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Ziemlich beste Freunde

Feature | 24. August 2015 von Stephan Magura 0

T-Systems wurde sein SAP-Knowhow quasi in die Wiege gelegt. Schon die „Eltern“ Telekom und Debis waren im SAP-Dienstleistungsgeschäft unterwegs, ehe der gemeinsame Nachwuchs im Jahr 2000 das Licht der Welt erblickte. Seither wurde die Beziehung immer intensiver – und internationaler. Aktuell bedienen beide Partner mehr als 5.000 gemeinsame Kunden weltweit. Geht es um ERP, setzen Global Player wie Brenntag, Continental AG, Heineken, Pioneer, Shell oder Sumitomo seit Jahren auf das Duo T-Systems/SAP.

„Heute arbeiten wir mehr und mehr im Umfeld von Innovationsthemen zusammen“, beschreibt Dagmar Fischer-Neeb, als Global Partner Director die SAP-Schnittstelle zur T-Systems, die aktuelle Ausrichtung der engen, aber offenen Partnerschaft. Offen deshalb, weil T-Systems ebenfalls Geschäfte mit SAP-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce macht, während die SAP ihrerseits auch mit anderen Service Providern kooperiert.

Cloud Services als Wachstumstreiber

„Was das Volumen anbelangt, so hat sich unser SAP-Schwerpunkt mit der Plattform-Entwicklung von SAP wie HANA und Mobile nach und nach in Richtung Cloud Hosting verschoben“, so T-Systems-Alliance-Manager Franz Baljer, der sich kürzlich in den verdienten Ruhestand verabschiedet hat. Im Walldorfer Partner-Port pflegte er einen engen Kontakt zu seinen Ansprechpartnern in der SAP-Konzernzentrale. Laut dem Analystenhaus Pierre Audoin Consultants (PAC) betreibt T-Systems mittlerweile die größte Cloud-Plattform für SAP (siehe Grafik). Heute benötigen die langjährigen Partner einander mehr denn je, um den Bedarf der Unternehmen zu befriedigen. So sind es vor allem aktuelle Themen wie Industrie 4.0, Social Business oder das Internet der Dinge, die den Cloud-Markt  antreiben. Gleichzeitig können Technologien wie In-Memory aber auch viele Prozesse vereinfachen.

Rasante Entwicklung: Cloud-Hosting für SAP-Kunden durch T-Systems erfreut sich steigender Beliebtheit. (Quelle: PAC). Klicken, um die automatisierte Grafik zu starten.

Rasante Entwicklung: Cloud-Hosting für SAP-Kunden durch T-Systems erfreut sich steigender Beliebtheit. (Quelle: PAC).

Für die Unternehmen kommt es jetzt darauf an, sich die neuen Technologien auf kreative Art und Weise zunutze zu machen. „Digitale Transformation“ lautet das Gebot der Stunde, im Zuge dessen T-Systems schon mehr als 250 internationale Enterprise-SAP-Anwender in die Cloud überführt hat. „Digitalisierung und Cloud sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Das hohe Tempo der Digitalisierung können Unternehmen heute nur mitgehen, wenn sie die benötigten Services schneller und flexibler zur Verfügung stellen. Das geht nur über die Cloud“, sagt T-Systems-Geschäftsführer Dr. Ferri Abolhassan. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe als Partner, die Wichtigkeit der Cloud für unsere Kunden nachvollziehbar zu machen.“

Wertschöpfung im Doppelpack

Continental ist einer dieser Kunden, der die digitale Transformation umsetzt. Als einer der weltweit größten Automobilzulieferer hat das DAX-Unternehmen beide IT-Konzerne in seine Strategie eingebunden. Insgesamt greifen rund 50.000 Anwender auf 200 SAP-Systeme und 100 Non-SAP-Systeme zu. Neben bewährten SAP-Lösungen betreibt der Weltkonzern auch neue SAP-HANA-Systeme für BI – mit denen Conti Geschäftsanalysen in Echtzeit durchführt – in der Private Cloud von T-Systems. Dabei prägt die Mannschaft von Conti-Corporate-CIO Elisabeth Hoeflich SAP so aus, „dass wir damit am Markt Wettbewerbsvorteile haben.“ In diesem Zusammenhang sei es ein großer Vorteil gewesen, „dass wir SAP HANA sehr schnell, sicher und reibungslos in die bestehende Betriebsumgebung auf Basis der Dynamic-Cloud-Plattform von T-Systems integrieren konnten“, so die IT-Chefin.

„Die SAP-HANA-Plattform ist in der Lage, die Continental AG bei der Entwicklung von intelligenten Technologien für ihre Kunden nachhaltig zu unterstützen und ganz neue Möglichkeiten zu schaffen”, sagt Stefan Köhler, SAP Global Account Director für die Continental AG. „Die Verwendung für die SAP-Business-Warehouse-Systeme war ein großer Erfolg, aber erst der Anfang.” Und Köhler weiter: „Mit der erhofften intensiven Verwendung der HANA-Technologie in der Zukunft, beispielsweise bei der Auswertung von Reifen- und Fahrzeugdaten, oder im Kontext der nächsten ERP-Generation SAP S/4HANA, sehen wir die Möglichkeit den SAP-Beitrag zum Unternehmenserfolg der Continental AG noch weiter steigern zu können.”

Lösungen für das neue Industriezeitalter

Auf vielen Zukunftsfeldern loten die Partner derzeit aus, wer welche Kompetenzen zuliefert – etwa im Umfeld von Industrie 4.0. „Das Internet der Dinge steht an der Spitze der vierten industriellen Revolution – Industrie 4.0. ‚Intelligente‘ Unternehmen nutzen Informations- und Kommunikationstechnologien, um ihre Prozesse zu digitalisieren und vielfältige Vorteile zu erzielen. Auf der Basis unserer erfolgreichen Aktivitäten arbeiten wir mit T-Systems zusammen, um Echtzeit-IoT-Lösungen zu schaffen”, sagt Kevin Ichhpurani, Executive Vice President, Ecosystem and Platform Innovation bei SAP. „Durch die Kombination der SAP HANA-Plattform und dem Netzwerk- und Services-Angebot von T-Systems können wir unsere gemeinsamen Kunden bei der Transformation ihrer Unternehmen sowie beim Eintritt in neue Märkte unterstützen.“

Wie das gemeinsame Engagement aussehen kann, dokumentiert ein weltweit beachtetes Projekt mit der Hamburg Port Authority (HPA) (siehe Video), SAP und T-Systems, das die Logistik- und Verkehrsplanung des Seehafens als Warenumschlagplatz für 140 Millionen Tonnen pro Jahr optimiert. Dazu bringt T-Systems sein Connected-Car-Knowhow ein, während SAP ihre Connected-Logistics-Software beisteuert. Beide Komponenten zusammen bilden gemeinsam mit den durch HPA und anderen bereitgestellten Verkehrs- Infrastruktur- und Warendaten die Logistiklösung „smartPORT logistics (SPL)“. Diese unterstützt die LKW auf ihren Fahren zum sowie im Hafen mit aktuellen Verkehrs-und Infrastrukturinformationen und leitet sie zielgerichtet an ihren Bestimmungsort.

Über eine App lassen sich aktuelle Ankunftszeiten zwischen Disponenten und Fahrern koordinieren, so dass unnötige Wartezeiten entfallen, Staus vermieden werden und der Warenumschlag im Hamburger Hafen in einem steuerbaren Verkehrsaufkommen effizienter für alle an der Transportkette Beteiligten abgewickelt werden kann. Erst im März haben beide Partner eine OEM-Vereinbarung unterzeichnet (OEM = Original Equipment Manufacturer), um die Lösung in weiteren Einsatzfeldern wie Flughäfen, oder Güter-Großbahnhöfen zum Einsatz zu bringen.

Beispiele wie dieses belegen, welchen Mehrwert High-Tech-Innovationen für die Industrie haben. Deshalb begrüßen Wirtschaft und Politik auch das Vorhaben von Telekom und SAP, rasch ein Konsortium für Industrie-4.0-Standards zu gründen. Denn in beiden IT-Konzernen herrscht die tiefe Überzeugung vor: Nicht der Gründliche wird das Spiel gewinnen, sondern der Schnelle.

 

Bildquelle: Shutterstock | Grafik und Video: SAP

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