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„Zalando“ im Sport: 21sportsgroup auf Wachstumskurs

Feature | 1. Februar 2016 von Andreas Schmitz 0

Mit neuem ERP von SAP organisch wachsen, mit einem Enterprise-Bus neue Unternehmen andocken: Technisch wie wirtschaftlich stehen alle Zeichen bei der 21sportsgroup auf Wachstum.

Eine halbe Milliarde Euro Umsatz: Das ist die Schallgrenze, die sich Jörg Mayer gesetzt hat, bis die Investitionsphase seines Unternehmens – des Sportspezialisten 21sportsgroup – so langsam abgeschlossen sein dürfte. „Unser Geschäft ist profitabel, Erlöse einzufahren aber noch gar nicht geplant“, sagt der Wirtschaftsingenieur, der aktuell alles, was er erwirtschaftet, für Expansionen in neue Märkte einsetzt. Das erinnert an Zalando und Amazon, die ebenfalls zunächst auf Wachstum setzten. Das Geschäft dafür hat sich Mayer gut ausgesucht: Die sechs Segmente, die europaweit gesehen aktuell das größte Geschäft im Sporthandel versprechen, decken das Portfolio des Unternehmens und seiner Tochterunternehmen ab. Fußball, Basketball, Tennis, Outdoor, Action Sports und alles rund ums Laufen sind Bereiche, für die jeweils Sportbegeisterte Jahr für Jahr vier bis 10 Milliarden Euro ausgeben.

21sportsgroup: Key-Segmente in Europa im Visier

Die Besonderheit: Wer als Läufer Spezialschuhe sucht, findet sie genauso wie ein Triathlet seine Aerotrinkflaschen oder Neoprenschwimmanzüge. Der Ex-Mittelstreckler vom USC Mainz Mayer vergleicht sein Unternehmen – derzeit 360 Mitarbeiter stark bei einem erwarteten Jahresumsatz von etwa 100 Millionen Euro – von der Produktpalette her mit dem Volkswagenkonzern. „Wir haben den Audi für Technikfans, den Golf oder Seat für Jedermann und den Bugatti für die exklusive Käuferschicht“, so Mayer. Bei der 21sportsgroup kaufen die Feierabendjogger, trotzdem bekommen auch professionelle Leistungssportler hier ihre Ausrüstung. „Wir zoomen so weit es geht hinein in die einzelnen Segmente und bieten die ganze Breite“, beschreibt Mayer.

Der bisherige Erfolg scheint Mayer Recht zu geben. Vom Startschuss der 21sportsgroup 2011 bis heute steigerte der Mannheimer Multichannel-Sporthändler, dessen Ursprung 2005 mit einem regionalen Laufsport-Geschäft in der Rhein-Neckar-Region begann, seinen Umsatz fast um das Zehnfache. Im strategischen Fokus steht seit Beginn ein Mix aus organischem Wachstum und Zukäufen, die zusätzlich durch externe Geldgeber möglich werden. Bestes Beispiel dafür ist Planet Sports, ein etablierter Actionsport-Spezialist, der seit dem Frühjahr zur 21sportsgroup dazu gehört und das Unternehmen auf über 300 Mitarbeiter wachsen ließ. Bis vor kurzem fehlte zur Wachstumsstrategie noch die geeignete Informationstechnologie. „Das fast selbst entwickelte ERP hat uns weit gebracht für wenig Geld, war aber akquisitionspolitisch gesehen nicht das Richtige“, sagt Mayer. Kurz gesagt: Es hat das anvisierte Wachstum des Unternehmens nicht mehr abbilden können.

682 Geschäftsprozesse für einen Software-Pitch

Auf der einen Seite dem organischen Wachstum mithilfe skalierbarer Systeme gewachsen sein, auf der anderen Seite aber auch die Integration von akquirierten Unternehmen bewerkstelligen: Das wurde zur Maßgabe bei der Suche nach einer Software, die jene 682 Geschäftsprozesse der 21sportsgroup abbilden sollte, mit denen Mayer die Softwareunternehmen im Pitch um eine neue Softwareinfrastruktur konfrontierte. Ein Mix aus ERP und Enterprise-Bus sollte das einmal leisten. Ein ERP für das natürliche Wachstum, das das Transaktionsvolumen von jährlich über einer Millionen Bestellungen von 2,5 Millionen Kunden händeln kann sowie ein Enterprise-System-Bus, der es wie eine Steckerleiste möglich macht, Adapter für Programmiersprachen und Daten anzuschließen – letztlich eine Lösung, um Systeme neu akquirierter Unternehmen andocken zu können. „Das schafft zudem die Möglichkeit, immer Best-in-Class-Lösungen nutzen zu können“, erläutert Mayer seine Erkenntnis aus seiner Zeit als Manager bei web.de: „Ist etwa ein SAP FI-Modul besser als ein vergleichbares, sollte die Möglichkeit bestehen, ausschließlich diesen Baustein auszutauschen und alles andere so zu belassen, wie es ist.“

ERP plus Enterprise-System-Bus: Mix aus organischem Wachstum und Zukäufen in der Software abbilden

Nicht weniger als ein „Quantensprung“ verlangte Mayer vom Einsatz der neuen Software: „Das war auch der Grund dafür, weswegen wir für die Auswahl des Softwarepartners genauso lange gebraucht haben wie für die spätere Implementierung“, so Mayer. Sieben Monate waren es also schließlich, bis das neue ERP „SAP ERP ECC 6.0“ und die Middleware „SAP Netweaver Process Integration“ schließlich ohne jegliche Mitwirkung von externen Beratern gefunden waren: „Das sollte man nicht aus der Hand geben“, ist Mayer überzeugt, der damals vier Leute in der IT beschäftigte und schon bei vorherigen Arbeitgebern seine Erfahrungen mit dem Austauschen von Geschäftssystemen gemacht hatte. Sieben weitere Monate später, im Mai 2015, war das System live und die Nachfrage bereits zwei, drei Wochen nach der Implementierung wieder auf dem vorherigen Niveau – schneller als erwartet.

Die neue Software-Kombi nimmt den Mannheimern nicht nur die Bauchschmerzen vor dem geplanten Wachstum im Ausland – der Internationalisierung des Geschäfts. Sie ist für das auf Wachstum ausgerichtete Unternehmen die wichtigste Funktionalität, denn sie verspricht den erhofften Quantensprung für Expansionen in neue Märkte ermöglicht. Der Fokus des Unternehmens – das zeigt schon die Orientierung an die europäischen Marktsegmente – liegt neben Deutschland auch auf den europäischen Nachbarstaaten wie Italien, Frankreich, Spanien, den Benelux-Ländern und Nordeuropa. Entsprechend muss das System auch dänische Kronen abrechnen können und selbst im Ausland das Bezahlen per Nachnahme möglich machen, also die Option, bei Eintreffen der Ware bezahlen zu können.

Omnichannel: „Keine Raketenwissenschaft“

Weitere wichtige Funktionen fallen nach Ansicht des 21sportsgroup-Geschäftsführers Mayer in der Bedeutung gegenüber der Internationalisierung eher ab. Dass der nötige Paketausstoß direkt nach dem Umstieg auf die neue Software nicht nur gewährleistet wurde, sondern ein „All-time-high“ heraussprang, wirkt bei den Mannheimern fast wie eine Selbstverständlichkeit. Und auch die Sache mit dem Omnichannel, für manches andere Unternehmen der Quantensprung schlechthin, ist für Mayer eher eine kleine Randnotiz wert: „Ja, es ist für den Kundenservice wichtig, aber sicher keine Raketenwissenschaft.“

 

Foto: Shutterstock

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