„We can’t do it alone”

Feature | 5. März 2013 von Andreas Schmitz 0

(Foto: SAP.info)

(Foto: SAP.info)

Alle zwei Jahre verdoppelt sich die Leistungsfähigkeit eines Rechners. Wenn also EADS eine neue Marsmission für 2018 auf der heutigen Stand der Technik plant, müssen die 6000 Ingenieure, die an den Innovationen des Luftfahrtkonzerns mitwirken, diese Entwicklung schon im Hinterkopf haben. „Wir wollen Innovation, die im positiven Sinne zerstört”, sagt Thomas Enders zur Eröffnung der CeBIT in Hannover – „ohne die Sicherheit auch nur ansatzweise zu gefährden”.

Als Marsroboter Spirit noch seine Daten zur Erde hinüberschickte, waren die Analysen und Bilder vom blauen Planeten 400 Millionen Kilometer unterwegs, eine Leistung, die ohne hochleistungsfähige und -zuverlässige IT undenkbar ist. Die Industrie und IT-Partner müssen, so Enders, in einem “crossindustry approach” herkömmliche herstellende Industrie und IT-Partner als Eins begreifen, denn dem Chef von EADS ist eins vollkommen klar: „We can’t do it alone”. Alleine geht es nicht.

Der Konsument mischt mehr mit

Für die Wirtschaft, die ihre Produkte ganz irdisch an Frau und Mann bringen will, bedeutet das inzwischen sogar, dass sie nicht mehr im Alleingang Produkte entwickeln, sondern die Nutzer mit einbeziehen sollte. “Prosumer” nennt der Bitkom-Präsident Dieter Kempf diese Menschen. Produzenten und Konsumenten verschmelzen zu einem: „Wer teilt, entscheidet mit”, so Kempf. Möglich macht das die 2,7 Billionen Euro starke weltweite ITK-Branche, die „diese neue Form des Teilens erst möglich macht”, wie Kempf auf der Eröffnungsfeier betont.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Startups beeinflussen die Etablierten

Nach einer Umfrage in Deutschland befindet sich die neue Macht des Teilens jedoch erst in den Anfängen. Egal ob digitale Inhalte wie Bilder, Texte oder Videos, physische Güter wie etwa Autos über Carsharingmodelle oder aber die aktive Beteiigung an Projekten wie Ideenplattformen: Zwar stehen vier von fünf Befragte dem Teilen “grundsätzlich offen” gegenüber, allerdings teilt nicht einmal jeder Fünfte “hin und wieder” Dinge über das Internet.

Startups beeinflussen die Etablierten

Eine anderen Herangehensweise an das Thema des Teilens bietet der IT-Dienstleister GFT auf der CeBIT: Mit seiner Initiative CODE_n, die GFT-Geschäftsführer Ulrich Dietz zum zweiten Mal auf den Weg brachte, treten Start-Ups in einem Ideenwettbewerb gegeneinander an. 50 junge Unternehmen stellen ihre Geschäftsidee der Öffentlichkeit vor. Daniel Hayer, Vorstandsvorsitzender des Industrieunternehmens Hager Group verspricht sich von der Initiative, “neue Geschäftsmodelle zu finden” – sprich, neue Ideen von Aussen zuzulassen und das eigene Geschäft damit letztlich zu bereichern. Dachthema des diesjährigen Wettbewerbs ist die Energieeffizienz. Teilnehmer sind etwa das Startup Bettervest, das per Crowdfunding auf einer Plattform die Investition von Projekten zur Energieeffizienz unterstützen will oder “Skybus”, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Stadtverkehr dadurch zu entlasten, dass Menschen sich zusammenschliessen, die in ähnlichen Richtungen unterwegs sind.

Die Initiative CODE_n zeigt, dass Unternehmen lernen müssen, sich auch von Startups beeinflussen und inspirieren zu lassen. Letztlich ist es ein Geben und Nehmen zwischen den Etablierten und den “Kleinen”, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

“Das Internet hat sich eingenistet in der Industrie” (Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Eröffnungsfeier)

Die Industrie wird letztlich davon profitieren. Nicht zuletzt deshalb war EADS-Manager Enders der erste Industrievertreter, der auf der Eröffnung des CeBIT gesprochen hat Der Grund dafür ist einfach. Die IT, und das ist ein Trend wird auch für die Industrie – Stichwort Industrie 4.0 – sowie im Alltag – Stichwort Internet der Dinge – halt unaufhaltsam wichtiger. Oder in den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel: “Das Internet hat sich eingenistet in der Industrie”.

Tags: , ,

Leave a Reply