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Was ist eigentlich die Cloud? Eine kurze Einführung.

Feature | 16. April 2018 von Cathy Daum

Die Cloud ist allgegenwärtig. Sie hat unsere Welt grundlegend und unwiderruflich verändert – doch könnten Sie Ihrer Mutter beim Sonntagsbraten erklären, was genau es damit auf sich hat?

Wie ist die Cloud entstanden?

Die ersten Ideen für die Cloud kursierten in verschiedenster Form schon seit den 1960er-Jahren. Die Entwicklung des Konzepts schreiben die meisten Experten den Informatikern J. C. R. Licklider, der auch zur Entstehung des Internets beigetragen hat, und John McCarthy zu, der vielfach als „Vater der künstlichen Intelligenz“ bezeichnet wird.

Im Mittelpunkt von Lickliders Vision stand vor allem die Vernetzung: Er vertrat die Auffassung, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, von überall auf Daten zuzugreifen. Das entspricht weitestgehend dem Cloud Computing, wie wir es heute kennen. John McCarthy schwebte ein ähnliches Konzept vor. Er sprach sich für ein offenes weltweites Netzwerk aus und sah in Computern (und dem Internet) eine Versorgungsdienstleistung, die für alle zugänglich sein sollte.

Es sollte noch viele Jahre dauern, bis das Konzept des Cloud Computing vollständig ausgereift war. Ursache hierfür war vor allem die eingeschränkte Bandbreite, die bis in die 90er-Jahre hinein den Zugriff auf weltweit miteinander vernetzte Computer unmöglich machte.

Gut, aber wann hat sich die Cloud zu einer so großen Sache entwickelt?

Der Begriff „Cloud“ ist längst in unsere Alltagssprache eingeflossen. In den Nachrichten wird immer wieder über Hackerangriffe in der Cloud berichtet, und viele Nutzer legen Wert darauf, dass ihre iCloud ausreichend Speicherplatz für alle Urlaubsfotos bietet. Und als wäre das noch nicht genug, ließen sich Cameron Diaz und Jason Segel vor ein paar Jahren in einer Filmkomödie darüber aus, dass sich niemand wirklich etwas unter der Cloud vorstellen kann. Damit ist die Cloud definitiv in unserem Alltag angekommen.

Die Cloud besteht aus einem Netzwerk von Servern, die über das Internet miteinander verbunden sind und ein sicheres, einfaches und effizientes Speichern und Abrufen von Inhalten ermöglichen.

So zeigt Google Trends beispielsweise, dass ab 2008 verstärkt nach Informationen zur Cloud und insbesondere zur damals noch relativ neuen Technologie des „Cloud Computing“ gesucht wurde.

Wie das Schaubild unten zeigt, wurde die formelle Bezeichnung „Cloud Computing“ mit zunehmenden Interesse an dem Thema von dem umgangssprachlicheren Begriff „Cloud“ abgelöst, den wir auch heute meist verwenden.

Es überrascht wenig, dass sich Cloud-Services seit dieser Zeit allgemein immer größerer Beliebtheit erfreuen und stärker genutzt werden – auch bei der SAP.

So kamen 600 neue Unternehmen zum Partnernetz der SAP hinzu, deren Angebote direkt auf dem Cloud-Portfolio der SAP basieren.

Folglich verzeichnete der Umsatz über Vertriebspartner 2017 dreistellige Wachstumsraten. Partner, die ausschließlich Cloud-Lösungen anbieten, nutzen insbesondere das Partnerprogramm SAP PartnerEdge Cloud Choice Profit, um neue Kunden zu gewinnen und ihren Umsatz zu steigern.

Warum ist die Cloud so wichtig für mein Unternehmen?

Bislang sind wir lediglich auf die relativ offensichtlichen Vorteile eingegangen, die die Cloud für Verbraucher bietet, doch was hält die Technologie für Unternehmen parat? Kurz gesagt: eine ganze Menge.

Immer mehr Unternehmen möchten durch den Wechsel zu einem Cloud-Modell von den erheblichen Vorteilen profitieren, zu denen unter anderem Kosteneffizienz, Sicherheit, Flexibilität und Zuverlässigkeit zählen. Durch den Umstieg auf die Cloud sind sie in der Lage, Probleme schneller zu lösen und – wichtiger noch – unter ihren Budgetvorgaben zu bleiben und zugleich ein deutliches Wachstum zu erzielen.

Wie ist das möglich?

Um sich ein besseres Bild machen zu können, müssen wir zunächst die Alternative betrachten. Lange Zeit waren die Anschaffung oder Eigenentwicklung komplexer Systeme und deren interne Wartung der Normalfall für Unternehmen. Viel zu häufig wurden dabei lediglich die Kosten für den Aufbau von Systemen und nicht die Gesamtbetriebskosten (IT-Support, Upgrades, zusätzliche Hardware usw.) berücksichtigt.

Ein gutes Beispiel ist das Gesundheitswesen. Der Gartner ITBudget Report von 2017 zeigt auf, dass Unternehmen im Gesundheitssektor oftmals ganze 75 Prozent ihres IT-Budgets für die regelmäßige Aktualisierung ihrer internen Systeme aufwenden. Mit einem Cloud-Modell müssten sie sich keine Gedanken mehr über solche manuellen Updates machen, da diese vom Anbieter automatisch eingespielt werden.

Der entscheidende Vorteil liegt in diesem Fall in der Skalierbarkeit – der Möglichkeit, den Ausbau der IT an das Wachstum des Unternehmens anzupassen. Da Sie bei einem solchen Modell nicht Ihr gesamtes Budget für die Anschaffung von Hard- und Software aufwenden müssen, können Sie verstärkt in die Expansion Ihres Unternehmens investieren, indem Sie die eingesparten IT-Kosten für Initiativen im Vertrieb, Marketing oder anderen Bereichen verwenden. Wenn Sie dann expandieren, können Sie auch Ihre Cloud-Services entsprechend erweitern.

Welche Arten von Cloud gibt es?

Moment – gibt es etwa unterschiedliche Arten? Ich dachte, die Cloud sei ein ganz einfaches Konzept.

Ist sie auch! Am einfachsten kann man sich die verschiedenen Cloud-Modelle merken, wenn man weiß, dass sie sich auf die Bereitstellungsmethode für Cloud-Services beziehen und nicht auf die eingesetzte Technologie.

Beginnen wir mit der gängigsten Bereitstellungsmethode: der Public Cloud.

Bei dieser Option gehören die Cloud-Services einem Drittanbieter (z. B. der SAP), der die Services ausführt und bereitstellt. Die Public Cloud ist aus gutem Grund die am häufigsten genutzte Methode: Sie müssen keine Hardware oder Software anschaffen und profitieren damit von niedrigen Kosten. Zudem müssen Sie sich keine Gedanken über die Wartung machen, da dies Aufgabe des Dienstleisters ist. Das Netzwerk ist in der Regel zuverlässig, da der Anbieter Prozesse zum Schutz vor Ausfällen implementiert hat. Auch die bereits erwähnte Skalierbarkeit ist ein wesentlicher Vorteil. Wenn Sie eine Public Cloud nutzen, können Sie ganz nach Bedarf Services hinzufügen oder deaktivieren.

Das Startup-Unternehmen Living Proof aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts entwickelt auf der Grundlage von wissenschaftlichem Know-how Haarpflegeprodukte und setzt auf eine Public-Cloud-Strategie, die ihm nach der Integration von SAP Business ByDesign ein Umsatzwachstum von 300 Prozent bescherte – ganz ohne Aufbau einer eigenen IT-Abteilung.

Doch jedes Unternehmen hat ganz eigene Anforderungen. Für manche ist deshalb ein anderes Cloud-Modell besser geeignet: die Private Cloud.

Eine Private Cloud weist viele Ähnlichkeiten zur Public Cloud auf, jedoch auch einige Unterschiede. Im Gegensatz zur Public Cloud besteht eine Private Cloud aus Services, die ausschließlich von einem Unternehmen genutzt werden und auf dieses zugeschnitten sind. Die Private Cloud kann sich in der lokalen Umgebung des Unternehmens befinden oder auch von einem Drittanbieter bereitgestellt werden. Die Services und die Infrastruktur residieren demnach in einem privaten Netzwerk, und die Hardware und Software stehen dem Unternehmen zur exklusiven Nutzung zur Verfügung.

Was sind die Vorteile einer Cloud ERP?

Was spricht für dieses Modell? Private-Cloud-Umgebungen werden vor allem von Behörden, Finanzinstituten und anderen großen Unternehmen genutzt, die zugunsten einer höheren Sicherheit und besseren Kontrolle über die IT-Umgebung auf die Kostenvorteile einer Public Cloud verzichten.

Das Großhandelsunternehmen Truebell Marketing and Trading LLC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten profitiert eigenen Angaben zufolge mit einer Private Cloud von SAP von lückenloser Sicherheit. Truebell war auf der Suche nach einer skalierbaren IT-Infrastruktur und entschied sich für eine Migration auf die Private Edition der SAP S/4HANA Cloud, um neue Märkte zu erschließen und die Wertschöpfung zu beschleunigen. Das Unternehmen kann seine Geschäftstätigkeit nun innerhalb kürzester Zeit ausweiten.

Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen, wie ein Sprichwort besagt. Genau das ist jedoch mit dem dritten Modell möglich: der Hybrid Cloud.

Eine Hybrid Cloud kombiniert die On-Premise-Infrastruktur mit einer Public-Cloud-Umgebung, wodurch Unternehmen von den Vorteilen beider Modelle profitieren. In einer Hybrid Cloud können Daten und Anwendungen zwischen einer Private Cloud und einer Public Cloud verschoben werden, was eine flexiblere Nutzung ermöglicht.

Die verschiedenen Aufgaben eines Unternehmens sind mit unterschiedlichen Anforderungen verbunden: So erfordert die E-Mail-Kommunikation mit Kollegen nicht dasselbe Maß an Sicherheit wie das Erstellen von Finanzberichten. Eine Hybrid Cloud bietet zusätzliche Möglichkeiten für die Anpassung Ihrer IT-Umgebung. Sie können für jede Aufgabe die jeweils am besten geeignete Cloud-Umgebung nutzen (und bezahlen für zusätzliche Leistung auch nur dann, wenn Sie diese tatsächlich benötigen).

Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz einer Hybrid-Cloud-Lösung ist die Pizza-Restaurantkette MOD Pizza aus den USA mit mehr als 190 Standorten und 3.400 Mitarbeitern. Das massive Wachstum des Unternehmens hatte zur Folge, dass wöchentlich bis zu 300 neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Viele von ihnen sind in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen oder bereits straffällig geworden und erhalten bei MOD Pizza eine zweite Chance.

Angesichts dieser Herausforderungen entschied sich das Unternehmen für eine Hybrid-Cloud-Lösung von SAP, die die Personalabteilung bei ihren wichtigen Aufgaben unterstützen sollte. Durch die Implementierung von SAP SuccessFactors verfügt MOD Pizza nun über eine digitale Infrastruktur und kann seinen Mitarbeitern weiterhin das personalisierte Erlebnis bieten, das zum Teamgeist, zur Kundenorientierung und zur dynamischen Entwicklung des Unternehmens beigetragen hat.

Cathy Daum, ist Senior Vice President bei SAP Global Channels & General Business, Cloud Sales & Solutions.

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