Soccer team in a huddle

Wie schnell reagieren Branchen auf das Internet der Dinge?

Feature | 24. März 2016 von Michael S. Goldberg, Kai Goerlich 0

Einige Branchen, beispielsweise die Fertigungsindustrie, haben bereits stark in IoT investiert. In anderen Branchen wie etwa dem Gesundheitssektor war man bisher zurückhaltender. Dies soll sich laut IDC in Zukunft aber stark ändern.

Science-Fiction-Autor William Gibson ist bekannt für seinen Spruch: „Die Zukunft ist heute, sie ist nur noch nicht überall gleichmäßig präsent.” Das gilt auch für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT).

Um im digitalen Zeitalter fundiertere Entscheidungen treffen, Abläufe automatisieren und Prozesse verbessern zu können, benötigten Unternehmen sowohl Daten als auch Geräte für das Erfassen, Speichern, Verwalten und Analysieren dieser Daten. Genau das kann IoT-Technologie bieten.

IDC: Die Ausgaben für IoT-Technologie werden bis 2018 im Schnitt um 19 Prozent zunehmen.

Wie das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) berichtet, sind IoT-Investitionen sprunghaft angestiegen. Besonders deutlich wird dies in sieben großen Branchen, in denen es viele physische Produkte und Geräte gibt. Insgesamt geht IDC davon aus, dass die Ausgaben für IoT-Technologie bis 2018 im Schnitt um 19 Prozent zunehmen werden. Einige Branchen, beispielsweise die Fertigungsindustrie, haben bereits stark in IoT investiert. In anderen Branchen wie etwa dem Gesundheitssektor war man bisher zurückhaltender. Dies soll sich laut IDC in Zukunft aber stark ändern.

Vielfache Vernetzungsmöglichkeiten

IoT-Infographic_Digitalist-Q116

Wie viel investieren unterschiedliche Branchen in IoT-Technologie? Zur Ansicht klicken Sie auf die Infografik.

Das Internet der Dinge hat enormes Wachstumspotenzial, insbesondere jedoch in den zahlreichen Branchen, in denen Maschinen und Geräte vernetzt werden.

Durch das Internet der Dinge entstehen neue Erlösmodelle

Mit dem Internet der Dinge ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für Automatisierung und datengestützte Entscheidungen. Unternehmen können über Sensoren an Maschinen Daten sammeln und mit diesen neue Geschäftsprozesse und Erlösmodelle realisieren.

Analysten von Gartner melden jedoch ganz unterschiedliche Zahlen: So gibt es einerseits enormes Wachstum, beispielsweise einen Anstieg um 30 Prozent auf 6,4 Milliarden vernetzte Dinge von 2015 auf 2016. Andererseits steckt das Internet der Dinge in einigen Bereichen noch in den Kinderschuhen. Verwunderlich ist das nicht, denn auch hier ist die Zukunft „noch nicht gleichmäßig überall präsent.“ Früher oder später wird sich das IoT aber in nahezu allen Bereichen durchsetzen.

Versorgungswirtschaft

2016_Q1_charted_02-300x200

Versorgungsunternehmen befinden sich in Sachen Internet der Dinge noch im Anfangsstadium, wie das McKinsey Global Institute herausfand. Die Deregulierung und neue Marktteilnehmer lassen jedoch für die Zukunft größere Investitionen erwarten. So ist beispielsweise bei Smart-Metering-Systemen und erneuerbaren Energiequellen – beides Wachstumsmotoren der Branche – eine Anbindung an das Internet der Dinge unerlässlich.

Das Beratungsunternehmen Tata Consultancy Services weist zudem darauf hin, dass Versorgungsbetriebe künftig in Systeme investieren müssen, die Daten von Smart Devices in Haushalten und Unternehmen überwachen und auswerten. Nur so können sie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Laut IDC werden sich die IoT-Investitionen aber letztendlich auszahlen, denn sowohl die Versorgungsunternehmen als auch die Verbraucher haben ein Interesse an einer effizienteren Energiegewinnung und -nutzung.

Gesundheitswesen

2016_Q1_charted_03-300x200

Die IoT-Nutzung im Gesundheitssektor ging durch Regulierungs- und Privatisierungsmaßnahmen insgesamt nur schleppend voran, wie Tata Consultancy Services berichtet. Organisationen im Gesundheitswesen installieren jedoch zunehmend Technologie, mit der sich medizinische Geräte an Netzwerke anbinden lassen, sodass auch hier ein Zuwachs datengestützter Geräte zu erwarten ist. Nach Einschätzung von IDC wird das Internet der Dinge letztlich eine große Rolle in der Branche spielen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind Monitoring-Anwendungen und Sensoren, mit denen Patienten ihre Gesundheit und Fitness überwachen können.

Großhandel

2016_Q1_charted_04-300x200

Das Internet der Dinge bietet neue Möglichkeiten für Großhändler, unter anderem beim Verkauf von Waren über gewerbliche Verkaufsautomaten und automatisierte Transportsysteme. Insgesamt ist die Branche nach Einschätzung des McKinsey Global Institute jedoch in Sachen Digitalisierung im Mittelfeld einzuordnen.

Fertigungsindustrie

2016_Q1_charted_05-300x200

Unternehmen – von Konsumgüterherstellern bis zu Fertigungsbetrieben für Industrieprodukte – investieren in IoT-Technologie, um die Produktion und den Warenfluss zu überwachen. Durch Sensoren wird es möglich, dass Anwendungen Wartungstermine, beispielsweise für Düsentriebwerke, vorhersagen können. Wie Tata Consultancy Services berichtet, testen Konsumgüterhersteller zudem zurzeit Marketinganwendungen, die an Maschinensensoren und Smartphones angebunden sind.

Retail

2016_Q1_charted_06-300x200

Laut VDC Research Group hat der Trend zur Digitalisierung schon weit vor 2013 eingesetzt. Die Preise für RFID-Transponder sind im vergangenen Jahrzehnt stark gesunken, sodass Händler immer mehr Produkte mit RFID-Tags ausrüsten können, meldet das RFID Journal. Dies führt zu einer schnelleren Bestandsverfolgung und Versendung von Waren und trägt zudem dazu bei, dass der Warenschwund abnimmt.

Logistik

2016_Q1_charted_07-300x200

Logistikdienstleister DHL und Netzwerkanbieter Cisco gehen davon aus, dass es 2020 50 Milliarden vernetzte Geräte geben wird. Dies sei aber „nur ein Bruchteil dessen, was sein könnte – es handelt sich in etwa um eine Größenordnung von 3 Prozent aller vernetzbaren Dinge.“ Durch diese Vernetzung wird sich von Grund auf ändern, wie Entscheidungen über die Lagerung, Verfolgung, Wartung und Lieferung von Waren getroffen werden. Laut IDC wird sich das Internet der Dinge stark auf die Logistikbranche auswirken, da die Vorteile auf der Hand liegen und leicht messbar sind.

Prozessindustrie

2016_Q1_charted_08-300x200

Unternehmen der Prozessindustrie haben umfassend in produktivitätssteigernde Technologien investiert, darunter in ERP- und Supply-Chain-Management-Software. Im Internet der Dinge sehen führende Konzerne eine Möglichkeit, den Nutzen dieser Investitionen noch weiter zu steigern. Analysten von Deloitte berichten, dass etwa Öl- und Gasunternehmen bei der Verarbeitung und dem Vertrieb von Rohstoffen weitere Effizienzgewinne erzielen könnten. So lassen sich beispielsweise durch das Sammeln und Analysieren von Sensordaten sowie die Überwachung von Geräten und Maschinen ungeplante Ausfallzeiten vermeiden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im Digitalist veröffentlicht.

Foto: Shutterstock

Tags: ,

Leave a Reply