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Zukunftstechnologien Big Data und Cloud: Vernetzte Autowelt

Feature | 5. Mai 2014 von Anja Paschke-Hess 0

Wie wirken sich Big Data und Cloud auf das Alltagsleben der Zukunft aus? Die Automobilbranche verspricht mehr Komfort.
Dr. Holz

Dr. Daniel Holz, SAP

Die Verknüpfung von Massendaten mit der Cloud wird unseren Alltag spürbar verändern. Das wird am Beispiel der Automobilbranche deutlich: In wenigen Jahren werden Autofahrer als „Connected Drivers“ dank der Vernetzung selbst während der Fahrt Informationen aus dem Internet nutzen können. Die Fahrzeuge wiederum melden im Rahmen von „Connected Driving“ wichtige Daten zum Verkehr oder zum Zustand des Fahrzeugs, etwa Benzinstand oder Reifendruck, an den Fahrer oder an andere Sammelstellen zurück.

„Connected Drivers“

Im Mittelpunkt eines virtuellen Marktplatzes, der als Prototyp von der BMW Group Forschung und Technik in Zusammenarbeit mit SAP entwickelt wird, steht der vernetzte Fahrer. Als „Connected Driver“ ist er im Auto digital mit der Außenwelt verbunden und kann die Vorteile des Internets nutzen. Moderne Navigationssysteme liefern zwar bereits heute Verkehrsinfos in Echtzeit, aber in Zukunft sind auch Dienste wie Point-of-Interest-Angebote oder eine Vorlesefunktion für E-Mails vorstellbar.

Zwei Anwendungen für den virtuellen Marktplatz wurden mit BMW bereits umgesetzt: ein Couponsystem und eine Funktion für die Parkplatzsuche. Dr. Daniel Holz, Head of Sales Manufacturing & Automotive bei SAP, erläutert den Hintergrund des Projekts: „Wir wollen dem Fahrer ein positives Fahrerlebnis ermöglichen, das gleichzeitig dem Automobilhersteller und teilnehmenden Dienstleistern einen Mehrwert beschert, indem wir das Fahrzeug zum Absatzkanal für fahrzeugnahe Dienstleistungen machen.“

Je nach Standort, Benzinstand und gewählter Route bietet der Marktplatz passende Mehrwertdienste an. Zunächst könnten das beispielsweise Daten über freie oder über besonders geräumige Plätze in Parkhäusern sein oder die Möglichkeit des bargeldlosen Zahlens an der Ausfahrtschranke. Die lästige Suche nach dem Parkticket oder dem nötigen Kleingeld würde also entfallen. Schon während der Fahrt erhalten die Reisenden Coupons für preisgünstige Angebote nahe gelegener Cafés oder Restaurants.

Diese Dienste lassen sich nach und nach erweitern. „Stellen Sie sich vor, Sie wollen zu einer Großveranstaltung und haben die Möglichkeit, zusammen mit Ihrer Eintrittskarte einen Parkplatz nah am Eingang zu reservieren“, ergänzt Holz als weiteres Beispiel. Szenarien wie diese sind nicht nur für Automobilhersteller oder andere Marktplatzbetreiber lukrativ, sie bieten auch Umsatzchancen für eine ganze Reihe anderer Dienstleister wie Tankstellen, Parkhäuser, Waschstraßen oder Restaurationsbetriebe.

„Connected Driving“

Beim „Connected Driving“ wiederum geht es darum, Fahrzeug- und Verkehrsdaten sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Die Auswertung von Sensordaten ermöglicht beispielweise dem Flottenmanagement, die aktuelle Position einzelner Wagen festzustellen oder Zustandsdaten abzufragen und auszuwerten. Ein Fahrer, dessen Kfz mit zu niedrigem Reifendruck fährt – was sich negativ auf den Spritverbrauch auswirkt –, könnte beispielsweise während der Fahrt aufgefordert werden, bei der nächsten Tankstelle Luft nachzufüllen. Ebenso lässt sich der Motor konstant überwachen, sodass Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkannt und behoben werden können. Für Leasingfirmen oder Unternehmen mit großem Fuhrpark, etwa für Paketdienstleister, bietet „Connected Driving“  einen deutlichen Mehrwert.

Noch im Entwicklungsstadium befindet sich die Verknüpfung von Verkehrsdaten. Zwar wird das autonome oder fahrerlose Fahren noch einige Jahre auf sich warten lassen, dennoch gibt es längst Ansätze für den Austausch von Informationen zwischen Fahrzeugen untereinander: Aus Geschwindigkeits- und Bremsdaten können Staumeldungen abgeleitet und, mit regionalem Bezug, über die Cloud verteilt werden. Anonymisierte Sensordaten von Scheiben und Scheibenwischern auf einem bestimmten Streckenabschnitt lassen sich nutzen, um nachfolgende Fahrzeuge vor Starkregen oder anderen wetterbedingten Gefahren zu warnen.

Big Data mit der Datenbank SAP HANA

Um solche riesigen Datenmengen auszuwerten, braucht es natürlich entsprechende technologische Möglichkeiten. Jeder einzelne Sensor liefert mehrere Signale pro Sekunde, hochgerechnet erzeugt somit ein einzelnes Fahrzeug, je nach Komplexität der Sensoren, innerhalb kürzester Zeit Hunderttausende von Daten. Zudem muss das Fahrzeug nicht nur Unregelmäßigkeiten und Störungen bei sich selbst, sondern auch im Verkehrsnetz sofort erkennen. „Aus diesem immensen Datenaufkommen sind die relevanten Informationen in Echtzeit abzuleiten und entsprechende Handlungen auszulösen“, erklärt Holz.

Ob es sich aber nun um Fahrzeug- und Verkehrsdaten oder um Informationen aus einem virtuellen Marktplatz handelt: Die Datenplattform SAP HANA bietet selbst für dieses hohe Volumen an Informationen die geeignete technologische Basis, um, so Holz, „gemeinsam mit der Industrie an Lösungen zu arbeiten, die diese Szenarien und Geschäftsmodelle nach und nach verwirklichen“.

Weitere Informationen:
„Das Auto plus” – hier den ergänzenden Artikel lesen.
SAP forscht an innovativen Mobilitäts- und Mehrwertdiensten für das Auto der Zukunft: Video anschauen oder Pressmitteilung lesen.

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