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Warum Unternehmen der Zukunft eine Bestimmung brauchen

Feature | 25. April 2017 von Florian Kunzke 2

“Purpose” gilt als neuer Fixstern im wirtschaftlichen Wertekosmos. Was bedeutet das für Mitarbeiter und für die Softwareentwicklung von morgen?


Neue Themenserie über die Digitalisierung im Personalmanagement:

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Digitalisierung: Konsens finden

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SuccessFactors im Personalmanagement: welche Vorteile bietet die Lösung?

Warum Unternehmen der Zukunft eine Bestimmung brauchen


Stellen Sie sich vor, der fünfte Tag jeder Arbeitswoche stünde zur freien Verfügung: Sie könnten an einem Projekt arbeiten, das Sie schon immer einmal umsetzen wollten. Sie könnten sich sozial engagieren und dabei auf die Unterstützung und die Ressourcen des Arbeitgebers zurückgreifen. Oder Sie würden einfach freinehmen und die Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Zu schön, um wahr zu sein? Nicht bei IXDS. Die Berliner Design- und Innovationsagentur glaubt an die 32-Stunden-Woche, volle Mitarbeiterflexibilität und eine hierarchielose Unternehmensorganisation. Und das mit Erfolg: Seit mehr als zehn Jahren arbeitet IXDS mit seinen Kunden – Startups ebenso wie Dax-30-Unternehmen – an Zukunftsszenarien, innovativen Produkten und neuartigen Dienstleistungen.

Nancy Birkhölzer, Vorstandssprecherin von IXDS, nahm kürzlich neben weiteren namhaften Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbänden am ersten SAP Research Round Table im DATA SPACE in Berlin teil. Diskutiert wurde, inwieweit die Digitalisierung gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen verändert und welchen Einfluss sie auf Menschen, Unternehmen und die Arbeit hat. Und ebenso, was ein Softwareanbieter wie SAP leisten muss, um diesem dynamischen Umfeld nicht nur gerecht zu werden, sondern es proaktiv mitzugestalten.

Expertengespräch: Zukunft der Arbeit und Kommunikation am Arbeitsplatz

Hier können Sie das Gespräch nachlesen zwischen Personalvorstand Stefan Ries und Kevin Kruse, Experte zum Thema Führungskultur und Autor des „New York Times“-Bestsellers „We: How to Increase Performance and Profits Through Full Engagement”.

Bewusst hat das Organisationsteam um Norbert Koppenhagen, Leiter der Forschung im SAP Innovation Center Network, dazu die neue Location ausgewählt. Dort kollaboriert SAP mit Startups und pflegt das eigene Netzwerk in der Hauptstadt durch ein frisches Event- und Designkonzept. Die Palette an Themen war so buntgemischt wie die Runde selbst: Es war die Rede von neuer Führungskultur, alternativen Organisationsformen, mensch-zentrierten Dienstleistungssystemen, Solopreneurship und Purpose Activitation in Unternehmen. Doch warum Purpose Activation? Schließlich verfolgt doch jedes Unternehmen einen Zweck: Umsatz generieren – oder?

Versprechungen ohne authentisches Handeln werden sofort als Worthülsen entlarvt (Markus Heinen, CIO EY)

Umsatzgenerierung kann aber nicht der einzige Unternehmenszweck sein, wenn es nach Markus Heinen, Chief Innovation Officer bei EY und Keynote Speaker beim Research Round Table, geht. Den eigentlichen Unterschied machen Unternehmen, die sich bewusstmachen, welchen positiven Beitrag sie für das große Ganze leisten: „Purpose kann am ehesten mit Bestimmung übersetzt werden. Gemeint ist damit ein erstrebenswerter Grund für unser Dasein, der Teil des menschlichen Wesens ist und der uns zum Handeln inspiriert.“ Klingt beinahe philosophisch und scheint auf den ersten Blick nur wenig mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun zu haben. Allerdings: Gesellschaftliche Verantwortung und ein glaubwürdiges Markenversprechen sind zu Hauptunterscheidungsmerkmalen für Firmen geworden. Durch Big Data, Echtzeitberichterstattung und digitale Diskussionsräume sind Menschen jederzeit vernetzt und informiert. „Versprechungen ohne authentisches Handeln werden sofort als Worthülsen entlarvt. Unternehmen, die keinen Purpose für sich formulieren, werden sich nicht von der Masse abheben. Doch nur, wenn alle Leistungsfaktoren auch so ausgerichtet sind, dass sie konsequent auf den Purpose einzahlen, bietet das Konzept einen echten Mehrwert“, prognostiziert Markus Heinen.

Doch was heißt das eigentlich für die Mitarbeiter? Bei IXDS beispielsweise misst man den Unternehmenserfolg danach, inwieweit er auf den Firmen-Purpose einzahlt. Für jedes Projekt einigt sich das Team zudem auf einen Projekt-Purpose, der sich einerseits aus Firmen-Purpose ableitet und anderseits am gewünschten Ergebnis orientiert. Wie die Mitarbeiter diesen erreichen, ist ihnen völlig freigestellt. Genauso, wie lange sie dafür arbeiten. „Wir beurteilen unsere Mitarbeiter nicht nach ihren Arbeitszeiten. Wir bezahlen sie auch nicht nach Positionen. Jeder nimmt in einem Projekt die Rolle ein, in der er oder sie aus eigener Sicht am besten zum Gelingen beitragen kann. Deshalb möchten wir Kollegen auch daran messen, wie groß ihr Einfluss auf den Erfolg, ihr Wertbeitrag ist“, erklärt Nancy Birkhölzer.

SAP widmet sich der Zukunft der Arbeit – und bringt erste Lösungen an den Markt

Das Beispiel zeigt, dass es immer wichtiger wird, nicht-physische Vermögenswerte wie Wissen, Innovations- und Teamfähigkeit oder werteorientiertes Verhalten zu identifizieren und zu managen. Bereits heute machen diese Faktoren 80 Prozent des Unternehmenswertes aus. Unternehmenssoftware muss daher künftig in der Lage sein, neben finanziellen Metriken auch solche nicht greifbaren Güter abzubilden. Genau darum wollen sich zukünftig Günter Pecht-Seibert und sein Team vom SAP Innovation Center Network kümmern – in dem neuen ICN-Fokusbereich „Future of Work“.

Pecht-Seibert spricht über die Ambitionen seines Teams: „Wir wollen Cloud-basierte Lösungen entwickeln, die das Engagement und Wohlbefinden der Mitarbeiter verbessern, den Markenwert von Unternehmen steigern und echte Wissensarbeit beschleunigen. Im ersten Schritt werden wir Unternehmen dabei helfen, ihren Purpose zu aktivieren. Unser langfristiges Ziel ist es, auch Firmen, die sich aktuell noch nicht mit dem Thema auseinandersetzen, bei ihrer Transformation in eine Purpose-geleitete Organisation zu unterstützen.“ Mit den Applikationen Knowledge Workspace und People Insights werden die ersten beiden Lösungen schon 2017 an den Markt gehen, ein ganzes Softwarepaket soll später folgen.

Gleiches gilt für die nächste Auflage des Research Round Table. Das Event fand großen Zuspruch bei allen Teilnehmern und setzte viele konstruktive Diskussionen in Gang. Ein Ergebnis des Round Tables war die Identifizierung weiterer, hochinteressanter Forschungsthemen, die das Research & Innovation Team des Innovation Center Network aufgreifen und in weiteren Workshops schärfen will. Das übergeordnete Ziel: die Abläufe der weltweiten Wirtschaft und das Leben der Menschen zu verbessern – ja, auch die SAP hat ihren Purpose bereits definiert.


Fünf Thesen über die Zukunft der Arbeit

Die teilnehmenden Experten am SAP Research Round Table beleuchteten viele spannende Themen. Hier sind ihre fünf zentralen Aspekte:

  1. Unternehmen sollten sich einem ‚Purpose‘ widmen, diesen global in der Organisation verankern und konsequent verfolgen.
  2. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter werden für den Unternehmenserfolg richtungsweisend sein. Dies zu erkennen, zu messen und zu managen ist eine zentrale Herausforderung für Firmen.
  3. Mitarbeiter müssen die Möglichkeit haben, ein Leben lang zu lernen – interessengeleitet, sinnvoll orchestriert und unabhängig vom aktuellen Arbeitgeber.
  4. In Zukunft werden sich Organisationsstrukturen weniger an Hierarchien ausrichten, sondern vielmehr an dezentralen Netzwerken, die über Unternehmensgrenzen hinausgehen und die Wertschöpfung erbringen.
  5. Dies hat zur Folge, dass Unternehmen situativ anpassbare Software-Tools benötigen. Die Anwendungen der Zukunft ermöglichen eine flexible Problemlösung, machen kollektives Wissen in Organisationen zugänglich und verknüpfen Daten aus verschiedenen internen und externen Systemen.

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