Wearables als Gesundheitshelfer – heute und in der Zukunft

Wer an neue Technologien im Gesundheitsbereich denkt, dem kommen als erstes vielleicht neue Behandlungsmethoden oder ultramoderne Diagnosegeräte in den Sinn. Der Gesundheitsbranche steht ein grundlegender Wandel bevor. Die Treiber sind auf den ersten Blick sehr unauffällig: medizinische Wearables, die Ärzten mehr Informationen über ihre Patienten liefern.

Inzwischen gibt es zahlreiche medizinische Wearables. Nach Ansicht der Analysten von Juniper Research wird der Umsatz mit diesen Geräten bis 2023 auf 60 Milliarden US-Dollar ansteigen. Was dies für die Branche bedeutet, zeigen die folgenden Beispiele.

John Hancock, einer der größten Anbieter für Lebensversicherungen in den USA, gab Ende 2018 bekannt, künftig keine klassischen Lebensversicherungen mehr anzubieten. Von nun an soll es nur noch „interaktive“ Policen geben, bei denen die Versicherten ihre Fitness- und Gesundheitsdaten über medizinische Wearables und Smartphones tracken. Dies bedeutet, dass der Gesundheitszustand jedes Kunden nachverfolgt wird. Nimmt die Versicherung Risikoprüfungen vor, werden der Lebensstil und die Gewohnheiten des Einzelnen berücksichtigt. Kunden, die sich zum Beispiel wenig bewegen, ungesund ernähren oder rauchen, müssen dann höhere Versicherungsbeiträge zahlen. Langfristig wird sich dies nicht nur auf die Versicherungsbranche auswirken, sondern auch auf das Gesundheitswesen. Den Kunden werden Anreize gegeben, einen gesünderen Lebensstil zu pflegen.

Überwachung des Patienten aus der Ferne

Eine kleine Smartwatch ist zwar nicht so genau wie ein Elektrokardiograph mit zwölf Elektroden. Aber sie hat einen entscheidenden Vorteil: Man kann sie täglich tragen, den ganzen Tag lang. So wird den ganzen Tag – bei einer Vielzahl von Aktivitäten – der Puls gemessen. Aber dies ist bei weitem nicht die einzige gesundheitsrelevante Messung, die eine Smartwatch bieten kann. Je mehr Daten diese Geräte sammeln, umso mehr Möglichkeiten haben Anbieter im Gesundheitswesen, Präventionsmodelle zu erstellen. Durch die automatische Auswertung der Daten, ist es möglich, die Patienten zur Behandlung aufzufordern, bevor sie in eine lebensgefährliche Krise kommen.

Medizinische Wearables bieten frühzeitige Diagnose

Medizinische Wearables, die den Gesundheitszustand von Patienten verfolgen, finden bereits breite Akzeptanz. Die smarten Helfer ermöglichen das Sammeln großer Datenmengen, aus denen Muster abgeleitet werden können. Dabei kommen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zum Einsatz. Das System sammelt die Daten jedes einzelnen Nutzers, um potenzielle gesundheitliche Probleme vorauszusagen, bevor sie auftreten. Dadurch sind Präventivmaßnahmen möglich, die deutlich wirksamer und kostengünstiger sind als eine Behandlung der Krankheit nachdem die Symptome vollständig ausgebrochen sind.

Erinnerung an die Medikamenten-Einnahme

Viele Patienten neigen dazu, die Einnahme ihrer Medikamente zu vergessen oder sie nehmen ihre Tabletten aus verschiedenen Gründen nicht richtig ein. Mit Wearables ist es möglich, die Patienten an ihre Medikamenten-Einnahme zu erinnern, diese zu verfolgen und den Arzt zu informieren, wenn sie sich nicht an die verordnete medikamentöse Behandlung halten. Die Geräte helfen medizinischen Fachkräften zu überwachen, inwiefern die Patienten zuhause den Anweisungen folgen.

Vollständigere Informationen

In der Regel stehen Ärzten nur sehr begrenzte Informationen über ihre Fälle zur Verfügung. Sie müssen sich darauf verlassen, was die Patienten über ihre Symptome und den Ausbruch der Krankheit berichten. Diese Informationen sind jedoch oft unvollständig oder ungenau. Ein Bild der Krankengeschichte verschaffen sich die Ärzte anhand der bisherigen Behandlungen. Aber auch diese Daten können sehr beschränkt sein. Medizinische Wearables sammeln alle Patientendaten in Echtzeit. Dabei unterlaufen ihnen keine Fehler und sie vergessen nicht, auf ein wichtiges Symptom hinzuweisen. Auf diese Weise erhält der Arzt einen ausführlichen Bericht über den Zustand seines Patienten. Er kann eine gründlichere Analyse durchführen, effizienter arbeiten und fundiertere medizinische Entscheidungen treffen.

Kosteneinsparungen

Die breite Einführung teurer Wearables und dazugehöriger Technologien stellt vielleicht eine beträchtliche Investition dar, aber sie kann der Gesundheitsbranche langfristig Ersparnisse in Millionenhöhe bringen. Mit dem smarten Helfern können Ärzte den Zustand ihrer Patienten aus der Ferne überwachen. Eine Verlegung in eine medizinische Einrichtung ist dann oft nicht mehr erforderlich. Das frühzeitige Erkennen von Symptomen ermöglicht Behandlungen, die wesentlich weniger kosten.

Zwar stecken die Anwendungen für das Gesundheitswesen noch in den Kinderschuhen, aber Experten gehen davon aus, dass dieser Markt in den kommenden Jahren rasant wachsen wird.

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