Ischebeck.

Für die Datenmodellierung wurden zahlreiche SAP-Tabellen analysiert, um die Quelle jedes einzelnen Werts zu ermitteln. Darüber hinaus wurden auch Teile der Berechnungslogik nachgebildet, um die korrekte Datenbildung auch für Sonderfälle sicherzustellen. Zum Teil wurde hierzu auch der SAP-Funktionsumfang erweitert: Während z.B. in der SAP-Anlagenbuchhaltung von Haus aus nur eine Anzeige der Daten aus dem laufenden Jahr vorgesehen ist, steht im Finanzreporting eine Berechnung für die kommenden Jahre als Standard zur Verfügung.

„Aktuell sparen wir jeden Monat allein im Controlling drei Manntage ein – Tendenz steigend“, betont Lange. Auch gänzlich neue Berichte lassen sich nun in kurzer Zeit erstellen: Hierzu werden die gewünschten Daten über eine Weboberfläche per Drag & Drop zusammengestellt und bei Bedarf grafisch aufbereitet. Von den neuen Möglichkeiten profitiert auch der VW-Konzern: Komplexe Analysen, zum Beispiel über die Auswirkungen von Währungseffekten, dauern heute weniger als zwei Tage.

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