Soccer team in a huddle

Wie könnte Ihr nächster Teamarbeitsbereich aussehen?

Feature | 26. Januar 2018 von Paul Baur

WDF49 am SAP-Standort Walldorf – ein Paradebeispiel für moderne Architektur, die innovatives Denken anregt.

Jedes Haus wird von unten nach oben gebaut und braucht ein solides Fundament. Das weiß jedes Kind. Doch bei den Arbeitsflächen in einem Gebäude wird über das Design meist von oben nach unten entschieden – von Menschen, die mehr auf den Gewinn schauen als auf die Arbeitsumgebung, in der dieser erwirtschaftet werden soll.

Innovation braucht ein Zuhause

Von den Ergebnissen können die Wissensarbeiter von heute ein Lied singen: Großraumbüros, Cubicles in Plätzchenausstechergröße, ideenlose Besprechungsräume und zu wenig Tageslicht und Frischluft. Im günstigsten Fall erschweren solche Arbeitsplätze den Mitarbeitern, ihr kreatives Potenzial auszuschöpfen – im schlimmsten Fall bewirken sie ein völliges Auseinanderbrechen von Teams und Gemeinschaften.

Doch es gibt Hoffnung. Unternehmen in der Technologiebranche begreifen inzwischen, dass das Arbeitsumfeld die Erfüllung von Aufgaben unterstützen muss und die Kreativität der Menschen wesentlich fördern kann. Anders gesagt: eine kreative Architektur unterstützt kreatives Arbeiten, und kreatives Arbeiten erfordert eine kreative Architektur – ein Konzept, das die d.school (Hasso Plattner Institute of Design) der Stanford University weiterentwickelt hat. Trendbestimmend sind hier einige Softwareunternehmen im Silicon Valley, die mit der Gestaltung von zukunftsweisenden Arbeitsplätzen und deren Einfluss auf Motivation, Kreativität und innovatives Denken experimentieren.

Die Anforderungen an Mitarbeiter und Teams haben sich gewandelt. Agile Softwareentwicklung in zehnköpfigen Teams mit kurzen Auslieferungszyklen für die Cloud verlangt ein anderes Umfeld als die monolithischen Softwareprojekte von vorgestern, bei denen Programmmodule alle sechs bis zwölf Monate für große Releases zusammengebaut wurden. Hinzu kommen die Erwartungen einer neuen Generation von Mitarbeitern: Millennials sind derzeit die Lieblinge der Technologiebranche – händeringend gesucht, aber Mangelware.

Fruchtbarer Boden für die vier Ks: Konzentration, Kooperation, Kreativität und Kommunikation

„Wo immer sich die Gelegenheit bietet, arbeiten wir an neuartigen Büroflächen, die es unseren Mitarbeitern ermöglichen, flexibler zu arbeiten und ihr kreatives Potenzial voll zu entfalten“, sagt Peter Rasper, Leiter von Global Finance Infrastructure bei der SAP. Neue Arbeitsplatzkonzepte spiegeln sich in zahlreichen Neubauvorhaben wider, beispielsweise bei den SAP Labs in Ungarn, Indien, Israel, Südkorea und Brasilien und jetzt auch in Walldorf.

Die Herausforderungen sind Rasper zufolge „enorm, weil wir die Bedürfnisse vieler Stakeholder im Unternehmen, unsere Ziele und die Kapazitätsgrenzen miteinander in Einklang bringen müssen.“ In einem Weltunternehmen mit einer bunt gemischten Belegschaft, die  viele Mitarbeiter mit langjähriger Betriebszugehörigkeit umfasst, gibt es keine Einheitslösung: „Wir müssen uns am lokalen Umfeld orientieren und die dortige Unternehmenskultur, die Geschäftsbereiche und die generationstypischen Erwartungen einbeziehen“, erklärt Rasper. Und die Renovierung von vorhandenen Gebäuden hat ihre Grenzen, wie so manche Mitarbeiter sicher bestätigen können. Dabei verhindern oft die hohen Kosten die Verwirklichung moderner Arbeitsplatzkonzepte.

Peter Rasper sieht seine Teammitglieder als Change Agents, die die Arbeitsräume schaffen, in denen die Mitarbeiter das Beste aus sich herausholen können, um SAP-Kunden bei ihrem betrieblichen Wandel zu unterstützen. Insofern ist sein Team gefordert, die gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse der internen Stakeholder vorwegzunehmen. „Wir bei Global Finance Infrastructure (GFI) unterstützen dies, denn wir möchten, dass die Mitarbeiter sich auf ihre wesentlichen Aufgaben konzentrieren können, indem wir ihnen die richtige Infrastruktur bieten, das heißt Räumlichkeiten, Prozesse, Shared Services, Einkauf usw.“ Der gemeinsame Nenner, an dem sich die Herangehensweise von Raspers Team für neue Bauvorhaben orientiert, ist die Förderung der „vier Ks“: Konzentration, Kooperation, Kreativität und Kommunikation. Derzeit leitet das Team neue Bau- oder Erweiterungsprojekte in zwölf Ländern aller Regionen.

Gebäude 49: Symbol für Wachstum und Wandel

Ein neues fünfstöckiges Gebäude in direkter Nachbarschaft zu den Gebäuden 1 und 3 in der Walldorfer SAP-Zentrale macht mit seiner Architektur den Wandel im Unternehmen erfahrbar. „WDF49 und die anderen Bauprojekte in Walldorf sind ein Statement zum Arbeitsstil der Zukunft und stehen beispielhaft für unser Wachstum überall auf der Welt“, erklärt Peter Rasper. Clas Neumann, Leiter des SAP Labs Network, bekräftigt: „Genau wie WDF 49 Innovation unter den Mitarbeitern in Walldorf begünstigt, so vergrößern und modernisieren wir auch viele der weltweit zwanzig Labs. Damit wollen der Entwickler-Community bei SAP helfen, Kunden noch besser bei ihrer digitalen Transformation zu unterstützen.“

Nach der Fertigstellung Anfang 2019 wird Gebäude 49 rund 700 Mitarbeiter beheimaten. Es ist das erste SAP-Haus mit Split-Level-Architektur – einer Bauweise, die mehr Transparenz, Offenheit und Raum für Zusammenarbeit schafft. Eine vollflächig verglaste Front lässt Sonnenlicht von allen Seiten ins Gebäude und Luftschächte durchziehen jedes Geschoss. Diese Architektur schafft einerseits ein Gefühl der Offenheit und Verbundenheit mit der Außenwelt, und gleichzeitig fühlt man sich geschützt.

Matthias Grimm, Leiter des Bereichs Global Real Estate and Facilities, der mit seinem Team für den Bau von WDF49 verantwortlich zeichnet, hat in der Entwurfsphase SAP-Mitarbeiter verschiedener Generationen mit ins Boot geholt. „Wir beziehen bei allen Großprojekten weltweit die Mitarbeiter ein“, so Grimm. „Wir haben Workshops zusammen mit den Menschen durchgeführt, die in den Gebäuden arbeiten, aber wir befragen auch andere Interessengruppen wie den lokalen Betriebsrat, IT-Services sowie die Sicherheitsteams. Wenn wir alle Bedürfnisse einfließen lassen, können wir, glaube ich, ein tolles Endergebnis erreichen.“

„Design bestimmt, wie wir arbeiten“

Michael Augsburger leitete die Workshops mit Vertretern der Teams, die Gebäude 49 zu ihrer neuen Heimat machen wollen. Der COO des Bereichs SAP Design innerhalb von Products & Innovation ist bestens vertraut mit den Anforderungen von Entwicklungsteams. Er hat auch am Design-Konzept anderer auf Zusammenarbeit ausgerichteter Betriebsräume mitgewirkt, etwa für die AppHauses in Palo Alto, Heidelberg und Seoul. Augsburger sieht das Thema Design aus einer umfassenderen Perspektive. „Design bestimmt, wie wir arbeiten und wie wir die besten Lösungen für unsere Kunden entwickeln“, meint er. „Wir brauchen eine bestimmte Umgebung und Atmosphäre, denn das hilft uns, die beste Lösung für das Problem zu finden.“

In seinen 25 Jahren bei SAP hat Augsburger eine Veränderung der Art und Weise beobachtet, wie Mitarbeiter kurz- bis mittelfristige Projekte angehen. Angesichts der verschiedenen Generationen, die bei der SAP unter einem Dach arbeiten, war sein Ziel, in Gebäude 49 das gesamte Spektrum der Arbeitsstile zu reflektieren. Keine leichte Aufgabe, denn Interessen und Erwartungen laufen manchmal konträr, und zukünftige Anforderungen mussten ebenfalls bedacht werden. Somit bietet das Konzept innerhalb des gegebenen Kostenrahmens so viel Flexibilität wie möglich, um unterschiedlichste Arbeitsstile zu erlauben.

Vertreter der Teams, die in Gebäude 49 arbeiten möchten, wurden zu Workshops eingeladen, um ihre Wünsche und Anforderungen darzulegen. Doch die Nachfrage ist höher als das Raumangebot. Letztendlich wird es auf eine Verlosung hinauslaufen. Michael Augsburger ist zuversichtlich, dass das Gebäude die Qualitäten bieten wird, die die Kreativität und Produktivität der Mitarbeiter beflügeln. Das Raumkonzept umfasst nicht nur Teambereiche, in denen Zusammenarbeit stattfinden kann, sondern auch „Think Tanks“ und „Mikro-Besprechungsräume“, in denen Mitarbeiter oder Teams sich intensiv einer bestimmten Aufgabe widmen können, ohne gestört zu werden. Und „Phone Booths“ bieten die Möglichkeit, alleine und ohne jegliche Ablenkungen zu arbeiten.

Spielraum für spontane Gespräche

Zu den umstrittensten Aspekten des Gebäudes gehört sicher der hohe Anteil an Flächen, die keinem Team zugeordnet sind – rund 30 Prozent. Diese freien Flächen sollen die Kommunikation fördern, indem sie Raum für Ad-hoc-Meetings ohne Agenda bieten. Steve Jobs war überzeugt, dass Kreativität aus zufälligen Begegnungen entsteht, und diese Überzeugung ist das Mantra vieler IT-Unternehmen, die eine Startup-Kultur pflegen. Entsprechend bietet eine Freitreppe in Gebäude 49 den Mitarbeitern Gelegenheit für informelle Gespräche.

Die neue Flächenaufteilung entspricht aber auch dem Konzept des „flexiblen Arbeitsbereichs“. Mitarbeiter aller Generationen arbeiten gelegentlich von zu Hause aus, sind in Meetings, auf Schulungen oder Konferenzen oder beim Kunden vor Ort. Hinzu kommen Abwesenheiten wegen Urlaubs oder Krankheit. Das bedeutet natürlich, dass Arbeitsplätze oft unbenutzt sind, wie Augsburger bemerkt. „Es hängt von der Persönlichkeit, der Rolle und der Generation ab. Manche Mitarbeiter sehen sich beispielsweise eher als ‚digitale Nomaden‘ und brauchen keinen festen Schreibtisch.“

„Mit den Googles und Facebooks können wir locker mithalten“

Die Technologiebranche, darunter auch die SAP, ist zwar wegweisend bei der Förderung von Kreativität durch innovative Arbeitsplatzkonzepte, doch scheint das Ganze im Moment mehr eine Kunst als eine Wissenschaft zu sein, und die Unternehmen experimentieren noch mit verschiedenen Designs. „Es gibt kein Patentrezept“, unterstreicht Augsburger.

Doch in einem sind sich viele Unternehmen wohl einig: attraktive Arbeitsplätze ziehen die besten Talente an. Grimm und Augsburger sind überzeugt, dass die SAP mit ihren neuesten Bauprojekten an Labs-Standorten auf der ganzen Welt einen großen Schritt vorwärts macht. „Wir können mit den Googles und Facebooks der Welt locker mithalten, und ich freue mich schon auf zukünftige Projekte“, bekräftigt Augsburger.

Beispiele für aktuelle SAP-Bauprojekte nach SAP-Region

USA

  • Neues Rechenzentrum (US West)
  • Ariba (Pittsburgh, Pennsylvania)
  • Concur (St. Louis, Missouri)
  • Fieldglass (Naperville, Illinois)
  • Concur (Bellevue, Washington)

APJ

  • Bangalore, Indien
  • Manila, Philippinen
  • Concur (Tokio, Japan)
  • Seoul, Südkorea

EMEA

  • Fieldglass, London
  • Prag, Tschechische Republik
  • Budapest, Ungarn
  • Brno, Tschechien
  • Galway, Irland
  • Ra‘anana, Israel
  • Bürogebäude und Rechenzentrum, Walldorf und Rot

Zu diesem Artikel haben Kerstin Seefeldt, Carolin Stieber und Daniela Rasch von Global Finance Infrastructure beigetragen.

Drohnenaufnahmen produziert von David Sommer und Norbert Steinhauser.

Videoproduktion: Paul Baur und Marion Schmidt, Bavaria Film Interactive, München.

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