Alle KI-Trends für das Jahr 2022

KI-Trends 2022: Ergebnisse statt Hype

Wenn Sie geglaubt haben, dass nur der Mensch Urteilsvermögen, Ethik und Kreativität besitzt, könnten Sie eines Besseren belehrt werden. Gerade wurden die jüngsten Analystenprognosen zum Thema künstliche Intelligenz (KI) veröffentlicht. Diese werden uns dazu zwingen, uns von vielen unserer bisherigen Annahmen zu verabschieden. Lesen Sie weiter, wenn Sie erfahren möchten, wie intelligent, kreativ und aufrichtig KI in den nächsten Jahren werden wird.

Die Zukunft gehört kreativen Maschinen

Vor dem Hintergrund, dass Südafrika 2021 erstmals ein Patent an ein kreatives KI-System vergeben hat, sagen die Analysten von Forrester voraus, dass 2022 kreative KI-Modelle Dutzende von Patenten erhalten dürften. Sie merken aber an: „Die KI wird nicht im herkömmlichen Sinn Eigentümerin der Produkte sein – die Entwickler der KI-Systeme werden auch weiterhin den wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen. Allerdings werden Unternehmen mit kreativer KI experimentieren, wenn sie wissen, dass ihre Innovationen rechtlich geschützt werden können.“

Forrester-Analyst Diego Lo Giudice wirft einen Blick in die Zukunft auf die „KI 2.0“. Darin erkennt er eine neue Dynamik in der Entwicklung neuer, kreativer Geschäftsanwendungen, die die grundlegenden Erwartungen an KI übersteigen und den Beschäftigten Freiräume verschaffen, in denen sie kreativer werden können. Er sagt voraus, dass KI-Modelle über Silos hinweg miteinander verbinden und somit mehr Kreativität im Unternehmen ermöglichen wird. Er schreibt: „Die neuen KI-Geschäftsmodelle können das Zusammenwachsen von digitaler und physischer Welt optimieren und den Trend hin zu digitalen Services in allen Bereichen befeuern. Die Auswirkungen auf das Kundenerlebnis könnten enorm sein.“

Erklärbare KI ist kein IT-Projekt wie jedes andere

Zu den Themen, die im Zusammenhang mit KI am meisten diskutiert wurden, gehören Erklärbarkeit und Ethik. Forrester-Analystin Srividya Sridharan sieht eine Verdopplung des Marktes für verantwortungsbewusste KI-Lösungen voraus, wenn „verantwortungsbewusste KI-Lösungen, die Unternehmen bei der durchgängigen Anwendung von KI-Prinzipien wie Fairness und Transparenz helfen,“ in immer mehr Branchen eingesetzt werden. Wer nun befürchtet, die Algorithmen könnten Amok laufen, mag die Prognose von IDC-Analysten beruhigend finden. Denn bis 2025 werden 40 Prozent der 2.000 größten Unternehmen der Welt gezwungen sein, ihre Ansätze für die algorithmusbasierte Entscheidungsfindung neu zu gestalten, um die menschliche Kontrolle und die Erklärbarkeit zu verbessern.

Die Erklärbarkeit von KI ist eines der Themen, mit denen sich Ian Ryan als Global Head des SAP Institute for Digital Government beschäftigt. Dieses ist Teil einer Forschungsreihe zu den Vorteilen und Auswirkungen von Technologie auf Beschäftigte, Bürgerinnen und Bürger sowie die Gesellschaft insgesamt, die für die öffentliche Verwaltung in Australien durchgeführt wird. Ryan meint, dass KI dazu beitragen kann, Bürgerdienste mit der begehrten Anwendererfahrung im Stil von Amazon bereitzustellen, vorausgesetzt, die Organisationen legen auf dem Nutzen basierende und messbare Ziele fest.

„Bei der Anwendung von KI kommen die Person, die sie nutzt, das eigentliche KI-Modell und die Informationen aus der Realität zusammen. Diese drei Teile müssen miteinander im Einklang sein und auf ein bestimmtes Ergebnis hinsteuern“, erklärt Ryan. „Das KI-Modell muss kontinuierlich trainiert werden, sodass es stets auf dem aktuellen Stand ist und den Beschäftigten in immer neuen Situationen Unterstützung bietet. Es gilt, jedes Vorurteil auszubügeln und zugleich den Datenschutz zu erhalten.“

Damit ein Geschäftswert entsteht, dürfen KI-Algorithmen keine undurchschaubare Black Box sein oder selbständig handeln. Laut Ryan müssen Unternehmen komplexe KI-Modelle von Anfang an erklärbar machen und auch die Beschäftigen, die sie nutzen sollen, in die Entwicklung der KI-Modelle einbeziehen.

„KI unterstützt Beschäftigte, indem sie Aufgaben übernimmt, sodass die Leute produktiver werden und sich auf wertschöpfende Aktivitäten konzentrieren können“, führt er aus. „KI kann auf enorme Mengen von scheinbar isolierten Daten an unterschiedlichen Orten zugreifen und in Sekundenschnelle Muster erkennen – viel schneller als der Mensch. Erklärbarkeit sorgt für die Transparenz, die Vertrauen schafft, sodass die Menschen ihre Daten in dem Wissen teilen, dass das Unternehmen diese schützt und einen Wert bietet.“

Die Analysten von Gartner warnen, dass KI zwar Unternehmen dabei helfen wird, stark aus der Pandemie hervorzugehen, die Einführung von KI allein aber nicht reichen wird. Die Unternehmen müssen KI-Modelle im laufenden Betrieb immer wieder aktualisieren und dabei „integrierte Pipelines für Daten, Modell und Entwicklung verwenden, um einen durchgängigen geschäftlichen Nutzen aus KI zu ziehen. Automatisierte Aktualisierungs-Pipelines werden dabei mit starker KI-Governance verbunden.“

KI-Modelle setzen sich durch

Viele Analysten preisen in ihren Prognosen die Vorteile der KI für menschliche Entscheidungen an. IDC-Analysten kommen zu dem Ergebnis, dass bis 2026 85 Prozent aller Unternehmen menschliche Fachkompetenz mit KI, maschinellem Lernen (ML), der Verarbeitung natürlicher Sprache und Mustererkennung kombinieren werden, um unternehmensweit vorausschauendes Handeln zu fördern und die Beschäftigten 25 Prozent produktiver und effektiver zu machen. Außerdem prognostizieren die Analysten von IDC, dass 30 Prozent der Unternehmen, die eine Form von Verhaltensökonomie und auf KI/ML basierende Erkenntnisse nutzen, um das Handeln ihrer Beschäftigten zu lenken, bis 2026 60 Prozent häufiger die gewünschten Ergebnisse erzielen.

Für die nähere Zukunft erwartet Sridharan, dass sich traditionelle Unternehmen einige der Praktiken von Digital Natives während der Pandemie mit einem in erster Linie auf KI ausgerichteten Ansatz für Plattformen und digitale Transformation zunutze machen werden. Sie meint: „Je mehr KI genutzt wird, umso schneller können Unternehmen von Informationen zu Entscheidungen und Ergebnissen gelangen.“

Anders als viele frühere Innovationen ist KI keine isolierte Technologie, die Unternehmen einzeln einführen können, um dann darauf zu warten, dass sich auf magische Weise Ergebnisse einstellen. KI ist eine außerordentlich leistungsfähige Technologie, die weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen und Beschäftigte hat, die nach und nach das geschäftliche Potenzial entdecken.


Folgen Sie Susan Galer auf Twitter unter @smgaler.

Dieser Blog-Artikel wurde auch auf Forbes.com in der Rubrik SAP BrandVoice veröffentlicht.