Business Process Innovation: Wie SAP die Brücke zwischen Forschung und Entwicklung schlägt

Mit den Academic Fellowships des SAP ICN beschreitet der Walldorfer Softwarekonzern neue Wege, um Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an den Problemen der Zukunft arbeiten zu lassen. Prof. Mathias Weske, Leiter des Fachgebiets Business Process Technology am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam, gibt Einblicke in die Zusammenarbeit mit SAP.

„Mein Spezialgebiet sind Prozesse“, sagt Prof. Weske, der während eines Sabbaticals die letzten 6 Monate als Academic Fellow mit SAP zusammengearbeitet hat. „Und was Prozesse angeht, ist SAP-Software mit ihren umfassenden Funktionalitäten und ihrer großen Abdeckung einfach die ideale Umgebung.“

„Überspitzt gesagt, erfinden Wissenschaftler oft eigene Probleme und erarbeiten tolle Lösungen dafür“, sagt Prof. Mathias Weske vom Hasso-Plattner-Institut Potsdam (HPI). „Durch Fragestellungen aus der Praxis werden Forschungsprojekte erst konkret. Das ist für mich ein wichtiger Grund, warum Industrie und Wissenschaft enger zusammenarbeiten sollten.“

Umgekehrt hat auch die Wirtschaft großes Interesse an Kooperationen mit Experten aus der Forschung. „Die technische Entwicklung verläuft so rasant, dass wir bei SAP eng mit akademischen Experten zusammenarbeiten müssen, um frühzeitig zu evaluieren, ob wir Zeit und Ressourcen in ein aufkeimendes Thema investieren“, erklärt Dr. Matthias Uflacker, Leiter des SAP Innovation Centers in München.

Genau dafür sind die Academic Fellowships des SAP Innovation Center Networks gedacht, fährt er fort: „Anstatt ein 5-Jahres-Projekt zu einem technologischen Trend zu starten, von dem wir gar nicht wissen, wie er sich entwickelt und ob es in zwei-drei Jahren noch relevant für SAP ist, können wir im Rahmen von Academic Fellowships 6 bis 12 Monate akademische Expertise von außen sehr gut nutzen.“

Softwaresysteme zur Unterstützung von flexiblen Geschäftsprozessen

Angefangen, sich mit der technischen Abbildung von Prozessen zu beschäftigen, hat sich der Informatiker Weske nach seiner Habilitation an der Universität Münster. Nach seiner ersten Professur an der Technischen Universität in Eindhoven im Jahr 2000, wo er sich verstärkt mit Business Process Management (BPM) im Rahmen von service-orientierten Software-Architekturen befasste, wurde Prof. Weske 2001 an das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam berufen.

„Da bin ich nun seit über 20 Jahren“, sagt Weske. „Wir beschäftigen uns mit Softwaresystemen zur Unterstützung von besonders wissensintensiven, flexiblen Geschäftsprozessen. In deren Zentrum steht der Knowledge Worker, der große Freiheitsgrade bei der Prozessausführung genießt und sogar entscheiden kann, von einem vordefinierten Prozess abzuweichen.“

Unter dem Leitgedanken “Addressing real-world BPM problems with formal approaches and engineering useful prototypes” holt sich die Gruppe um Prof. Weske konkrete Fragestellungen aus der Zusammenarbeit mit Industriepartnern. Es handelt sich also nicht nur um theoretische Forschung, sondern die Gruppe baut auch selbst Software. „Daraus sind eine ganze Reihe von Ausgründungen entstanden, darunter Signavio,“, so Weske.

Inspiriert von Wikipedia, machte sich die Gruppe um Professor Weske circa 2004 an eine Webmodellierung für Prozesse. „Wie eine Art Online-Nachschlagewerk für Prozesse“, beschreibt Weske die Idee. „Jeder sollte es einsetzen können ohne Installation. Es war ein technologischer Glücksfall, dass die Browser zu der Zeit so intelligent wurden, dass sie auch Programme ausführen konnten.“ 2009 wurde die Lösung unter dem Namen Signavio als Startup vom Hasso-Plattner-Institut ausgegründet und 2021 von SAP akquiriert.

Die Positionierung am Markt

Nicht zuletzt durch diese Akquise hat das Thema Process Intelligence bei SAP sehr an Fahrt aufgenommen. Matthias Uflacker sagt: „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um unsere Vordenkerrolle in diesem Bereich auch zukünftig behaupten zu können und neue Trends mitzugestalten. Deshalb war es naheliegend, hier mit Prof. Weske als Academic Fellow zusammenzuarbeiten.“

Dieser war durch die traditionell enge Zusammenarbeit von HPI und dem Innovation Center Network bereits mit einigen der SAP-Mitarbeitern bekannt, mit denen er im Rahmen des Academic Fellowships zusammengearbeitet hat. „Ich habe durch mein Academic Fellowship bei SAP noch einmal gelernt, wie wichtig Netzwerke sind. Denn für das Thema Prozesse gibt es natürlich sehr viele Anknüpfungspunkte überall in der SAP.“

Dies betont auch Matthias Uflacker: „Von Produkten wie Signavio bis hin zu diversen Innovationsprojekten im Bereich Process Mining und Analytics zieht sich das Thema quer durch unsere Firma. Wir profitieren sehr von Prof. Weskes Wissen und Erfahrungsschatz, wenn es darum geht, forschungsnahe Projekte bei SAP aufzusetzen und neue Ideen zu begleiten.“

Beispielsweise wird im Bereich New Ventures & Technologies das Thema Composable Enterprise eingehend erforscht. Hierbei geht es darum, Prozesse wie austauschbare Bausteine je nach Bedarf dynamisch zusammenstellen zu können. Prof. Weske hat sich hier unter anderem in ein Forschungsprojekt mit einem Horizont von 5 bis 10 Jahren eingebracht, das am SAP Innovation Center Potsdam vorangetrieben wird. „Es ist natürlich noch zu früh, um konkrete technische Umsetzungen anzugehen“, sagt Prof. Weske. „Aber ich hoffe, dass ich bei dem Verständnis der Grundlagen und bei der Systemkonzeption helfen konnte.“

Im Bereich von Signavio gab es ein weiteres Einsatzgebiet für Prof. Weske. „Ich bin stolz zu sehen, dass Signavio an so vielen Stellen bei SAP eingesetzt, integriert und weiterentwickelt wird“, sagt er. „Wir haben uns während meines Academic Fellowships unter anderem damit beschäftigt, wie die aus Process Mining gewonnenen Daten zur Prozessanalyse verwendet werden können.“ Im Bereich Eventlog-Generierung hat Weske mit Signavio anhand einer Umfrage unter SAP-Mitarbeitenden die derzeit wichtigsten Fragestellungen bei SAP in diesem Bereich herausgearbeitet.

Wie es weitergehen soll

Aus dem Fellowship haben sich neue Möglichkeiten eröffnet, so dass die Zusammenarbeit fortgesetzt werden soll. In der Forschung sei ein Abschluss im Idealfall immer auch der Beginn von etwas anderem, so Prof. Weske: „Aus dem Whitepaper zum Eventlog-Survey haben sich nun eine Menge Fragestellungen ergeben, die durchaus im Rahmen einer Doktor- oder Masterarbeit aus meiner Gruppe weiterverfolgt werden könnten.“

Auch das ist ein wichtiger Anreiz für Wissenschaftler wie Prof. Weske, mit SAP und anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten. „Wenn wir als Forschungseinrichtung aufzeigen, mit welchen Firmen wir zusammenarbeiten, dass unsere Doktoranden, Masteranden und Post-Docs eben nicht im Elfenbein-Turm arbeiten, sondern, dass das, was sie tun, das Potenzial hat, umgesetzt und tausendfach verwendet zu werden – damit lassen sich hervorragende Talente anziehen.“

Matthias Uflacker hofft, das Academic Fellowship in Zukunft noch ausbauen zu können: „Wir wollen uns als SAP zielgerichtet Wissen ins Haus holen – für strategisch relevante Projekte. Wir suchen nach internationalen Experten für dieses Programm.“

„Nicht zuletzt aufgrund der Fülle an Funktionalitäten in ihrer Software ist SAP ein hervorragender Partner für akademische Kooperation“, sagt Prof. Weske. „Diese Art von Fellowship ist gewinnbringend für beide Seiten.“