Seit 1994 zeigt SAP SE öffentlich zugängliche Kunstausstellungen im Schulungszentrum Walldorf und baute parallel eine eigene Sammlung von mittlerweile über 2.000 Werken auf. Verantwortlich für Kunst bei SAP SE ist seit 2008 die Kunsthistorikerin Alexandra Cozgarea.
Es ist ein kalter Tag im Februar 2023, als Alexandra Cozgarea allein im Gebäude WDF01 steht. In wenigen Tagen soll der Umbau des Gebäudes beginnen. Arbeitsplätze und Besprechungsräume sind bereits geräumt, Heizung und Wasser abgestellt. Doch an den Wänden hängen noch etwa 400 Kunstwerke, die sie alle persönlich abhängen, dokumentieren und fachgerecht verpacken lassen muss – eine logistische Meisterleistung, die zeigt, welchen Stellenwert Kunst bei SAP hat.
Von Hasso Plattners Vision zur Corporate Collection
Die Kunstsammlung bei SAP geht auf Mitgründer Hasso Plattner zurück, der selbst leidenschaftlicher Kunstsammler ist. „Er war derjenige, der das Thema bei SAP angestoßen hat“, erklärt Alexandra Cozgarea. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft entschied Hasso Plattner bei der Kunstauswahl für SAP noch mit. „Kunst war damals im Vorstandsbereich angesiedelt und wurde von dort aus ausgesucht und akquiriert.“
Doch die Firma erwarb nicht nur eigene Kunstgegenstände. Bereits 1994/95 fand die erste von bislang 60 Ausstellungen zeitgenössischer Künstler im Schulungszentrum Walldorf statt. Das Besondere: Die Ausstellungen waren von Anfang an öffentlich zugänglich – ein bewusster Schritt, um das Interesse an Kunst in der Region zu fördern und zum Austausch mit SAP und den Mitarbeitenden anzuregen.
„Wir haben uns damit für alle geöffnet, die SAP besuchen wollten“, betont Cozgarea. „Über die Kunst kommt man gut ins Gespräch.“ Externe Besucher erhalten so einen ungewöhnlichen Einblick in ein Technologieunternehmen und können gleichzeitig zeitgenössische Kunst erleben.
Begegnung zwischen Unternehmen und Gesellschaft
Die Ausstellungen schaffen einen besonderen Ort der Begegnung. Bei den Vernissagen treffen sich durchschnittlich 400 bis 600 Besucher – etwa 30 Prozent SAP-Mitarbeitende und 70 Prozent externe Gäste. „Das Schöne ist, dass Menschen zusammenkommen und miteinander sprechen“, erklärt Cozgarea. „Ob über die Kunst oder andere Themen – die Kunst schafft Verbindungen.“
Diese Begegnungen erstrecken sich über verschiedene Zielgruppen: Schulklassen nutzen die Ausstellungen für Workshops, Studierende der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickeln eigene Projekte basierend auf den gezeigten Themen, und Firmengruppen bauen Führungen in ihre Teamtage ein.
60 Ausstellungen: Von Südafrika bis zu NFT-Kunst

Seit 2008 hat Alexandra Cozgarea fast 30 der insgesamt 60 Kunstausstellungen bei SAP kuratiert. Die Themenpalette reicht von gesellschaftlichen Fragen bis zu technologischen Entwicklungen. „Ich beobachte viel, recherchiere und nehme dann Kontakt zu Künstler:innen und/oder Institutionen auf. Dann reifen Ideen heran, bei denen gesellschaftliche Fragen und Entwicklungen im Vordergrund stehen oder die eine Verbindung zu SAP-Themen haben“, beschreibt sie ihren kuratorischen Ansatz.
Als eines der ersten Unternehmen weltweit realisierte SAP so beispielsweise 2023 eine NFT-Kunstausstellung mit dem Titel „Poesie der Blockchain“. Die Ausstellung „Gretchenfrage 2.0 – Wie hältst Du’s mit der virtuellen Welt?“ aus demselben Jahr widmete sich dem Thema Metaverse und ist aktuell über den virtuellen Rundgang einsehbar. Die Design-Thinking-Methoden, die bei SAP seit vielen Jahren im Einsatz sind, werden in den Ausstellungen „Fail Early and Often“ und „Vom Bauhaus zum AppHaus“ (beide 2019) aufgegriffen. Andere Ausstellungen wie „Un Paseo de Arte Latino“ (2016) und „South African Identities“ (2018) schlagen die Brücke zu Kulturen und Kontinenten, auf denen SAP vertreten ist.
Aktuell befindet sich das Ausstellungsprogramm im Hiatus, da im Rahmen eines Umbaus des Schulungszentrums neue Räume geplant werden. Während dieser Pause nutzt SAP digitale Formate: Virtuelle Rundgänge ermöglichen es Mitarbeitenden weltweit, die Ausstellungen online zu erleben. „Das ist wichtig“, sagt Alexandra, „denn so können Kollegen und externe Interessierte weltweit unsere Ausstellungen besuchen – nicht nur vor Ort in Walldorf.“
Kunsthistorikerin mit Gespür für Corporate Culture
Alexandra Cozgarea kam über Umwege zu SAP – oder besser gesagt: zurück zu SAP. Bereits während ihres Studiums der Kunstgeschichte und Psychologie in Heidelberg arbeitete sie als Werkstudentin bei SAP im Bereich Communications und unterstützte das regionale Sponsoring für Kunstprojekte. Nach dem Studium sammelte sie bei Heidelberg Zement weitere Erfahrungen im Corporate Collecting. „Wir haben damals eine sehr fokussierte Firmensammlung aufgebaut – alles rund um das Thema Bauen und Zement“, erinnert sie sich.
2008 kam dann der Anruf, der ihr Leben veränderte. „Man fragte, ob ich wieder zur SAP kommen möchte. Und ich sagte: nein, natürlich nicht – ich mache ausschließlich Kunst. Da hieß es: Genau deswegen!“ SAP plante damals, sein Kunstprogramm zu professionalisieren und strukturierter aufzustellen. Dafür gab es eine eigenständige, kuratorische Rolle zu besetzen.
Heute bewegt sich Cozgarea zwischen zwei Welten: der Technologie- und der Kunstwelt. „Ich versuche diese über Themen und Brücken zusammenzubringen.“ Diese Verbindung macht für sie den besonderen Reiz ihrer Arbeit aus.
Mehr als Dekoration: Kunst als Bildungsauftrag
Für SAP steht nicht der Anlagewert der Kunstwerke im Vordergrund, sondern der Bildungsauftrag und die Mitarbeiterförderung. „Die Intention war immer, den Mitarbeitenden und der Region etwas zurückzugeben“, erklärt die Kuratorin.
Die Sammlung umfasst mittlerweile über 2.000 Kunstwerke, die über die deutschen Geschäftsstellen verteilt sind. Teams in Deutschland können sich Kunst für ihre Büros und Teamräume ausleihen – ein Service, der ursprünglich dem Top-Management vorbehalten war, heute aber allen Interessierten offensteht.
„Das läuft noch sehr persönlich ab, und das schätzen die Kollegen“, beschreibt Cozgarea den Prozess. „Sie kommen zu mir, wir suchen gemeinsam etwas aus, und dann organisieren wir den Transport und die Hängung.“ Viele Mitarbeitende schätzen diese kleine Auszeit vom Arbeitsalltag, um sich ein Bild auszusuchen.
So warten auch die 400 Kunstwerke aus dem aktuell wegen des Umbaus geschlossenen Gebäude WDF01 in den Depots des Schulungszentrums auf ihren nächsten Einsatz. Ein Teil wird wieder aufgehängt, vieles wird aber auch erstmals allen Mitarbeitenden zur Verfügung stehen.
Weitere Informationen zur Kunstsammlung und den virtuellen Rundgängen gibt es unter www.sap.de/kunst
Bei Interesse an einem Kunstwerk für ein Büro oder einen Besprechungsraum: a.cozgarea@sap.com



