Wo sich Forschung und Entwicklung treffen

Wie die SAP von Hochschulpartnerschaften profitiert und Forschung in geschäftlichen Mehrwert umsetzt.

Entwicklungen in der Technologiebranche vollziehen sich rasant. Um mit diesem Tempo Schritt zu halten und stets am Puls der neuesten Trends und Innovationen zu bleiben, arbeitet die SAP eng mit Wissenschaftlern zusammen.

Mit dem Ziel, solchen Kooperationen den Weg zu ebnen, hat das Innovation Center Network (ICN) der SAP, das dem Bereich New Ventures and Technologies (NVT) angehört, das Academic Partnership Program ins Leben gerufen. Bei dieser Initiative für Hochschulpartnerschaften gehen Theorie und Praxis Hand in Hand. Die wissenschaftliche Forschung spielt eine bedeutende Rolle bei der Erkundung neuer Technologietrends, aber ohne Einbindung der Wirtschaft kann sie bisweilen bloße Theorie bleiben.

Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Hochschuleinrichtungen wie dem Computer Science and Artificial Intelligence Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA), dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam und der University of Southern California (USC) kann sich die SAP Wissen über entstehende Technologietrends ins Unternehmen holen.

Diese gezielte Erkundung zukunftsweisender Technologien zusammen mit externen Experten aus der Wissenschaft wird auch als „Outside-In Innovation“ („Innovation von außen nach innen“) bezeichnet. So kann die SAP Trends in einem frühen Stadium erkennen und bewerten, ob entsprechende Investitionen lohnend sind.

Das Academic Partnership Program umfasst Interaktionen mit mehreren renommierten Universitäten aus aller Welt. „Wir gehen proaktiv vor“, erklärt Matthias Uflacker, Location Lead des ICN München. „Wenn wir ein aussichtsreiches Themengebiet identifiziert haben, sprechen wir akademische Experten direkt an.“ Matthias zufolge ist Flexibilität bei der Erforschung neuer Technologiefelder besonders wichtig: „Wir wollen kleine Schritte gehen und dabei Neues dazulernen.“

Die einzelnen Projekte mit Universitäten sind daher mit Laufzeiten von sechs Monaten oder einem Jahr relativ kurz angelegt. Erweisen sich die Ergebnisse als vielversprechend, besteht jedoch die Option einer Verlängerung.

Ein wichtiges Auswahlkriterium ist immer, wie relevant ein Projekt für die mittel- bis langfristigen strategischen Ziele und Produktvisionen der SAP ist. Daher ist das Programm so gestaltet, dass Kooperationsprojekte entweder eine Verbindung zu bestehenden Projekten oder Teams aufweisen, oder sie zumindest unter der Aufsicht von SAP-Entwicklerinnen und -Entwicklern durchgeführt werden.

Das ICN Academic Partnership Program besteht aus drei zentralen Säulen: Academic Fellowships, Research Sponsorships und Community Outreach.

Gemeinsam für eine innovative Zukunft arbeiten

Das Academic Fellowship Program lief 2020 an. Im Rahmen dieser Fellowships lädt das ICN namhafte Fakultätsmitglieder von Universitäten als Gastwissenschaftler zur SAP ein. Diese arbeiten dann gemeinsam mit einem, oder auch mehreren SAP-Teams gleichzeitig, an neuen Ideen und vielversprechenden Themen. Auf diese Weise können sie ihre eigene Forschungsarbeit in einen SAP-Kontext setzen und anhand praktischer Anwendungsfälle validieren. Außerdem bietet sich ihnen die Gelegenheit, Einfluss auf die Erforschung und Entwicklung der SAP von neuen Technologien zu nehmen und sich als Technologieberaterin oder Technologieberater einen Namen zu machen.

Academic Fellowships können in Voll- oder Teilzeit erfolgen – etwa in Form eines Sabbatical oder einer freiberuflichen Beratungsleistung. Das Programm richtet sich an unterschiedliche Ebenen wissenschaftlichen Personals, die von Post-Doktoranden über jüngere bis zu erfahreneren Wissenschaftlern reichen.

Felix Naumann, Professor für Informationssysteme am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam, war einer der ersten Wissenschaftler, die im Rahmen dieses Programms in die SAP-Welt eintauchten. Dabei konnte er nach eigener Aussage viel Wissen und praktische Erfahrungen gewinnen, die er nun in seine tägliche Arbeit am HPI einfließen lässt.

Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit funktioniert hat, erläutert Naumann: „Bei meiner wissenschaftlichen Arbeit versuche ich, Probleme zu generalisieren und elegante Lösungen dafür zu finden. Bei der SAP hingegen gestalten sich die Überlegungen, aus gut nachvollziehbaren Gründen, manchmal wesentlich praktischer – es geht darum, ein konkretes Problem zu lösen und nicht grundsätzlich darüber nachzudenken. Ich glaube, dass beide Seiten sehr von diesen unterschiedlichen Herangehensweisen profitiert haben.“

Er könne diese Erkenntnisse jetzt nutzen, um seinen Doktoranden wertvolleres Feedback zu geben, so Naumann weiter. Er ist davon überzeugt, dass diese Allianz für Innovationen und Fortschritt wesentlich ist: „Um reale Probleme zu lösen, sind wir auf Input aus der Praxis angewiesen, und genau das wird sich auch weiterhin als sehr schwierig darstellen, da die SAP – aus sehr guten Gründen – nicht viele ihrer Daten zugänglich machen kann. Dieses Problem wird auch bestehen bleiben. Und genau aus diesem Grund brauchen wir eine enge Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und der SAP.“

Förderung von Forschungsprojekten im Informatikbereich

Mit den Research Sponsorships des ICN werden Forschungsprojekte auf Doktoranden- und Postdoktoranden-Ebene im Bereich Informatik und verwandten Gebieten an einschlägigen Hochschulen unterstützt. Die Forschungsförderung kann entweder aus freien Spenden oder Drittmitteln bestehen, die für vereinbarte Forschungsdienste zur Arbeit an gemeinsam festgelegten Projekten bereitgestellt werden.

Ein aktuelles Beispiel für ein gesponsertes Forschungsprojekt sind die Untersuchungen zum Verständnis der Mensch-Mensch-Kommunikation an der University of California, Irvine (UCI): Daran arbeiten von April 2020 bis März 2021 von der SAP gesponserte Forscherinnen und Forscher gemeinsam mit Mitarbeitenden des SAP Innovation Center in Newport Beach.

Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Algorithmen für maschinelles Lernen und die Verarbeitung natürlicher Sprache, mithilfe derer sich Transkripte menschlicher Konversationen automatisch analysieren lassen, um darin Fragen zu erkennen und die Qualität von Antworten zu charakterisieren.

„In der akademischen Forschung auf diesem Gebiet wird üblicherweise mit leicht idealisierten Testdatensätzen gearbeitet. Das ist sehr nützlich, um erste Prototypen zu erstellen und Forschungsideen zu testen. Häufig werden so jedoch die Herausforderungen von realen Rahmenbedingungen unterschätzt, wie etwa die vielen Arten, auf die wir als Menschen unsere Ideen und Konzepte durch natürliche Sprache ausdrücken“, erklärt Padhraic Smyth, Chancellor’s Professor an der Fakultät für Informatik und Statistik. Darum war das Feedback der SAP-Forscher sehr hilfreich.

Forschung und Praxis verzahnen

Community Outreach bildet die dritte Säule des Academic Partnership Program. In diesem Rahmen schließt sich das ICN mit Studierenden von Hochschulen zusammen, um technologische Probleme in Angriff zu nehmen.

Dies geschieht etwa bei Praktika, Hochschulveranstaltungen, Projekten für Studierende oder Hackathons. Zu den bisher unterstützten Veranstaltungen vor Ort oder online zählten die TEDx-Konferenz in Potsdam und das Symposium zur Verarbeitung natürlicher Sprache in Kalifornien.

Ein Beispiel für eine gelungene Community-Outreach-Kooperation ist das Data-Mining zur Analyse von Nutzerverhalten. Das Unterfangen begann 2019 als Abschlussarbeitsprojekt eines Bachelor-Studiengangs am Hasso-Plattner-Institut. Die Studierenden arbeiteten mit SAP-Teams in Potsdam, Walldorf und Newport Beach zusammen und lieferten Konzepte und Prototypen für die Verfolgung von Verhaltensmustern bei der Verwendung von Fiori-Anwendungen. Die Prototypen wurden zusammen mit Kunden erfolgreich ausgewertet und nun von NVT-Teams in Produkten umgesetzt.

Insgesamt kommt das Academic Partnership Program sowohl der SAP als auch den Forschungseinrichtungen zugute: Die SAP kann ausloten, welche neuen Geschäfts- und Technologietrends im Unternehmen verfolgt werden sollen, und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die Möglichkeit, ihre Forschung in der Praxis zu validieren.

SAP New Ventures and Technologies

Um die SAP und ihre Kunden fit für die Zukunft zu machen, fördert der Bereich New Ventures and Technologies (NVT) gezielt die Entwicklung zukunftsweisender Innovationen und Produkte. NVT ermittelt Geschäftschancen im SAP-Partner- und -Kundennetz, untersucht die wirtschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien, leistet Pionierarbeit auf diesem Gebiet und stellt die entsprechenden Unternehmenslösungen bereit.

SAP Innovation Center Network

An acht Innovation-Center-Standorten weltweit erkunden multidisziplinär aufgestellte Teams aufkeimende Technologien, um deren Potenzial für Geschäft und Gesellschaft zu bestimmen sowie um brancheneigene Fragestellungen zu lösen. Um organisches Wachstum sicherzustellen, machen sie sich das reichhaltige SAP-Ökosystem, SAPs unangefochtene Datenbestände und das fundierte Branchenwissen zunutze.


Fotos: HPI/St. Berg