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Warum eine analoge Denkweise den digitalen Wandel verhindert

Radio | 21. Juni 2016 von John Ward 0

Das Internet der Dinge und der digitale Wandel waren die Hauptthemen bei der SAP-Radiosendung „Meet the Visionary Game-Changers“: Internet der Dinge: Geschäftsmodelle neu denken.

Bei Moderatorin Bonnie D. Graham waren Dr. Miroslaw Ryba, Executive Director des EMEIA Advisory Center bei EY, und Kai Goerlich, Research Director in Digital Futures bei SAP Marketing, zu Gast. Beide bezogen im Gespräch eindeutig Stellung. Dennoch haben mich ihre Aussagen überrascht. Als ich die Live-Show hörte, fragte ich mich immer wieder: „Bedeutet dieser digitale Wandel nun eine komplette Revolution oder ist er nur Stückwerk?“ Das ist eine Frage, die sich vor allem für die Geschäftswelt stellt.

Milliarden und Abermilliarden Vernetzungen

„Die digitale Wirtschaft stellt Milliarden und Abermilliarden Vernetzungen zwischen Unternehmen, Menschen, Geräten und Daten her“, stieg Graham ins Thema ein. „Und wir gehen davon aus, dass sich diese Zahlen bis 2030 noch verzehnfachen werden.“

Da gibt es keinen Zweifel – das ist schon eine Hausnummer. Aber die Diskussionsteilnehmer ließen die Statistiken bald hinter sich, um die wirkliche Bedeutung von Hyperkonnektivität zu verstehen. Wo liegt nun der Mehrwert? Laut beiden Gästen ergibt sich dann geschäftlicher Nutzen, wenn Unternehmen Technologien miteinander kombinieren. „Der Hype um den digitalen Wandel existiert, solange sich aus dem Internet der Dinge reale Lösungen ergeben“, erklärte Miroslaw Ryba. „Das Internet der Dinge ist die Grundlage für den digitalen Wandel.“ Ryba bezeichnet das Internet der Dinge als „Schwerkraft“ der digitalen Welt. Und Kai Goerlich führte diesen Gedanken noch weiter aus: „Mit dem Internet der Dinge haben wir Sensoren und interaktive Geräte, aber ohne Analyselösungen bleiben es einfache Sensoren. Vernetzungen und die Verarbeitung großer Datenmengen machen den entscheidenden Unterschied aus.“

Die Möglichkeiten sehen

Obwohl es immer mehr Sensoren und vernetzte Daten gibt, betonten sowohl Goerlich als auch Ryba, dass die meisten Unternehmen noch einen weiten Weg vor sich hätten, bis sie das Potenzial der digitalen Wirtschaft optimal ausschöpfen könnten.

„Natürlich ist es richtig, dass die Digitalisierung den Geschäftserfolg mitbestimmt“, sagte Goerlich. „Aber wenn Sie sich Schwerindustrien, zum Beispiel die Fertigungs- oder die Öl- und Gasbranche, ansehen, werden Sie schnell merken, dass in vielen Sektoren immer noch körperliche Arbeit vorherrscht.“ „Die Digitalisierung ist überall“, pflichtete ihm Ryba bei. „Wir müssen nur die Möglichkeiten sehen und erkennen, wo sie Mehrwert schaffen kann.“

Viele sind der Meinung, dass in bestimmten Bereichen großes Potenzial besteht – wenn es beispielsweise darum geht, Betriebskosten einzusparen, die Produktivität zu erhöhen und Geschäftsmodelle auszubauen.

McKinsey & Company veröffentlichte im Sommer letzten Jahres eine Studie, in der an einem konkreten Beispiel aufgezeigt wird, wie sich mit Sensoren an Maschinen mögliche Ausfallzeiten prognostizieren und dadurch Wartungszeitpläne optimieren lassen. Allein der Einsatz dieser Technologie könnte „die Wartungskosten um 25 Prozent senken, ungeplante Ausfallzeiten um bis zu 50 Prozent vermeiden und die Lebensdauer von Maschinen um Jahre verlängern.“

McKinsey untersuchte in der Studie über 150 spezifische IoT-Anwendungen und schätzte auf dieser Grundlage, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen im Jahr 2025 eine Größenordnung von bis zu 11,1 Billionen US-Dollar erreicht haben werden. Mehr als zwei Drittel davon soll Unternehmen zugute kommen.

Umdenken ist notwendig

Neben den bekannten Konzepten wie intelligente Häuser und vernetzte Fahrzeuge gibt es viele weitere IoT-Anwendungen im Privatbereich. Die Gesprächsteilnehmer waren sind allerdings einig, dass mehr innovative Ideen für den Einsatz von IoT- Technologie für die Geschäftswelt gebraucht werden.

„Das ist etwas, das fehlt“, sagte Ryba. „Jeden Tag entdecken wir neue Einsatzmöglichkeiten, aber es gibt noch keine soliden Geschäftsmodelle für das Internet der Dinge.“

Vielleicht muss also erst noch eine weitere Veränderung stattfinden, damit die digitale Revolution das gesamte Potenzial in der Geschäftswelt entfalten kann. Laut Goerlich hat die Wirtschaft jahrhundertelang nur in analogen Geschäftsmodellen gedacht. „Und wir haben nie damit aufgehört“, sagte Goerlich. „Genau das ist das Problem.“

Folgen Sie John Ward auf Twitter unter @JohnGWard3 und hören Sie sich in voller Länge den Podcast zur Radiosendung an.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf SAP Business Trends.

Bild: Shutterstock

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