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Was Smart Services verändern

Feature | 9. April 2015 von Andreas Schmitz 0

Vor wenigen Wochen legte der Arbeitskreis Smart Service Welt im Auftrag der Bundesregierung seinen Abschlussbericht vor. Was Smart Services ausmacht und wie Deutschland im internationalen Vergleich mehr als mithalten kann, lesen Sie hier.

Noch auf dem IT-Gipfel im Oktober letzten Jahres wurden leise Zweifel laut, ob Deutschland im internationalen Vergleich insbesondere mit den USA mithalten könnte in Sachen Internet der Dinge. Auf der Cebit 2015 haben die Arbeitsgruppe Smart Service Welt und damit 140 Partner aus Forschung, Industrie und Politik zumindest schon mal ein Papier mit Handlungsempfehlungen vorgelegt. Digitale Geschäftsmodelle werden mehr und mehr in den Alltag von Unternehmen – auch im Mittelstand – einziehen, so viel ist klar. Von einer „neuen Art der Wertschöpfung“ spricht SAP-Vorstand Bernd Leukert, Frank Riemensberger, Geschäftsführer von Accenture, vom „Wettbewerb um die Betriebsdaten der Produkte“ und Henning Kagermann, Präsident bei acatech, fordert eine „schnelle Skalierungsmöglichkeit von Services für Europa“.

Wie spielen Produkte und Internet zusammen?

Um diese Frage zu beantworten, ist es hilfreich, das so genannte Schichtenmodell der digitalen Infrastrukturen zu verstehen. Denn das steht künftig im Zentrum des Wettbewerbs. Es beginnt schon bei der Datenübertragung. 2020 wird die Funkübertragung mit „5G“ wohl mindestens hundert Mal schneller sein als die heutige High-End-Funktechnologie und Breitbandnetze werden wohl auch auf dem Land weitgehend Standard sein. Immer mehr Produkte werden schon nach der Herstellung automatisch über das Internet vernetzt und Plattformen in der Lage sein, diese Menge an Informationen – etwa über In-Memory-basierte Plattformen und mithilfe von Algorithmen – so zu nutzen, dass neue Erkenntnisse daraus entstehen. Um in der Schichtenmodell-Sprache der acatech zu bleiben, sind „smart spaces“ erforderlich, damit die Informationen der „smart products“ sich in „smart data“ weiter entwickeln.

Wer macht das Rennen?

Das Juwel dieses Modells sind allerdings jene Services, die sich etwa aus dem Einsatz von 5G, einem mit Sensoren bestückten Motor und einer SAP-HANA-basierten Plattform ergeben: Wer also künftig die besten Ideen für „Smart Services“ hat, wird gewissermaßen der Mercedes des neuen Zeitalters werden. Wie etwa der Taxidienst Uber, der die Idee für eine Serviceplattform hatte, allerdings auf die Ressourcen anderer quasi als Zulieferer zurückgreift, nämlich auf die Fahrzeuge, die als Taxi dienen, auf die Smartphones, die Kunden zur Buchung nutzen, und auf das Internet, das ausreichend schnell unterwegs ist. Rückschluss der acatech: Wer die Serviceplattformen kontrolliert, hat auch die Macht über die Wertschöpfungskette – und macht das größte Geschäft.

Was muss sich in den Unternehmen ändern?

Gerade in der traditionellen Industrie ist dieses Bewusstsein dafür, dass ihnen trotz ihrer Produkthoheit das Heft aus der Hand genommen werden könnte, noch nicht wirklich angekommen. Das ist der nächste Schritt. Unternehmen müssen in der Lage sein, zu verstehen, welche die neuen Herausforderungen sind und was das für sie bedeutet. Mit Optimierungen in der Organisation hat es etwa weit weniger zu tun, vielmehr damit, das Unternehmen als Ganzes zu überdenken. Um wiederum im Schichtenmodell zu bleiben, ist der wichtigste Schritt für Unternehmen zu begreifen, dass das digitale Ökosystem, also alle Partner von Produktherstellern über Plattformanbieter bis hin zu Infrastrukturdienstleistern, die Services quasi gemeinschaftlich auf den Weg bringen. Es nützt niemandem mehr, die Firmenmauern hoch zu ziehen und darauf zu hoffen, dass allein die Patente im Hause die Zukunft des Unternehmens sichern werden. „Kollaborationen in Wertschöpfungsnetzen“ heißt das Motto der Smart-Service-Welt der Zukunft.

Warum ist Deutschland doch gar nicht so schlecht unterwegs?

Wenn in der Vergangenheit Fabriken die Produkte gefertigt haben, entstehen die Produkte der Zukunft – nämlich die Services – in Cloud-Zentren. Das bedeutet auch, dass Deutschland hier gute Voraussetzungen mitbringt. Bedeutsame betriebswirtschaftliche Software und Big-Data-Plattformen kommen etwa von SAP, das Hasso Plattner Institut (HPI) in Potsdam und andere Forschungseinrichtungen wie etwa das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) entwickeln zusammen mit den Herstellern an den Themen der Zeit – etwa Cloud Computing, Echtzeit-Algorithmik und Predictive Analytics. Verbesserungsbedarf besteht allerdings bei der Pilotierung von Plattformen. So fehlt aktuell noch ein europäisches Pendant zum Industrial Internet Consortium, in dem u.a. Internet-Prototypen für die Industrie in so genannten Testbeds entwickelt werden, also Plattformen zunächst für wissenschaftliche Zwecke aufgesetzt werden.

Warum ist Europa hier gefordert?

Zudem ist der digitale Markt, so Erkenntnisse der Arbeitsgruppe Smart Service Welt“ zersplittert. Es gibt aktuell keinen einheitlichen rechtlichen Rahmen für einen europäischen digitalen Binnenmarkt. Es fehlt eine einheitliche europäische Datenschutzverordnung mit einheitlichen Regelungen für die Themen Privatheit, Datenspeicherung und Urheberrecht. Und es herrscht Einigkeit darüber, dass der Nutzer selbst über die Verwendung der eigenen persönlichen Daten bestimmen können muss. Besonders hier hapert es noch. Deshalb nennt auch acatech-Präsident Henning Kagermann einen „flexiblen Regulierungsrahmen für den digitalen Binnenmarkt Europa“ als wichtige Voraussetzung dafür, „Services wenn nötig schnell skalieren zu können“.

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Zum Abschlussbericht Smart Service Welt.

Bild: Shutterstock

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