Wachstum rund um Gartenprodukte

Feature | 22. März 2004 von admin 0

WOLF-Garten ist der einzige Komplettanbieter im Markt für Gartenprodukte und -services in Europa. Das international tätige Unternehmen zählt derzeit neun Vertriebsgesellschaften im europäischen Ausland und in den USA. Produziert wird an drei Standorten in Deutschland mit werksübergreifender Fertigung und unterschiedlicher Fertigungstiefe. Die Produktpalette reicht von klassischen Gartengeräten wie Rasenmähern, Vertikutierern, Gartenscheren oder Rechen bis hin zu Produkten wie Samen oder spezielle Düngemittel, die WOLF-Garten sowohl produziert als auch vertreibt. Über die Geschäftseinheit “Eurogreen” bietet WOLF-Garten zudem Dienstleistungen rund um den Rasen an. Ein prominenter Kunde ist beispielsweise die “Arena auf Schalke”, die von Eurogreen gepflegt wird.

Das Ende des Inseldenkens

Die alte IT-Infrastruktur erwies sich als überfordert, um künftiges Wachstum von WOLF-Garten zu unterstützen. “Wir hatten erkannt, dass die bestehende Software dem Tempo und den Ansprüchen des Marktes nicht mehr gerecht wird”, beschreibt Thomas Utsch, als kaufmännischer Leiter auch für das IT-Management zuständig, die Situation Ende der neunziger Jahre. Die damals sieben Gesellschaften arbeiteten alle auf unterschiedlichen IT-Plattformen.
Die Vielzahl der Insellösungen musste also verschwinden. WOLF-Garten entschloss sich, auf SAP R/3 umzusteigen, eine Lösung, die es ermöglicht alle Standorte zentral zu steuern. Mit der Einführung von SAP will WOLF-Garten den komplexen logistischen Anforderungen im Unternehmen gerecht werden. Die neue Plattform, die Produktionsstandorte und Vertriebsgesellschaften verbindet, soll in dem stark saisonal geprägten Garten-Geschäft die Verfügbarkeit der Produkte bei gleichzeitiger Kosteneffizienz sicher stellen.
Nachdem ein innerbetrieblicher Strukturwandel abgeschlossen und ein Lösungskonzept erstellt war, wurde Novasoft als Beratungs- und Implementierungspartner hinzugezogen. Dem Gartenspezialisten war bewusst, dass ein umfassender Veränderungsprozess ins Haus stand. “Uns war klar, dass wir nicht nur SAP an WOLF anpassen durften, sondern es auch nötig sein würde, WOLF an die SAP-Software anzupassen”, gibt Thomas Utsch die Überlegungen wieder.

Saisongeschäft zentral steuern, Transparenz schaffen

Kern der Implementierung war, künftig Produktion und Absatz über die nationalen und internationalen Standorte hinweg integriert zu steuern und zu planen. “Wir hatten zum Beispiel die Situation, dass das gleiche Produkt in den verschiedenen Gesellschaften von WOLF-Garten unterschiedliche Produktnummern hatte”, so Utsch. “Auch Personaldaten oder Kundeninformationen konnten wir nicht zeitnah und sinnvoll auswerten.”
Deshalb sollte zeitgleich auch ein durchgängiges Management-Information-System geschaffen werden. Zusätzlich mussten die Kunden und Lieferanten per EDI elektronisch angebunden sein – in der Konsumgüterindustrie mittlerweile ein Standard. Andreas Mecheels, Projektleiter von Novasoft, nennt eine weitere Herausforderung: “Parallel zur Implementierung begann die Zusammenarbeit mit einem externen Logistikdienstleister, der heute für Lagerung und Auslieferung der Fertigprodukte zuständig ist. Diese geschäftskritischen Prozesse galt es, solide in die Logistikkette mit einzubinden.”

Anforderungen in schlanke Prozesse gegossen

Trotz der komplexen Anforderungen setzte das Team von Novasoft bei der Implementierung der SAP-Lösung bewusst auf schlanke Prozesse und verzichtete auf Abweichungen vom Standard. “Für WOLF-Garten war es von großer Bedeutung, dass wir sensibel auf die schlanken Prozesse im Unternehmen eingingen und nicht einfach lehrbuchmäßig die SAP-Prozesse über die vorhandene Struktur stülpten”, so Mecheels weiter. Aufgrund des saisonalen Geschäfts war beispielsweise der integrierte Planungsprozess von der Ergebnisplanung bis zur rollierenden Produktionsplanung im Kurz- und Langfristbereich ein Schwerpunkt der Implementierung. In der Produktion wurde mit den Fertigungssteuerungsverfahren “Serienfertigung” und “KANBAN” der SAP mit möglichst wenig Buchungsaufwand größtmögliche Transparenz erzeugt. Materialentnahmen werden fast ausschließlich bei der Rückmeldung der gefertigten Mengen gebucht.
Auch in dem Logistics Execution System (LES) realisierte Novasoft eine schlanke Lösung. Im Mittelpunkt stand hier die Lagerverwaltung, der Auslieferungsprozess und die Anbindung des externen Logistikdienstleisters über eine IDOC-Schnittstelle. Zunächst war die Meinung, zur Bildung von Lagereinheiten auf Freiflächen die SAP-Lagereinheitenverwaltung verwenden zu müssen. Novasoft fand jedoch in der dynamischen Vergabe von Lagerplätzen bei der Einlagerung einen einfacheren Weg. Eine zweite komplexe Fragestellung lösten die Berater, indem für Chargeninformationen im Stahlbandlager nicht die nahe liegende Chargenverwaltung eingeführt wurde, sondern ein spezielles Feld auf Lagerplatzebene genutzt wird.

Komplexe Kundenauftragsabwicklung

Im Material-Management (MM) kommen umfangreiche Beschaffungs- und Kontraktformen zum Einsatz. Nahezu die ganze Breite der SAP-R/3-Funktionalität wie Lieferantenbeurteilung, Budgetprüfung oder Freigabeverfahren von Bestellanforderungen werden von WOLF-Garten genutzt. Eine besondere Herausforderung war, die Umlagerungsprozesse zwischen den Produktionswerken im Hinblick auf geringst mögliche Bestände abzubilden. Auch hier bewährt sich die KANBAN-Philosophie, wonach das empfangende Werk das vorgefertigte Material beim produzierenden Werk mit Hilfe eines definierten Behälterkreislaufs bedarfsgesteuert anfordert.
Die Optimierung der Kundenauftragsabwicklung entwickelte sich zum umfangreichsten Teilprojekt. Ausgeprägte Kundenhierarchien sowie vielfältige Prozesse wie Streckenabwicklung oder Kundeneinzelauftragsabwicklung und eine umfangreiche Reklamations- und Garantieabwicklung ließen sich mit den SAP-Standardfunktionalitäten abbilden. Mit Hilfe der flexiblen Customizing- und Erweiterungsmöglichkeiten wurde die komplexe Preisfindung je Vertriebsgesellschaft umgesetzt. Um die für die Konsumgüterindustrie typischerweise hohe Anzahl an Kundenaufträgen zu meistern, entwickelte Novasoft spezielle Funktionalitäten. Dazu zählte etwa die versandlastabhängige Bildung von Auslieferungen oder die automatische Weiterverarbeitung von nicht ausgelieferten Auftragspositionen mit Hilfe der User-Exit-Technologie. Der Erfassungsaufwand ließ sich reduzieren, indem die Kunden über EDI angebunden wurden. Nach nur sieben Monaten gelang den Beratern am 3. September 2003 termingerecht der Produktivstart.

Mehr Managementqualität und Kostenersparnisse

Der Erfolg des Projekts liegt für Thomas Utsch auf der Hand: “Endlich haben wir Transparenz in unserem Unternehmen. Wir haben die Daten und Informationen, die wir als Planungsgrundlage brauchen. Wir können Kunden besser betreuen und erkennen, wo noch Potenziale auszuschöpfen sind.” Durch die Zentralisierung der logistischen Prozesse lassen sich die Lagerbestände in der Saisonvorbereitung deutlich senken und auf diese Weise Kosten sparen. Utsch ist zuversichtlich: “Nach einer Anlaufzeit erwarten wir eine Reduktion des Umlaufvermögens von rund einem Drittel”. Die Gesellschaften lösen ihre Endprodukt-Lager auf und schließen sich der zentralen, logistischen Verwaltung an.
Auch im Bereich der Personalsteuerung kann WOLF-Garten nun langfristiger planen. “Wenn voraussichtlich Ende 2004 alle internationalen Gesellschaften integriert sind, sehen wir sehr schnell: Wo gibt es Über-, wo Unterkapazitäten?” Eine weitere Steigerung des Return on Investment erwartet Utsch, wenn die elektronische Kundenanbindung international ausgeweitet und die Außen- und Innendienststeuerung optimiert wird.
“Die Implementierung von SAP R/3 war für uns ein in Geld messbarer Erfolg”, sagt Utsch. Bereits jetzt werden 40 Prozent der eingehenden Aufträge elektronisch abgewickelt. Das setzt Kapazitäten im Innendienst frei, die an anderer Stelle gewinnbringend Verwendung finden.” Und der Manager ist zuversichtlich, das Ziel, 50 Prozent aller Aufträge elektronisch über EDI abzuwickeln, schnell zu erreichen. Bis Ende 2004 soll der Roll-out für alle internationalen Gesellschaften erfolgt sein. Dann wird es bei WOLF-Garten keine Insellösungen mehr geben.

Wolfgang Bläsi

Wolfgang Bläsi

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