Weit verteilt und eng verbunden

Feature | 10. November 2003 von admin 0

Ob 200, 2 000 oder 200 000 Mitarbeiter – weltweit tätige Unternehmen stehen alle vor ähnlichen Herausforderungen: Zu steuern sind unterschiedliche Sprachen, Währungen und Zeitzonen, der konzerninterne Handel mit Gütern und Dienstleistungen sowie die damit verbundenen Transferpreise. Einzelabschlüsse müssen nach lokalen Rechnungslegungsvorschriften erstellt werden, konsolidierte Zwischen- und Jahresberichte dagegen meist nach internationalen Standards wie US GAAP oder IFRS.

Röntgendiffraktometer zur Materialuntersuchung

Röntgendiffraktometer zur Materialuntersuchung

Anforderungen wie diese muss auch die an der Nasdaq notierte Bruker-Gruppe meistern, ein weltweit führender Anbieter von instrumenteller Analysetechnik für die Bereiche Life Science, Materialforschung, Qualitätskontrolle und Prozessüberwachung. Das Bruker-Produktspektrum reicht von Kern- und Elektronenspinspektrometern, optischen Spektrometern und Massenspektrometern bis hin zu Geräten für die Röntgenanalytik. Das Anwendungsgebiet für die Produkte ist riesig: Molekülstrukturbestimmung, Analyse von Gasen, Flüssigkeiten, Pulvern, festen Materialien sowie dünnen Schichten in den Bereichen Biotechnologie, Pharma, Halbleiter, Metalle, Keramik, Chemie, Petrochemie, Zement, Geologie, Mineralogie, Forensik, Militär und Umweltanalytik. Zum Kundenkreis von Bruker gehören Großkonzerne, kleinere Industriebetriebe und so gut wie alle Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit. Das Unternehmen beschäftigt rund 2500 Mitarbeiter und ist mit 50 Vertriebs- und Produktionsgesellschaften in nahezu allen Teilen der Welt vertreten. Den Kern der Gruppe bilden die Unternehmen Bruker BioSpin, Bruker AXS, Bruker Daltonics und Bruker Optics.

Durchgängige IT-Strukturen für effektive Geschäftsprozesse

Um die Geschäftsanforderungen möglichst effizient und wirtschaftlich zu unterstützen, entschloss sich das Unternehmen, seine heterogenen IT-Systeme auf Basis von SAP R/3 zu vereinheitlichen und den Betrieb an einen Outsourcing-Partner zu übergeben. “Im Mittelpunkt unserer IT-Aktivitäten steht ein mittelstandsgerechter Weg zu durchgängigen IT-Strukturen. Damit wollen wir die lokalen Anforderungen unserer weltweiten Produktions- und Vertriebsgesellschaften mit den Bedürfnissen der Bruker-Zentralen in den USA zusammenführen”, erläutert Bernard Kolodziej, CFO von Bruker AXS und Koordinator für sämtliche IT-Projekte.
Für die Implementierung, den weltweiten Rollout und den Betrieb der SAP-Lösung wählte Bruker die AC-Service AG mit Hauptsitz in Stuttgart. Der SAP-Partner bietet dem Unternehmen alle gewünschten Leistungen aus einer Hand: Die Implementierung der Konzernlösung übernimmt die Consulting-Tochter ProPart, Betrieb und Support erfolgen über das Stuttgarter Outsourcing-Service-Center von AC-Service.
Der Startschuss für das Gesamtprojekt fiel im Herbst 2002 für rund 180 Anwender der Bruker-AXS-Gesellschaften. Ein Jahr später werden bereits etwa 400 SAP-Anwender aus dem Outsourcing Service Center betreut.

SAP-Plattform mit Vorbildfunktion

Bis es soweit war, bewältigte das Projektteam mehrere Ausbaustufen. Die Basis für die neue IT-Landschaft lieferte die bereits bestehende SAP R/3-Lösung bei Bruker AXS in Karlsruhe. Diese Bruker-Gesellschaft verfügte über die größte SAP-Erfahrung innerhalb der gesamten Gruppe: Sie arbeitete früher bereits mit SAP R/2 und hatte mit dem Umstieg auf SAP R/3 eine umfassende, integrierte SAP-Plattform geschaffen, die sich für eine weltweit einheitliche Ausrichtung der IT-Landschaft eignete. In einem ersten Schritt brachten die Experten von ProPart per Customzing die verschiedenen SAP-basierten IT-Lösungen der anderen Bruker-AXS-Gesellschaften in den USA, in Deutschland und Frankreich nach und nach in das neue, einheitliche SAP-System ein.
Hierfür analysierten die Berater die Geschäftsabläufe und bildeten diese in einer weltweit einheitlichen Struktur ab. Wesentlich dabei war es, den größten gemeinsamen Nenner zu finden, damit sich alle Gesellschaften, alle Länder, Prozesse und nicht zuletzt auch alle Anwender in der Lösung wieder finden. In dieser Phase legte das Unternehmen unter anderem den Grundstein für einen durchgängigen Kontenrahmen, der allen Bruker-AXS-Gesellschaften eine parallele Rechnungslegung nach den lokalen Vorschriften sowie nach US GAAP ermöglicht. ProPart entwickelte die Schnittstellen für die Anbindung von Fremdsystemen, etwa für die Produktionsplanung und -steuerung, sowie für ein Bruker-eigenes Management-Informationssystem, passte die Lösung an und schulte die Anwender.

SAP-Funktionalität aus Stuttgart für Anwender in aller Welt

In der ersten Ausbaustufe arbeiten seit dem Frühjahr 2003 etwa 180 User von Bruker AXS mit ihrer neuen SAP R/3-Lösung. Diese Lösung ist als einheitliches System für alle Bruker-AXS-Gesellschaften aufgesetzt und wird nun schrittweise für weltweit 250 Anwender implementiert. Physisch installiert ist die Lösung allerdings weit entfernt von den Anwendern: Im Outsourcing-Service-Center von AC-Service in Stuttgart. Die Verbindungen zum Bruker Weitverkehrs-Netzwerk sind über die Infrastruktur der COLT Telekom GmbH sichergestellt.

Zentraler Systembetrieb

Zentraler Systembetrieb

Im Outsourcing-Service-Center steuern erfahrene Systemadministratoren von AC-Service den technischen Betrieb und die betriebswirtschaftlich-organisatorische Betreuung der SAP-Anwendungen. Im Service Desk laufen beispielsweise die Fäden für den Second Level Support zusammen, in dem unter anderem die Zugriffsrechte und der Einsatz selbst programmierter Transaktionen koordiniert werden. Neben den laufenden Anpassungen an den Berechtigungssystemen liegt beim Service Desk auch der Zugang zur OSS-Wissensdatenbank (Online Service System) von SAP. Help Desk und Customer Support, die dem Service Desk nachgelagerten Einheiten, spielen Programmkorrekturen ein und kümmern sich Anwendungs-spezifische Aufgaben, etwa die Abstimmung von Fremdsystemen mit der SAP-Lösung.
Nach und nach wandert nun die IT weiterer Bruker-Gesellschaften in das Outsourcing-Service-Center. Nach technischen Migrationen in den USA und in Deutschland, unter anderem die Umstellung von Microsoft SQL Server auf Oracle, erhielten im Frühjahr 2003 zunächst etwa 70 Anwender, nach weiteren Ausbaustufen etwa 130 Anwender von Bruker Optics, Bruker BioSpin und Bruker Daltonics in den USA, in Kanada und Mexiko ihre SAP-Lösung aus Stuttgart.

Eine Lösung – viele Sprachversionen

Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht. In einem Zwischenschritt zu einer einheitlichen Systemlandschaft sind nun die unzähligen isolierten und über die ganze Welt verteilten Einzelsysteme der verschiedenen Bruker-Gesellschaften in lediglich zwei Systemlandschaften konsolidiert: Die eine für die Bruker AXS-Gesellschaften, die nahezu alle SAP-Module im Einsatz haben, die andere für die Gesellschaften von Bruker Optics, Bruker BioSpin und Bruker Daltonics. Deren Geschäftsprozesse in der Fertigung sind im Vergleich zu Bruker AXS weniger komplex.

Alle Drucker hören auf ein Kommando

Alle Drucker hören auf ein Kommando

Nachdem Bruker AXS und Bruker Daltonics mit 2003 zur Bruker BioScience verschmolzen sind, gilt es nun, die beiden Systemlandschaften zusammenzuführen. Im Outsourcing-Service-Center entsteht auf der Basis von SAP R/3 4.6C unter Oracle und Windows eine Systemlandschaft für alle Bruker-Gesellschaften. Diese hat drei Instanzen – für Testzwecke, für die Qualitätssicherung und für den produktiven Betrieb. Mit den Sprachversionen Deutsch, Französisch, Englisch, Niederländisch, Spanisch, Italienisch, Schwedisch und Japanisch (Double Byte) lassen sich die Anforderungen der internationalen Bruker-Gesellschaften abdecken. Die Organisation der Buchungskreise erfolgt länderbezogen, die einzelnen Gesellschaften werden in korrespondierenden Mandanten geführt.

Konzernkonsolidierung leicht gemacht

Wesentlicher Bestandteil des SAP-Projekts ist die Implementierung einer Lösung für das Finanz- und Rechnungswesen mit einem zentralen Kontenrahmen. Diese erfolgte zunächst bei Bruker Biospin und Bruker Optics, die aufgrund ihrer Nasdaq-Notierung unter anderem Quartalsberichte und Jahresabschlüsse nach US GAAP erstellen müssen. Inzwischen ist die Anwendung bei den Bruker-Gesellschaften in den USA, in Frankreich, Deutschland und in den Niederlanden produktiv, England und Japan sollen bis zum Frühjahr 2004 folgen.
Dann wird mit der Einführung eines weltweiten SAP-basierten Konsolidierungssystems (ECCS, Enterprise Consolidation) ein weiterer Meilenstein des Finanzsystems erreicht. Mit Hilfe dieser Lösung lässt sich jede Bruker-Gesellschaft automatisiert mit der richtigen Methode (Voll-, Teilkonsolidierung) konsolidieren – ebenfalls eine Anforderung, die eine Notierung an der Nasdaq mit sich bringt. Zudem ermittelt das System Umsätze mit konzernfremden Unternehmen sowie Innenumsätze und bietet vielfältige Segmentrechnungen in Form von Standards an.

Die Variantenkonfiguration hilft der Planung auf die Sprünge

Ausgefeiltes Zeitzonen-Management

Ausgefeiltes Zeitzonen-Management

In der Bruker-Gruppe gehört der weltweite und gesellschaftsübergreifende Verkauf von Produkten zum täglichen Geschäft. Die Fertigung ist auf wenige Standorte konzentriert. Sie werden in unzähligen Varianten gefertigt, um kundenspezifische Anforderungen exakt zu erfüllen. Daher gleicht keine Stückliste der anderen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Disposition, die Bruker mit Hilfe einer von ProPart entwickelten Variantenkonfiguration bewältigt. Sie erlaubt es den Fachabteilungen, ihren lokalen Bedarf und die weltweite Materialbedarfsplanung (MRP, Materials Resource Planning) bequem über einen SAP-EDI-Monitor (Electronic Data Interchange) zu steuern. Die dahinter liegenden Vorgänge und Belege sowie deren korrekte Verbuchung in den SAP-Modulen PP (Produktionsplanung), FI (Finanzwesen) und CO (Controlling) erledigt das Programm automatisiert.
Die Einzelfertigung nach Kundenanforderungen erfordert außerdem ein effektives Fehlteile-Management. Auch hierfür entwickelte ProPart eine spezielle Lösung. Damit lassen sich Halbfabrikate, die zu einem bestimmten Zeitpunkt der Fertigung nicht verfügbar sind, in wenigen Arbeitsschritten zuverlässig nachdisponieren. Umfassende Prozesse sorgen im Hintergrund für den richtigen Belegfluss und seine korrekte Verbuchung. Im Wareneingang werden alle Fehlteile automatisch erkannt und richtig zugewiesen – und die Anwender sparen wertvolle Arbeitszeit.

Wilfried Merz

Wilfried Merz

Otto Hess

Otto Hess

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