Abstrakt: Links ist ein Auto, der Hintergrund ist abstrakt und stellt hohe Geschwindigkeit dar

Vernetzung und Freiheit: das Auto der Zukunft

Das Fahrzeug der Zukunft kreist um Schlagworte wie Plattform-Industrie und Daten-Analyse. Alle Player vom OEM bis zum Start-Up müssen ihre eigene Position zwischen „Run“ und „Disrupt“ ansteuern. Auf der IAA skizziert SAP die Zukunft der Mobilität.

„Der Zugriff auf Kunden- beziehungsweise Fahrzeugdaten spielt im Zuge der Mobilitätstransformation eine zentrale Rolle für OEMs und die Nutzer selbst. Wer einen sicheren und direkten Zugriff auf die Daten sicherstellt, kann diese in die bestehenden Geschäftsprozesse integrieren und neue Geschäftsmodelle aufbauen.“ Das sagt Hagen Heubach, Director Industry Business Unit Automotive bei SAP. Mit mehr als zehn Jahren Branchenerfahrung sieht Heubach den Markt aktuell durch zwei Dimensionen geprägt. Da ist zum einen das traditionell erfolgreiche Segment, in dem auch weiterhin Autos designt, hergestellt und vertrieben werden, kurz das „Run“. Zum anderen findet ein „Disrupt“ statt: Fahrzeuge und Fahrzeugnutzung werden geteilt, bezahlt wird nur nach Bedarf, Daten werden gesammelt und analysiert. Auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) skizziert SAP die Zukunft der Mobilität.

Zunächst zu den großen beiden Trends, die die kommenden Jahre bestimmen: Mobilität als Dienstleistung und Transport als Service. Den Punkt Mobilität als Dienstleistung illustriert das smarte, vernetzte Fahrzeug. Es kennt seinen Nutzer: Es weiß, wo und wie oft sich der Fahrer beispielsweise einen Kaffee holt – und spielt diese Daten an den OEM (Erstausrüster) weiter. „Dieser gewinnt die Möglichkeit, das Auto als Point of Sale zu nutzen und dem Fahrer passgenaue Angebote zu präsentieren“, sagt Heubach. Er fügt an: „Bisher ist die Interaktion zwischen OEMs und Kunden meist auf den Fahrzeugverkauf beschränkt und primär auf die Händlernetzwerke ausgelegt. Hier sehen wir speziell auf dem Händlersegment eine Veränderung der Geschäftsmodelle.“

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Die Angst vor einem Dasein als simpler Uber-Zulieferer

Doch Ängste gibt es auch bei den OEMs. Uber oder Lyft heißen die Schreckgespenster, zu deren Zulieferer man sich nicht degradieren lassen will. Die Gretchenfrage in der neuen Welt der Mobility lautet: Wer ist der Service Provider? Das können viele sein: OEMs, die Kommune, ein Start-Up oder auch bisher noch ganz unbekannte Player. Sicher ist nur: „Die Digitalisierung macht aus jeder Firma eine IT-Firma“ – diese oft kolportierte Voraussage trifft auf die Automobilindustrie zu. Jedenfalls in dem Sinn, dass jedes Unternehmen künftig smart und datengetrieben arbeitet. Sicher ist auch: im Alleingang bleiben Unternehmen auf der Strecke. Als positives Beispiel nennt Heubach die junge Kooperation der alten Rivalen BMW und Mercedes, die gemeinsame Mobilitätsdienstleistungen und Plattformen entwickeln wollen.

Stichwort Plattform: Als technologischer Partner hat SAP auch Expertise in End-to-End-Integration und Kundenerfahrungs-Management. „Neben Standard-Lösungen für Vertrieb, Logistik und Abrechnung bieten wir neue Komponenten wie Subskription von Mobilität, Flottenmanagement-Lösungen oder die digitale Fahrzeugakte. Denn jedes Fahrzeug hat einen Lebenszyklus.“ Das Ziel von SAP ist es, für jedes Auto einen digital Twin zu entwickeln.

Wer aber von Datennutzung spricht, vor allem in Verbindung mit Kundendaten, kommt nicht am Thema Datenschutz vorbei. „Deshalb planen wir, mit sicheren und neutralen Servern zu arbeiten“, erklärt Heubach. Neutrale Server sollen mit anonymisierten Daten die Verkehrssicherheit steigern und Konformität mit der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) garantieren.

Der zweite große Trend bezieht sich auf Transport als Service. „Hier sehen wir ebenso großes Marktpotenzial“, sagt Heubach. Logistiker bekommen neue Nutzungsmöglichkeiten. So kann ein Fahrzeug als Aufbewahrungsort dienen, von dem der Endverbraucher sein Paket abholt. „Hand-over“ heißt das auf Neudeutsch. Den viel diskutierten Einsatz von Drohnen sieht der SAP-Manager realistisch: „Auf der sogenannten ‚letzten Meile‘ ist der menschliche Zusteller so schnell noch nicht wegzudenken!“

Die neue Rolle des Flotten-Managers

SAP unterstützt die künftige Welt von Transport und Logistik beispielsweise mit Lösungen rund um Demand-Planung, Transport-Monitoring und strategischer Kollaboration von Carrier und Shipper. So arbeiten die Walldorfer gemeinsam mit Uber Freight an innovativen Lieferketten, die Real-Time-Daten nutzen und über ein Logistic Business Netzwerk alle Teilnehmer der Lieferkette verbinden. Dahinter steht immer das Ziel, Logistik- und Transportprozesse so effizient wie möglich zu gestalten.

Mit der Entwicklung zukünftiger Mobilitätswelten erweitert sich eine berufliche Rolle: die des Flottenmanagers. Beispiel Dienstfahrzeuge: gutes Management senkt Kosten und reduziert den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens. Auch Fuhrpark-Manager merken, dass das Auto nicht mehr so stark als Statussymbol gefragt ist. Mitarbeiter wollen zwischen verschiedenen Antrieben wählen, nicht mehr nur zwischen Otto- und Diesel-Motor – oder sie fragen gleich nach dem Dienstfahrrad. Das heißt auch für den Flotten-Manager: Er hat immer mehr Daten zu bewältigen und braucht dabei Unterstützung.

Stichwort Statussymbol: „Das Auto wird immer ein emotionaler Artikel bleiben“, sagt Heubach. Aber eben nicht mehr zwingend als eigener Besitz. Der SAP-Manager spricht viel mit Politik und Industrie, ebenso mit Trend- und Marktforschern. Er weiß um die psychologische Komponente, wenn man den Leuten „ihr Auto wegnimmt“. Heubachs Vision: „Für die Spritztour ins Wochenende nimmt man sich den Roadster aus dem allgemeinen Carpool; wenn man etwas zu transportieren hat, den SUV.“ Neue Leichtigkeit, neue Freiheiten statt Belastung durch eigenen Besitz – so will er die Zukunft der Mobilität  verstanden wissen.