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Wie gutes Design bei BMW entsteht

8. September 2016 von Esther Blankenship 1

Karim Habib leitet das Design-Team eines der erfolgreichsten Automobilunternehmen – BMW. In einem Interview zur Reihe SAP Design Talk gab Habib Einblicke in den Designprozess in der Automobilindustrie und erklärte, wie Designer und Ingenieure bei BMW zusammenarbeiten.

Die Form folgt der Funktion. Gilt dieser Designleitsatz immer noch?

Ich denke, „form follows function“ ist heute noch gültig, aber das Ganze ist viel komplexer geworden. Die Nutzung eines Produkts löst auch gewisse Emotionen aus. Und das ist etwas, was wir im Designprozess auch berücksichtigen müssen.

Sie haben ein Ingenieur- und ein Designstudium abgeschlossen. Hilft Ihnen das bei der Zusammenarbeit mit Ingenieuren?

Die Beziehung zwischen Designern und Ingenieuren ist der Schlüssel zu gutem Design. Für mich gibt es keinen Aspekt, der wichtiger ist – vor allem beim Design von Autos. Ohne gute Ingenieure, die die richtigen Proportionen vorgeben, würde kein gutes Design entstehen. Im Prozess des Autodesigns ist ein guter Designer ebenso unverzichtbar wie ein guter Ingenieur. Man kann die beiden nicht voneinander trennen. Und für uns bei BMW ist der Dialog zwischen den beiden Seiten sehr wichtig. Gutes Design kann ohne die Unterstützung von Ingenieuren, die Design unterstützen, nicht entstehen. Das ist bei BMW der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben sehr gute Ingenieure, die verstehen, was wir brauchen, um Produkte herzustellen, die gut aussehen. Und ein guter Designer muss verstehen, was ein Ingenieur tun muss, damit Ergonomie, Sicherheit und Fahrspaß garantiert sind. Beide müssen zusammenarbeiten, und wenn sie das gut hinbekommen, dann entsteht am Ende ein gutes Produkt.

Die Beziehung zwischen Designern und Ingenieuren ist der Schlüssel zu gutem Design.

Sie scheinen geradezu versessen auf Details zu sein. Warum sind Details so wichtig?

Ich denke, sorgfältig auf jedes Detail zu achten, ist eine Fähigkeit, die man im Laufe der Zeit entwickelt. Anfangs versteht man es nicht so ganz, aber man fühlt es. Es ist wie wenn Sie eine Gestalt im Augenwinkel wahrnehmen. Sie wissen, ob sie da ist oder nicht. Genauso ist es bei der Detailtreue. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen heute eine sehr ausgeprägte visuelle Wahrnehmung haben – durch all die Bilder, die wir jeden Tag sehen und all die Produkte, die wir täglich nutzen. Ich glaube, die Menschen sind heute visuell viel besser trainiert als noch vor einigen Generationen. Das heißt, sie nehmen Dinge viel genauer wahr als früher.

Ich denke, man kann oft spüren, ob etwas funktionieren wird oder nicht. Und meist ist es schwer, etwas genau zu bestimmten, aber ich glaube, für gutes Design ist dies wichtig.

Welchen Rat würden Sie SAP-Designern geben?

Was ich empfehlen würde, ist das, was ich auch meinem Team sage. Als Designer muss man verstehen, was der Ingenieur oder Entwickler machen möchte und wie er es machen kann. Man muss ihm helfen, ein besseres Produkt zu entwickeln. Für einen Designer ist es sehr wichtig, dass er für das eintritt, was er für richtig hält. Und er sollte bereit sein, mit Ingenieuren oder Entwicklern zusammenzuarbeiten, um ein besseres Produkt zu schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass der leidenschaftliche, ambitionierte, kreative Ingenieur dies ebenso möchte wie der Designer.

Was ist der dankbarste Teil Ihrer Arbeit?

Ich bin jetzt seit vielen Jahren in diesem Job und irgendwie scheine ich immer wieder etwas Neues zu entdecken, wenn ich ein Auto designe. Wenn ein Auto gut proportioniert ist und ich das fertige Produkt auf der Straße sehe, in einem bestimmten Blickwinkel und einem bestimmten Licht, und es dann richtig gut aussieht, dann ist das ein super Gefühl für mich. Und manchmal gibt es im Designprozess Momente, da merke ich, dass wir den Durchbruch geschafft und etwas völlig Neues kreiert haben. Ich liebe diese Momente, weil sie völlig überraschend kommen. Das ist der lohnendste Teil meiner Arbeit.

Die letzte Frage mag etwas tückisch sein, aber wir stellen sie trotzdem. Welchen BMW mögen Sie am liebsten?

Um Ihnen die ehrlichste Antwort auf Ihre Frage zu geben: Es ist in der Regel der nächste BMW, den wir herstellen, denn jedes Mal spüre ich, dass wir ihn noch besser machen können. Mein Lieblings-BMW ist also immer das nächste Modell.

BMW_DesignTalk

Eindrücke von der Veranstaltung SAP Design Talk. (Links, Karim Habib im Gespräch mit Sam Yen, Chief Design Officer bei SAP, und Christoph Behrendt, Senior Vice President des Bereichs Application Innovation bei SAP.)

Im Rahmen der Reihe SAP Design Talks bietet die SAP ihren Mitarbeitern regelmäßig interessante Vorträge führender Vertreter der internationalen Designszene.

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