SAP IS-H-Wartungsende: So meistern Kliniken den Umstieg

SAP hat bereits vor Jahren angekündigt, die Wartung für die Software SAP ERP Central Component (SAP ECC) – und damit auch für die Industry Solution Healthcare (IS-H) – zum Ende des Jahrzehnts zu beenden. Viele Kliniken überlegen aktuell, wie es dann weitergeht. Welche Alternativen es in Zukunft zur SAP-Krankenhaussoftware geben wird, warum diese für Kliniken das Mittel der Wahl sind und was SAP dem Gesundheitssektor darüber hinaus zu bieten hat, erklärt Nikolaus Hagl, Leiter des SAP-Geschäftsbereichs Public & Energy sowie Mitglied der Geschäftsleitung von SAP Deutschland.

Das deutsche Gesundheitswesen hinkt in Sachen Digitalisierung bekanntermaßen hinterher. Als hätten Krankenhäuser damit nicht genug zu stemmen, müssen sie sich nun auch noch um die Ablösung ihrer SAP-Krankeninformationssysteme kümmern. Woran liegt das?

Nikolaus Hagl: Die Krankenhauslösung IS-H ist integraler Bestandteil unserer ERP-Software SAP ECC. Diese wurde 2015 durch SAP S/4HANA abgelöst und wird noch bis 2030 weiterentwickelt. Das ermöglicht unseren Kunden einen Planungshorizont von sieben Jahren bis zum Umstieg auf die Zukunftsplattform SAP S/4HANA. Mit dieser neuen und inzwischen bereits bestens etablierten ERP-Plattform verfolgen wir das Motto „Keep the core clean“. Dieser Ansatz bedeutet, dass kunden- und branchenspezifische Anpassungen per Cloud-Service bereitgestellt werden können und damit der Betrieb deutlich effizienter wird.

Warum tun sich Kliniken damit schwer?

Nikolaus Hagl: Einige Landeskrankenhausgesetze sowie das deutsche Bundesdatenschutzgesetz setzen für die Überführung von Patientendaten in die Cloud enge Grenzen. Dementsprechend ist es für die Kliniken schwierig, sensible medizinische Informationen in die Cloud auszulagern. Dies führt dazu, dass die Kliniken die Krankenhausinformationssysteme (KIS) derzeit weiter in On-premise- oder bestenfalls in Hybridumgebungen betreiben.

Ursprünglich hatte SAP angekündigt, eine eigene Nachfolgerlösung für das Patientenmanagement zu liefern. Wie steht es damit?

Nikolaus Hagl: Wir hatten mit einem neuen Patient Accounting von SAP mit der Entwicklung einer entsprechenden Lösung begonnen und wollten diesen Service aus der Cloud zur Verfügung stellen. Und das kommt, wie schon gesagt, für die Mehrheit der Krankenhäuser im deutschsprachigen Raum nicht infrage.

Außerdem haben wir inzwischen erkannt, dass moderne Patientenmanagement- und Abrechnungslösungen im Idealfall nahtlos in die medizinischen Workflows und Prozesse integriert sein müssen. Auf diesem Gebiet sind unsere Partner aus dem Industrie-Ökosystem wesentlich besser aufgestellt als wir. Sie kennen die besonderen Anforderungen und Herausforderungen stationärer Einrichtungen aus dem Effeff und wissen, wie man sie am besten meistert. Unsere Stärke liegt hingegen im klassischen ERP-Umfeld. Da sind wir nach wie vor unschlagbar. Deshalb haben wir beschlossen, Kräfte zu bündeln und gemeinsam mit unserem Partner-Ökosystem das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen.

Wie funktioniert das konkret?

Nikolaus Hagl: Den Dreh- und Angelpunkt bildet SAP Business Technology Platform. Sie ist die Integrations- und Erweiterungsbasis für unsere Partner, auf der diese unterschiedliche industriespezifische Services anbieten, die sich wahlweise aus der Cloud oder on-premise betreiben lassen. Um entsprechende Angebote für die Gesundheitswirtschaft gezielt voranzutreiben, haben wir bereits 2021 die Initiative SAP Healthcare Partner ins Leben gerufen. Sie dient der kollaborativen Entwicklung von integrierten Lösungen, die die Digitalisierung in Krankenhäusern unterstützen und beschleunigen sollen. Inzwischen schließen sich mehr und mehr Gesundheitspartner der Initiative an und ergänzen mit ihren Lösungen und Komponenten auf Basis der SAP-Plattformen ihr Krankenhausinformationssystem. Künftig wird das noch einfacher gehen, denn durch die Bereitstellung einer HL7®FHIR®-Schnittstelle auf der SAP Business Technoloy Plattform werden wir die Konnektivität zwischen SAP S/4HANA und den Branchenlösungen unserer Partner noch smarter optimieren.

Warum ist dieses Konzept für Kliniken zukünftig das Mittel der Wahl?

Nikolaus Hagl: Zunächst einmal profitieren sie davon, dass Updates der ERP-Software problemloser durchgeführt und die klinikweiten Warenwirtschafts-, Buchhaltungs-, Finanz- und Logistikprozesse so wesentlich leichter auf den neuesten Stand gebracht werden können. Zudem ist die Tatsache, dass SAP S/4 HANA keine integrierten und standardisierten Funktionalitäten für das Patientenmanagement enthält, kein Nachteil. Im Gegenteil: Hier eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten im Markt, und unsere SAP-Healthcare-Initiative hilft, dass die Anforderungen der Kliniken an ein zukunftsorientiertes Patientenmanagement noch individueller und passgenauer umgesetzt werden können. Zahlreiche Partner arbeiten bereits an entsprechenden Lösungen.

Das klingt gut. Trotzdem haben bislang erst wenige Kliniken den Wechsel auf SAP S/4HANA vollzogen. Warum sollten Krankenhäuser aus Ihrer Sicht das Thema möglichst zeitnah angehen?

Nikolaus Hagl: Weil sie damit gleich zwei Herausforderungen auf einem Schlag begegnen. Zum einen machen sie so ihre ERP-Prozesse fit für die Zukunft, und zum anderen wird das Zeitfenster für einen Umstieg komfortabler. Die IS-H lässt sich über einen Adapter im sogenannten Side-by-side-Verfahren mit SAP S/4HANA integrieren. Heißt konkret: Die Krankenhaussoftware läuft zunächst weiter auf SAP ECC; Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft, Controlling und Co. werden bereits über die SAP-S/4HANA-Umgebung abgebildet. Damit können Kliniken die Modernisierung ihrer Krankenhaus-IT schrittweise im eigenen Tempo vollziehen. Das entlastet nicht nur das Migrationsteam, sondern sorgt auch dafür, dass die Integration der neuen Krankenhauslösung später reibungslos vonstattengeht. Last, but not least stellen Kliniken mit dem Umstieg auch die Weichen, um Innovationen schneller und gezielter umzusetzen – nicht zuletzt mit Blick auf das Krankenhauszukunftsgesetz ein wichtiger Aspekt.

Sie möchten wissen, was die SAP-Strategie „zur Unterstützung hybrider, modularer Gesundheitssystemlandschaften“ für Ihre Klinik konkret bedeutet? Ein Blogbeitrag von Michael Byczkowski, Global Vice President und Leiter des Industriebereichs Gesundheitswesen bei SAP, liefert Antworten.