Widgets, Wikis, Blogs

Feature | 26. März 2008 von Velin Velkov 0

Beil, Hammer, Spaten – vor hundert Jahren wurde Arbeit meist mit einfachen Werkzeugen erledigt. Die Beschäftigten des 21. Jahrhunderts dagegen jonglieren mit Telefonen und Tastaturen oder überwachen komplexe Produktionslinien. Außerdem ist das Wissen der Beschäftigten wertvolles Kapital und entscheidend für den Unternehmenserfolg. Das Werkzeug dieser “Knowledge Worker” ist die IT, die immer gezielter die Anforderungen ihrer Anwender unterstützt. Gerade neue Technologien wie Blogs und Wikis oder auch das semantische Web bieten zahlreiche Möglichkeiten, Informationen zu verarbeiten und zu nutzen.

Auch die Forscher von SAP Research untersuchen in verschiedenen Projekten, wie Anwender ihre SAP-Lösungen noch individueller für sich nutzbar machen können. Die Forschungseinheit entwickelte beispielsweise Funktionen, mit denen sich Dienste oder Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen lassen. So entstehen personalisierte Konfigurationen, die Wissensarbeiter für spezialisierte Aufgaben benötigen.

SAP Research reagiert mit derartigen Projekten auf Anforderungen von Kunden und folgt einem Trend in der Software-Entwicklung, Lösungen für die Anwender zu “öffnen”. Diese können dann auf beliebige Daten und Dienste zugreifen, sie nach Belieben zusammenfügen und die Ergebnisse so formatieren, anzeigen und analysieren, wie sie es benötigen. Außerdem ist es möglich, die Erfahrung und den Rat von Experten oder Kollegen zu berücksichtigen.

Lightweight Composition: Aus Anwendern werden Komponisten

Der Ansatz “Lightweight Composition” ist einer der Forschungsschwerpunkte. SAP Research beschäftigte sich in den vergangenen 18 Monaten intensiv mit Technologien, mit denen Wissensarbeiter ihre im Tagesgeschäft benötigten Informationen zusammenstellen können. Lightweight Composition bezeichnet eine neue Art, Daten unterschiedlichster Herkunft – etwa aus SAP-Lösungen, Systemen anderer Anbieter oder dem Internet – per Mausklick zu neuen Kompositionen zusammenzufügen. Anwender kombinieren systematisch unterschiedliche Daten und schaffen so eine höhere Informationsqualität. Ermöglicht wird dies durch intuitiv bedienbare Werkzeuge. Dabei steht das inhaltliche Zusammenstellen von Informationen im Vordergrund. Mit den technische Details oder Entwicklungsarbeit muss sich der Anwender nicht belasten.

Mit “Rooftop” entwickelten die Forscher von SAP Research im australischen Brisbane den Prototypen einer Plattform zur Lightweight Composition. Rooftop ist eine auf AJAX (Asynchronous JavaScript and XML) basierende Web-Anwendung. Sie erlaubt es, Mash-up-Widgets aus SAP-Enterprise-Services und externen Web-Services ohne Programmieraufwand zu erstellen. Der Prototyp ist in einem SAP-Portal oder als eigenständige Web-Anwendung lauffähig. Ein Gemeinschaftsprojekt von SAP Research und SAP-Entwicklungsgruppen nutzte die Technologie erstmals, um in SAP Business ByDesign eine Portalanwendung zur Neuverhandlung von Beschaffungsaufträgen zu erstellen.

SAP-intern steht Rooftop den Mitarbeitern ohne Installationsaufwand zur Verfügung. Bislang erstellten damit mehr als 500 Anwender fast 1.000 Widgets. Widgets sind Client-basierte Komponenten, die Serverfunktionalität enthalten und Interaktionen ermöglichen. Sie zeichnen sich damit durch eine hohe Benutzerfreundlichkeit und Performance aus. SAP prüft derzeit, die Rooftop-Plattform ins Produktportfolio aufzunehmen. Unternehmensintern implementierte SAP mit Rooftop unter anderem das SAPcon-Widget fürs IT-Management.

Die Kurzform SAPCon steht für “Situation Conditions for Systems, Applications, Processes”. Das Widget zeigt an, wie schwer eine Störung innerhalb der IT-Infrastruktur ist und wie sie sich beheben lässt.

“Widgets sind besonders nützlich, um hochverdichtete Informationen oder Warnungen bereit zu stellen“, sagt Uwe Herold, CIO bei SAP. “Seit einiger Zeit arbeiten wir in einer Pilotanwendung mit dem SAPcon-Widget von SAP Research. Es versorgt die IT-Mitarbeiter mit aktuellen Informationen über den Systemstatus und verbessert unsere Reaktionsfähigkeit in kritischen Situationen.“

Das Engagement von SAP Research im Bereich der Lightweight Composition wird durch das Projekt IcMAP von SAP INSPIRE ergänzt. Die SAP-Einheit sammelt Ideen von Mitarbeitern und setzte ausgewählte Projekte um. Mit IcMAP können Anwender Informationen aus SAP-Lösungen sowie anderen Quellen mit dem Mapping-Tool MindManager von Mindjet zu kombinieren. Darüber hinaus bietet IcMAP eine ausgeklügelte Middleware, um beliebige Web- oder Enterprise Services ohne Programmieraufwand zu integrieren.

Auf dem Weg zu “Enterprise 2.0”

Die “Advanced Web Technologies”-Gruppe bei SAP Research in Palo Alto, Kalifornien, entwickelte das Enterprise Web Widgets Framework (EWWF), mit dem sich aus dem Stehgreif Mash-up-Anwendungen erstellen lassen. EWWF bietet IT-Mitarbeitern eine einfach zu bedienende und sichere Umgebung zur Komposition von Widgets. Entwickler sparen damit Zeit und steigern ihre Produktivität. Der Ansatz weist in die Richtung von “Enterprise 2.0”, ein Begriff den Andrew McAfee prägte. Der Professor an der Harvard Business School bezeichnet damit die Verwendung von Web-2.0-Technologie, wie Wikis und Widgets, in betriebswirtschaftlicher Software. EWWF soll künftig als Bestandteil von SAP-Software zur Verfügung stehen.

In einem weiteren Forschungsprojekt in Palo Alto untersucht SAP die Anbindung von Wikis in das SAP-Backend. Dabei werden Businessobjekte mit der einfachen Bedienung von Wikis ausgestattet. Ein Prototyp gestattet Anwendern, Businessobjekte in ihr bevorzugtes Wiki zu ziehen. Dynamische Abfragen gewährleisten, dass eine Wiki-Seite mit jedem Aufruf die aktuellsten SAP-Daten anzeigt. Die Businessobjekte lassen sich dann in einem Team gemeinsam bearbeiten. So können Anwender Live-Daten im Team diskutieren, etwa um Probleme mit einem Vertriebskanal zu lösen. Eine Wiki-ähnliche Zusammenarbeit unterstützt vor allem Teams, deren Mitglieder in verschiedenen Zeitzonen arbeiten.

COIN – Innovationen von SAP-Mitarbeitern verwalten

COIN (Collaboration Innovation) ist eine neue Plattform, um die bei SAP INSPIRE entwickelten Ideen zu verwalten. COIN basiert auf einem Open-Source Content-Management-System und umfasst den gesamten Prozess der Ideenfindung: Einreichen, gemeinschaftlich weiterentwickeln, kommentieren und bewerten. Zudem bietet die Plattform Diskussionsforen und Blogs.

COIN steht für sämtliche Innovationsprozesse zur Verfügung. Alle SAP-Mitarbeiter können Ideen einreichen, Teams bilden und die Ideen in Zusammenarbeit mit Kollegen weiterentwickeln. Ein Bewertungs- und Empfehlungssystem hilft SAP INSPIRE und anderen Abteilungen, die besten Ideen in ihrem Bereich zu finden. Interessierte Parteien können als Sponsor die Weiterentwicklung einer Idee fördern. Mit Funktionen wie Blogs oder dem gemeinschaftlichen Setzen von Lesezeichen nutzt COIN die Vorteile von Web 2.0 und erleichtert es Mitarbeitern, Gemeinschaften zu bilden.

Die Ergebnisse dieses und anderer Projekte von SAP Research werden nicht nur die nächste Generation von SAP-Lösungen prägen, sondern auch beeinflussen, wie Anwender Informationen und Wissen verwalten. Sicher ist: Die neuen Werkzeuge werden die Produktivität der “Knowledge Worker” erhöhen.

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