Von Moskau in die Welt

Feature | 1. Dezember 2008 von admin 0

„Komm zu mir, Bruder, nach Moskau“ – die Worte des Stadtgründers
Fürst Juri Dolgoruki an den Fürsten von Nowgorod aus dem Jahr 1147
gelten als erste schriftliche Erwähnung der Kremlstadt. Dass auch Juri
Makarow diesem Ruf folgte, als er 1988 seine Heimat in den Weiten der Wolgaregion verließ, ist unwahrscheinlich. Bei ihm standen praktische Gründe im Vordergrund, er wollte an der Staatsuniversität Chemie studieren.

Und in Moskau möchte er bleiben: „Hier kann man gut arbeiten.
Außerdem ist Moskau die russische Stadt, in der sich am meisten tut.
Man spürt ihren treibenden Rhythmus und das hohe Tempo.“ Vorwärtsdrang und Schnelllebigkeit prägen auch Makarows Arbeitsalltag als stellvertretender Direktor von Mettler-Toledo C.I.S, der russischen Tochter des weltweit tätigen Präzisionsgeräteherstellers Mettler-Toledo.

Besonders war dies der Fall, als das kleine Marketingunternehmen vor einigen Jahren mit wachstumsbedingten Problemen zu kämpfen hatte. Denn 2006 wurde klar, dass die intern entwickelte, auf MS Access basierende CRM-Lösung mit dem Wachstum des Unternehmens nicht mehr Schritt hielt. „Als unsere Belegschaft die 100 überschritt, stand fest: Wir brauchen ein neues Informationssystem“, erinnert sich Makarow. „Alle unsere Kundendaten sollten zentral vorliegen.“

Wachstumsschmerzen lindern

Zudem galt es, den expandierenden Betrieb unter Kontrolle zu halten. In einer kleinen Firma kennt jeder jeden. Fragen zur Arbeitsleistung lassen sich an Ort und Stelle klären. „Wenn das Unternehmen aber wächst, klappt das nicht mehr“, so Makarow. „Man braucht ein System, mit dem man sowohl die Belegschaft kontrollieren als auch die Kernprozesse unterstützen kann.“ Bisher habe das Unternehmen mit einer ausgesprochen heterogenen IT-Landschaft gearbeitet: „Neben einem Beschaffungssystemund einem CRM-System auf Access-Basis hatten wir eine Buchhaltung, die auf einem russischen Programm beruhte. Sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen, grenzte ans Unmögliche. Deshalb wollten wir eine zentrale Lösung, mit der wir unseren Vertrieb abwickeln konnten und unsere Ausgaben
im Griff behielten.“

Makarow und Kollegen sahen sich zunächst auf dem russischen Markt
um, entschieden sich dann aber für SAP Business One. „Den Ausschlag
gaben die Funktionen, die Bekanntheit der Marke und natürlich der Preis“, erläutert der Manager. „Für eine größere SAP-Lösung war die Zeit allerdings noch nicht reif.“ Mitte 2006 begann die Implementierung, im Januar 2007 ging das System in Betrieb. Ein Jahr später führten auch die Niederlassungen in der Ukraine und Kasachstan SAP Business One in modifizierter Form ein. „Wegen der vielen lokalen Besonderheiten vor allem im Finanzwesen und in der Buchhaltung können wir nicht überall dieselbe Lösung verwenden“, erklärt Makarow.

Seine „Wachstumsschmerzen“ – die Ineffizienz, mit der junge, expandierende Unternehmen häufig zu kämpfen haben – hat Mettler-Toledo damit kuriert. „Mit SAP Business One können wir unsere Geschäftsprozesse verknüpfen“, freut sich Makarow. „Die Lösung automatisiert viele Routinearbeiten und bietet hervorragende Berichtstools. Endlich können wirunseren Betrieb zeitnah kontrollieren. Obendrein erfüllt das System alle gängigen Bilanzierungsvorschriften einschließlich Sarbanes-Oxley.“

Ohne zentrale, effektive IT-Lösung kann sich Makarow sein Unternehmen kaum mehr vorstellen. „Schon jetzt bringt uns SAP Business One Geld ein“, verrät er. „Dazu ein Beispiel: In der Lösung haben wir ein zwar kompliziertes, dafür aber höchst flexibles Rabattgenehmigungssystem abgebildet.

Nach einem Jahr stellen wir zu unserer Freude fest, dass wir unter dem Strich mehr verdient haben. Sobald man etwas kontrolliert, bekommt man es auch in den Griff.“

Strategie im Fokus

Dank SAP Business One kann sich Mettler-Toledo stärker auf strategische Aufgaben konzentrieren. Momentan entwickelt das Unternehmen Prozesse für sein Personalwesen und justiert die Abläufe im Kerngeschäft. Als langfristige Ziele hat der Vorstand Umsatzwachstum und Kostendämpfung ausgegeben. Russland, China und andere asiatische Länder sollen einen wesentlichen Beitrag zum Konzernergebnis leisten. Kostendisziplin ist inRussland das Gebot der Stunde, weil dort unter anderem kräftige Lohnund Gehaltszuwächse, eine hohe Inflation sowie horrende Büromieten die finanzielle Gesundheit der Unternehmen gefährden.

Produkte zu verkaufen bedeutet mehr als lediglich Bestellungen entgegenzunehmen. Makarow beschreibt, was sich beim Vertrieb komplexer Präzisionsinstrumente abspielt: „Wir fahren zum Kunden, verschaffen uns einen Überblick über seine Produktion, lassen uns zeigen, wo genau das Gerät aufgestellt werden soll, und messen zur Sicherheit nach.“ Erst nach dieser gründlichen Recherche legt der Verkäufer sein Angebot vor.

Das A und O: Effizienz

Ein zeitraubendes Verfahren. Angesichts des Absatzdrucks und der vielen
Produkte, die der Konzern in den letzten Jahren herausgebracht hat, sollte man meinen, die Vertriebsmannschaft werde stetig aufgestockt. Doch die Zeiten, so Makarow, in denen dies parallel zur Ausweitung der Produktion geschah, seien vorbei. „Wenn wir in Russland ein neues Produkt vermarkten sollen, schauen wir, wer aus dem Team diese Aufgabe zusätzlich übernehmen kann. Letztlich ist es eine Frage der Effizienz. Auch dabei hilft uns die leistungsstarke IT-Lösung.“

Mit Effizienz will sich Mettler-Toledo auch gegenüber dem rasant zunehmenden Wettbewerb behaupten. „Unsere Konkurrenten interessieren sich sehr für den russischen Markt“, weiß Makarow. „Da wir in Europa alle auf gesättigten Märkten agieren, setzt nun der Run auf Russland ein.“ Technisch modernisiert und hoch motiviert, ist Makarows Team bestens gerüstet, in diesem Wettbewerb zu bestehen und – wie er augenzwinkernd hinzufügt – zu „verkaufen, was das Zeug hält“.

Mettler-Toledo

Die Unternehmensgruppe Mettler-Toledo ist auf Präzisionsinstrumente
(Labor, Industrie, Einzelhandel) spezialisiert. Mit gut 9.500 Mitarbeitern setzt der Konzern jährlich 1,3 Milliarden Euro um. Der Firmenname entstand aus der Fusion des schweizerischen Laborgeräteherstellers Mettler mit Toledo Scale. Die seit 1991 bestehende Mettler-Toledo International hat ihren Firmensitz in Greifensee bei Zürich.

Tags:

Leave a Reply