Luftaufnahme eines Chemieindrustriebetriebs bei Nacht.

Blockchain in der Chemieindustrie: Für und Wider

Obwohl viele Unternehmen in Blockchain investieren, prognostiziert ein Beratungsunternehmen dieser Technologie eine ernüchternde Zukunft. Auch in der Chemieindustrie ist ihr Einsatz umstritten.

Seit einigen Jahren ist das Thema Blockchain in aller Munde. Unternehmen haben Milliarden in diese Technologie investiert – aufgrund von „überzogenen Erwartungen“, wie es Gartner formulierte. Im Hype Cycle for Emerging Technologies für 2018 sieht Gartner Blockchain im Abwärtstrend Richtung „Tiefpunkt der Ernüchterung“. Gartner erwartet für die nächsten fünf bis zehn Jahre kein „Plateau der Produktivität“. Nur wenige Anwendungen haben Marktfähigkeit erreicht, wie etwa SAP Information Collaboration Hub for Life Sciences, angetrieben durch den US-amerikanischen Drug Supply Chain Security Act (DSCSA).

Woran liegt das? Ein Artikel von McKinsey vergleicht das Phänomen mit „Ockhams Rasiermesser“. Gemäß diesem Prinzip muss die effektivste Lösung die einfachste Lösung sein, die verfügbar ist, um ein Geschäftsproblem zu lösen. Es muss einen klaren Business Case geben und dieser entschlossen umgesetzt werden.

Anwendung in der Chemieindustrie

In einer kürzlichen Gesprächsrunde auf der SAPPHIRE 2019 brachten Diskussionsteilnehmer die folgenden möglichen Anwendungsfälle für die Chemieindustrie ins Spiel:

  • Beschaffung: Tracking und Authentifizierung von Rohstoffen unterstützt die allgemeine Einhaltung von Ethik- und Nachhaltigkeitsstandards (z. B. keine Rohstoffe mit Konflikt­potenzial aufgrund von Kinderarbeit, unfairen Handelspraktiken usw.).
  • Forschung und Entwicklung: Informationsaustausch in Echtzeit stellt den Schutz von geistigem Eigentum in offenen Innovationsnetzwerken oder -konsortien sicher.
  • Produktions- und Anlagenmanagement: Durch den Austausch von Informationen zwischen Herstellern, Betreibern und Dienstleistern, z. B. in Asset-Intelligence-Netzwerken, kann die gesamte Geschichte eines Assets nachverfolgt werden. So kann etwa die Instandhaltung oder die Verwendung von Originalersatzteilen nachgewiesen werden. Dies untermauert Garantie- oder Versicherungs­ansprüche, Eigentumsrechte, den Buchwert von Assets oder dientals Grundlage für nutzungsbasierte Abrechnungsmodelle. Die Wiederherstellung von Anlagen nach Katastrophen kann durch Abrufen von Blockchain-Datensätzen zur Geltendmachung von Garantieansprüchen u. ä. abgewickelt werden.
  • Supply Chain Management: Im Energiehandel werden Chemiekraftwerke an Produktions­standorten Teil einer „Prosumenten“-Blockchain. Im internationalen Handel und Versand erleichtert Blockchain den Dokumentenaustausch und dokumentiert Änderungen des Eigentums an Produkten. Durch die Überwachung und Verfolgung der physischen Integrität von Produkten (siehe z. B. die Investition von BASF in ein Smart-Pallet-Start-up) werden Schäden an Produkten oder Paletten erkannt und Produkt­fälschungen verhindert. Im Landwirtschaftssektor trägt Blockchain zu mehr Transparenz in der Lieferkette vom Erzeuger bis auf den Teller des Verbrauchers bei und erleichtert Produktrückrufe.

Keine brauchbare Option?

Trotz der oben beschriebenen wirtschaftlichen Argumente wurde in der Gesprächsrunde deutlich, dass wir noch weit davon entfernt sind, Blockchain als brauchbare Option in größerem Maßstab in der Chemieindustrie einsetzen zu können. Zu den Herausforderungen, die noch bewältigt werden müssen, gehören u. a. folgende:

  • Entwicklung eines überzeugenden Anwendungsfalls
  • Bildung von Konsortien auf Basis gegenseitigen Vertrauens mit Teilnehmern auf Augenhöhe
  • Eigentum an Blockchain und Knoten, Datenschutz
  • Technologie (z. B. Beschränkungen hinsichtlich Skalierbarkeit und Management von Big Data) und Interoperabilität (z. B. Typ der Blockchain, Integration, Altsysteme usw.)

Gesetzliche Vorschriften können eine wichtige Rolle dabei spielen, diese Hindernisse zu über­winden und den Weg für wirtschaftlich sinnvolle Blockchain-Szenarien zu ebnen (z. B. das oben erwähnte amerikanische DSCSA-Gesetz).

Allgemein haben innovative Plattformanbieter mit einer starken Position in der Chemieindustrie eine einzigartige Chance. Sie können die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten, Kunden und Partnern vereinfachen und Netzwerke an einem gemeinsamen Ziel orientiert aufbauen, wobei gleich­zeitig Prozesse oder Vermittlungsstufen, die keinen Mehrwert bringen, eingestellt werden können.

Lesen Sie im White Paper The Intelligent Enterprise For The Chemicals Industry von SAP, wie Sie zukünftige Herausforderungen meistern und neue Kundenerlebnisse durch innovative Produkte, Services und Geschäftsmodelle entwickeln können.