Zwischenlager ade

Feature | 22. Oktober 2008 von admin 0

Konsignationslager Foto: Automotive Lighting

So entstand auch die Idee des Konsignationslagers, der einstufigen Lagerhaltung, auch Supplier Managed Inventory“(SMI) genannt. In der Nähe seines Werkes baut der Kunde ein Lager, das der Zulieferer in Eigenregie bestückt. Die Teile darin gehören dem Zulieferer, bis der Kunde sie entnimmt. Über elektronischen Datenaustausch (EDI) wird der Zulieferer über die Entnahme informiert und erhält eine Gutschrift, deren Verbuchung er selbst prüft und abgleicht.

LKW statt Lagerhalle

Beim Reutlinger Automobilzulieferer AL nutzen 90 Prozent der Kunden die einstufige Lagerhaltung. Bei der Belieferung von Daimler und Smart geht das Unternehmen aber noch einen Schritt weiter: Statt einer Lagerhalle steht auf dem Werksgelände von AL nur ein LKW. „Wir brauchen keine Puffer mehr, die Teile gelangen direkt aus der Produktion auf den LKW“, erklärt André Nieding, bei AL für die Einführung neuer IT-Prozesse zuständig.

SMI-Cockpit auf SAP-Basis

Die Idee für dieses Konzept hatte AL beim Aufbau des Lieferanten-Logistik-Zentrums (eLLZ) von Daimler am Standort Sindelfingen. Um eine Überfüllung des Lagers zu vermeiden, gab Daimler für dieses eine Minimalbestückung für drei Produktionstage vor. „Was im Lager rumliegt, kostet schließlich Geld“, sagt Nieding.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, entwickelte Automotive Lighting gemeinsam mit der IT-Unternehmensberatung BTC AG ein SMI-Cockpit (siehe Textkasten), das nahtlos in die SAP-Software
mit Automotive Add-On DI integriert ist. Mit dem SMI-Cockpit wird nicht nur die Bestückung des Konsignationslagers bei Daimler, sondern auch die Logistik zwischen den eigenen Produktionsstandorten gesteuert.

BTC SMI-Cockpit

Das SAP-Add-On „BTC SMI-Cockpit“ schlägt dem Zulieferer optimale Belieferungsmengen und Zeitpunkte vor. Das erfolgt auf Basis der Bestandsmeldungen des Kunden, definierter Minimal- und Maximal-Bestände und des voraussichtlichen Bedarfs. Der Disponent kann die Vorschlagsmengen modifizieren und verschiedene Lieferszenarien simulieren. Er entscheidet, ob diese Mengen für die einstufige Lagerhaltung eingeplant werden sollen und damit in die Produktionsplanung eingehen.

Das SMI-Cockpit macht folgendes transparent sichtbar:

  • die aktuelle Bestückung der Lager,
  • welche Teile sich gerade auf dem LKW befinden und
  • wie viele Scheinwerfer Daimler entnommen hat.

Eine Ampel warnt, wenn der Minimalwert unterschritten wird. So kann der Logistik-Disponent die Füllung des Lagers optimal steuern.

Die Daimler-Tochter Smart, die am Produktionsstandort Hambach in Frankreich seit Anfang 2007 ein Konsignationslager betreibt, stellt noch höhere Ansprüche an ihre Zulieferer. So übermittelt Smart beispielsweise alle Bewegungen zwischen den Lagern bis zum Band an den Scheinwerferhersteller. Den Lagerbestand aus sämtlichen Teilebewegungen muss AL selbst berechnen – ohne das BTC SMI-Cockpit wäre das fast unmöglich, so Nieding.

Kaum noch Fehllieferungen

Neben den Kosteneinsparungen bei seinen Auftraggebern, lohnt sich die lieferantengesteuerte Lagerhaltung auch für AL: „Dank der hohen Transparenz haben sich die Fehllieferungen enorm reduziert“, erklärt Nieding. Er ist sich zudem sicher, „dass sich auf lange Sicht die Lagerstände halbieren werden.“ Weil AL jetzt selbst für die Planung der Lieferungen zuständig ist, wird auch niemand mehr von Bestellungen des Kunden überrascht. So lässt sich die eigene Produktion nach Maschinenrüstzeiten oder Losgrößen optimieren.

Cockpit garantiert Plansicherheit

Das Cockpit lässt sich auch bei AL-Kunden mit kleineren und stark schwankenden Stückzahlen einsetzen. Zum Beispiel arbeitet Decoma, die Tochtergesellschaft des Automobilzulieferers Magna Steyr, ebenfalls mit dem SMI-Cockpit. Magna bestückt den VW-Bus mit Scheinwerfern. Weil hier der Bedarf stark schwankt, ist die Gefahr der Fehlkalkulation groß. AL entschied, die Produktion nicht mehr nach den Planzahlen des Kunden, sondern mit Hilfe des Cockpits zu steuern. So wird die Auslastung der Maschinen verbessert und Planungssicherheit hergestellt.

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