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Zukunftsmarkt Wearables im Gesundheitswesen

13. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Aktuelle Studien belegen das wachsende Interesse von Konsumenten, ihre Gesundheitsdaten über Smartphone und Co. an Ärzte und sogar Krankenkassen weiterzugeben. SAP arbeitet bereits an einer Basistechnologie für Services.

Die Gesundheit ist aktuell der Haupttreiber für Wearables in Deutschland. Egal, ob es um die Informationen geht, die Konsumenten von Smartphone, Smart Watch und Co. erhalten oder wem sie diese anvertrauen wollen: Das eigene Wohlbefinden und Wearables sind eng miteinander verbunden. So verspricht sich mindestens jeder Dritte der für den Media-Trend-Outlook des Beratungshauses PWC online Befragten von den schlauen Geräten Informationen über ein effektiveres Fitnesstraining, medizinische Infos, Aufzeichnungen eigener Aktivitäten und gesünderer Ernährung. Fast zwei Drittel (63 Prozent) würden Daten über ihren Gesundheitszustand an Hausärzte und Krankenhäuser weiter geben und sogar jeder Vierte (26 Prozent) an die Krankenkasse.

SAP: 20 Proof of Concepts über Wearables in der Gesundheitsbranche

In der Industrie sind diese Trends längst angekommen. In derzeit über 20 Proof of Concepts weltweit will SAP derzeit beweisen, dass Wearables zum Nutzen des Patienten und Stakeholdern wie etwa Ärzten, Krankenhäusern und Pharmaherstellern eingesetzt werden können. „Einerseits geht es darum, die Prävention zu unterstützen, andererseits, chronische Krankheiten zu managen“, erläutert Claudius Metze, der seit zwanzig Jahren gesundheitliche Lösungen bei SAP mitentwickelt, aktuell als Business Solutions Architect. Egal, ob über Genomsequenzierung oder darüber, dass Patienten zu Hause ihren Blutdruck kontinuierlich messen: Riesige Datenmengen entstehen. „Wir müssen sie verarbeiten und neue Erkenntnisse daraus gewinnen“, fordert Metze.

Grafik: PWC, 2015

Zu medizinischen Zwecken halten die Befragten einer Online-Studie von PWC die Herausgabe persönlicher Daten für sinnvoll. Grafik: PWC, 2015

Eine immer bedeutendere Rolle in dem Prozess nimmt der Patient ein. Wie die Studie „Quantified Health“ vom Marktforschungsunternehmen Yougov kürzlich ermittelte, gibt es eine ganze Reihe an Gründen, warum sich Menschen vermehrt mit Apps zu den Themen Gesundheit, Fitness und körperlicher Selbstmessung beschäftigt. Die Überraschung: Hier geht es vorrangig nicht bewusst um Prävention, sondern mehr um den spielerischen Aspekt. Zwar geht es jedem dritten darum, den eigenen Körper kontrollieren zu wollen, doch spielen die Neugier, das pure Interesse an der Selbstbeobachtung oder gar der Spaß ebenfalls eine Rolle. Die Prävention entsteht also quasi nebenbei, indem sich Patienten mit anderen in der jeweiligen Peer-Group vergleichen und dadurch motiviert sind, sich zu verbessern.

„Wearables haben die Chance, das Verhalten der Menschen zu verändern“

„Gerade in der Transparenz dessen, was man tut und dem spielerischen Aspekt, seine Ergebnisse und Leistungen mit anderen zu teilen, entsteht die Motivation“, ist sich SAP-Experte Metze sicher: „Wearables und Gesundheits-Apps haben die Chance, das Verhalten des Menschen positiv zu verändern.“ Beispiel Schwangerschafts-App. Die von SAP schon vor zwei Jahren zusammen mit der Uniklinik Heidelberg entwickelte App wurde mit der Intention entwickelt, Schwangerschaftsdepressionen frühzeitig zu entdecken.

Grafik: Yougov, 2015

Gesundheits-Apps sollen als Korrektiv und zur Motivation dienen, aber auch Spass machen. Grafik: Yougov, 2015

Hier beantwortet die werdende Mutter etwa online spezielle Fragen. Zusammen mit anderen Faktoren wie Informationen darüber, etwa wie viel sich die Schwangere bewegt und wie sich das Gewicht verändert lässt sich dann analysieren, ob die Betreffende zur Risikogruppe gehört. Im Gegenzug bekommt die Schwangere individuelle Informationen via App zugestellt. Je nachdem, in welcher Schwangerschaftswoche sie sich befinden, wie alt sie ist, ob sie schon Kinder hat oder aber unter Diabetes leidet, bekommt sie regelmäßig maßgeschneiderte Infos. So haben beide etwas von der App – Ärzte wie Patientinnen.

Ähnliche Ansätze gibt es etwa für Diabetiker oder Menschen, die schlecht schlafen. Im Projekt „Connected Health“, das SAP zusammen mit Pharmakonzern Roche entwickelt hat, teilt der Patient seinen Blutzucker, seine Medikation und sein Gewicht mit dem Arzt. Das Start-up Early Sense hat ein System entwickelt, mit dem sich der Schlaf von Menschen analysieren lässt. Atem- und Herzfrequenz und Informationen über die Schlafphasen werden in die Cloud übertragen und sind so etwa auch für Hausärzte verfügbar:

Etwa 20 vergleichbare Projekte hat allein SAP derzeit auf den Weg gebracht. „Unser Ziel ist es, ein Framework zu bauen, das als Standard für vergleichbare Projekte dienen kann – und alle Stakeholder mit einbinden kann“, erläutert Metze, dem ein Design aus Sicht des Endbenutzers, und nicht des Auftraggebers vorschwebt. Wie schon beim Projekt „Connected Health“ gezeigt, wird es darum gehen, ein physisches Produkt zu schaffen, das mit einem Mehrwert angereichert wird. Hier wird mithilfe einer App ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement möglich, das einfach zu nutzen ist und auch ältere Menschen anspricht, die vielleicht nicht so versiert mit Wearables sind wie jüngere.

Hindernis: Unsicherheiten im Umgang mit den Daten

Bisheriges Haupthindernis für den Einsatz von Wearables: Die Unsicherheit darüber, ob die Daten in Ordnung sind, die man erhebt und ob sie ausschließlich in die richtigen Hände geraten. So gaben mehr als die Hälfte der von PWC-Befragten an, dass sie unter keinen Umständen Daten mit Dritten teilen wollten.

Grafik: Yougov, 2015

Zweifel an selbst erhobenen Daten, Angst vor Überinterpretationen, kein Interesse an so viel Eigenkontrolle bestimmen die Kritik an der Quantified-Self-Bewegung. Grafik: Yougov, 2015

Die größten Bedenken, das ergab die Yougov-Umfrage, bestehen darin, dass man sich vielleicht zu sehr (und fälschlicherweise) auf die selbst erhobenen Daten verlässt und sogar seine eigene Einschätzung über die Gesundheit ein Stück weit verliert. Beides lässt sich nur dadurch in den Griff bekommen, indem dem Patienten die Hoheit über die Daten und auch die Messungen am eigenen Körper überlässt. „Eine geeignete und sichere Technologie nutzen, um wesentliche Aspekte der Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen“, benennt SAP-Gesundheitsexperte Metze dann auch die Vision für die Wearable-Nutzung der Zukunft.

Foto: shutterstock

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