Geschäftschancen in Brasilien

Feature | 14. Dezember 2012 von Jacqueline Prause 0

Während das Softwaregeschäft der SAP in Nord- und Südamerika im 3. Quartal außergewöhnliches Wachstum verzeichnen konnte, steht die beste Zeit in Brasilien vielleicht erst noch bevor. Das Land hatte bereits maßgeblichen Anteil an den guten Ergebnissen des letzten Quartals, bietet jedoch noch ein großes unerschlossenes Potenzial für eine weitere Steigerung des Softwareabsatzes. Die Umsatzchancen sind bei der SAP nicht unbemerkt geblieben, die für ihre Aktivitäten in der Region Lateinamerika und Karibik ein Wachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr prognostiziert. Brasilien wird bei diesem Erfolg eine tragende Rolle spielen.

Investition ins Partnernetz

Im Juli gab die SAP ihre Ausbaupläne in Höhe von 20 Millionen Euro für den Standort São Leopoldo, Hub und Entwicklungszentrum der Region, bekannt. Außerdem investierten die Walldorfer stark in ihr Partnernetz in der gesamten Region Lateinamerika und Karibik und stellt dazu neue Teams für die Kooperation mit Partnern im Bereich der Channel-Spezialisierung und der gemeinsamen Entwicklung innovativer Produkte zusammen. SAP Partner Service Delivery (PSD) nimmt in dieser Strategie eine zentrale Position ein.

Die Abteilung steht in direktem Kontakt mit den einzelnen Partnern, um sicherzustellen, dass diese über die nötigen Tools und Ressourcen verfügen, unter anderem Zugang zu den richtigen Fachexperten, um wertvolle neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. „Durch die Partnerspezialisierung eröffnen sich für uns derzeit große Chancen in Brasilien“, erklärt Carlos Bento, SAP-PSD-Regionalleiter für Lateinamerika und die Karibik. „Wir bei PSD stehen bereit, um unsere Partner beim Ausbau ihres SAP-Geschäfts rundum zu unterstützen. Durch unsere Organisationsstruktur, unsere Kenntnis des Geschäftsschwerpunkts des Partners und unser neues Serviceportfolio. Die Spezialisierung auf Innovation ist der künftige Weg in Brasilien und Lateinamerika.“

Im Interview mit SAP.info schildert Valdinei Santana, Leiter der Organisationsentwicklung bei Pelissari, die Erwartungen für 2013 im brasilianischen IT-Markt aus Sicht eines SAP-Partners.

Auf der nächsten Seite: Interview mit Valdinei Santana

Valdinei Santana ist Leiter der Organisationsentwicklung bei Pelissari. Foto: Privat

SAP.info: Welcher Typ von Kunde kauft SAP-Lösungen?

Valdinei Santana: Ganz unterschiedliche. In Brasilien gibt es kleine Unternehmen, die SAP-Business-One-Lösungen kaufen. Mittelgroße Unternehmen, die schnell wachsen, kaufen SAP Business All-in-One, um ihre Geschäftsprozesse zu unterstützen. Großunternehmen, die bereits eine konsolidierte elektronische Plattform besitzen und ihre Geschäftsprozesse auffrischen möchten, ergänzen ihre Lösungen durch mobile IT, Cloud und analytische Anwendungen, um nützliche Erkenntnisse aus ihren großen Datenbeständen zu gewinnen. Reifere Unternehmen nutzen SAP als Basis und ergänzen diese Plattform durch innovative Komponenten.

Wie stehen die Aussichten für IT-Investitionen im Zuge der Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016?

Das größte Wachstumshindernis in Brasilien ist die schwache Infrastruktur. Das Land ist riesig, aber über alternative Verkehrsmittel wurde noch kaum nachgedacht. Viele Straßen sind überlastet und die Häfen arbeiten ineffizient. Die Flughäfen sind zu klein, um die Passagierzahlen während der Olympischen Spiele und der Weltmeisterschaft zu bewältigen. Diese Geschäftschancen bedeuten auch Chancen für die IT, aber es wird eine Infrastruktur gebraucht, die dieses Wachstum unterstützt.

Was spielt sich in den am stärksten wachsenden Sektoren ab?

Brasilien gilt als Zukunftsland und die Zukunft ist schon da! Es gibt gute Aussichten für Tiefsee-Ölbohrungen, und die Satellitenunternehmen von Petrobras müssen sich auf die Herausforderungen einstellen, die mit diesen Vorhaben verbunden sind. Wir sind jedoch noch nicht in der Lage, diese Rohstoffe zu veredeln, deshalb exportieren wir immer noch viele Rohstoffe. Es gibt Raum, die Effizienz und Produktivität der Exploration zu steigern und neues Geschäft zu generieren, um die Wertschöpfung brasilianischer Produkte zu erhöhen.

Die Zinsen in Brasilien sind niedrig, und es werden mehr Konsumentenkredite vergeben. Die brasilianische Mittelklasse wächst, damit ist das Potenzial eines steigenden Konsums verbunden. Die Zukunft ist da, und wir müssen die Gelegenheit bestmöglich nutzen.

Welche regionalen Trends gibt es bei SAP-Projekten und den Kundenanforderungen? Was kaufen die Kunden zurzeit?

Der IT-Markt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. In den 80ern sahen sich Manager, die ihre Datenverarbeitungssysteme verbessern wollten, auf dem IT-Markt um, fanden aber oft keine Lösung. Wenn sie eine fanden, war sie sehr teuer, sodass nur wenige sie sich leisten konnten. Die 90er waren die beste Zeit, um Informationstechnologie zu verkaufen. Wenn ein Manager ein Problem hatte und eine Lösung dafür suchte, wurde er auf dem Markt fündig. Es war sehr teuer, aber der Manager hatte mehrere Optionen und konnte eine finden, die zu seinem Budget passte.

Nach dem Y2K-Bug hat sich die Situation völlig verändert. Viele Anbieter klopften bei den Unternehmen an und warben: „Wir haben die Lösung für Ihre Probleme!“  Wie konnten sie die Lösung haben, wenn sie das Problem noch gar nicht kannten? Der Schwerpunkt hat sich verlagert. Jetzt müssen wir den Kunden zuhören und dann ihre Probleme gemeinsam mit ihnen lösen. Die SAP ist der Weltmarktführer in diesem Markt. Wir können gemeinsam mit Kunden Innovationen schaffen, aber erst, wenn wir die geschäftlichen Aufgabenstellungen, die Probleme im Kontext des Wettbewerbsumfelds und die Herausforderungen kennen, die es in der betreffenden Branche zu bewältigen gilt.

Weiter auf Seite 3: Was das Wachstum für den Arbeitsmarkt bedeutet.

Was bedeutet das rasante Wachstum in Brasilien für den IT-Arbeitsmarkt? Wie wirkt sich die Situation auf Pelissari aus?

Brasilien ist ein Schwellenland und es herrscht ein großer Mangel an Fachkräften, vor allem in der IT. Um dies auszugleichen, stellt Pelissari Absolventen von führenden Universitäten ein und investiert in ihre Weiterqualifizierung. Die Universitäten bilden mehr Fachkräfte aus, aber es sind immer noch zu wenige, um hochkomplexe Dienstleistungen wie im Ingenieurwesen oder auch in der IT zu erbringen. Der IT-Markt in Brasilien hat viel Hardware und Telekommunikationsausrüstung importiert, aber im Bereich der Dienstleistungen ist es immer noch sehr schwierig. Die Unternehmen müssen stark in die zusätzliche Schulung ihrer Mitarbeiter investieren. Genau das haben wir getan! In der nächsten Phase unseres schnellen Wachstums müssen wir die Kreativität der Brasilianer nutzen und in Ideen für neue und profitable Produkte und Services ummünzen.

Mehr über Pelissari können Sie im Artikel „Brazilian Perspectives“ im Blog SAP Business Trends lesen.

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