ERP bei Simplon – Teil 1: Wie alles begann

In dieser vierteiligen Geschichte geht es um die Steuerung von Unternehmens durch ein cloudbasiertes ERP-System und darum, was durch diese Lösung alles möglich ist. Sie beginnt zu einer Zeit, als Computer unbekannt waren und Cloud der englische Name für eine Ansammlung von Wassertröpfchen: im Jahre 1930.

Damals gründete Josef Hämmerle ein Fahrradfachgeschäft in der österreichischen Bodenseegemeinde Hard. In den 1950er Jahren, als Rennräder beliebter wurden, waren Hämmerle und seine beiden Söhne Kurt und Heinz allerdings immer öfter unzufrieden mit den Modellen, die sie von den Herstellern bekamen. Sie beschlossen daher, selbst Fahrräder zu bauen, um die eigene Vorstellung von Qualität und Design zu verwirklichen. So entstand 1961 die Firma Simplon, benannt auch deshalb nach einem Pass im Nachbarland, weil Bikes „Made in Switzerland“ damals hoch im Kurs standen.

Bis zum Ende der 1970er Jahre hatten sich die Hämmerles mit einer ganzen Reihe von Rennradmodellen auf dem österreichischen Markt etabliert. Die Rahmen entwickelten sie dabei selbst, ließen sie aber von Zulieferern fertigen. Gerhard Zadrobilek gewann mit einem solchen Simplon-Rad 1981 die Österreich-Tour.

Das Unternehmen mauserte sich seitdem zu einem kleinen, aber hochfeinen Player, der keine Räder für Leute baut, die zweimal im Monat damit ins Grüne gondeln, sondern für Begeisterte, die Mensch und Material herausfordern. Dieser Premium-Anspruch schlägt sich auch im Preis nieder, „und deshalb muss er transportiert und gerechtfertigt werden“, Markus Geiger, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Simplon. „Denn natürlich stellen Kunden auch die Frage: Warum sind die Räder denn so teuer?“

Dieser Beitrag ist Teil der Themenserie

Serie: ERP aus der Cloud beim Fahrradhersteller Simplon

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Der leichteste Rahmen wiegt 717 Gramm

Eine von mehreren Antworten darauf lautet: Weil sie so leicht sind. Simplon hat im Performance Bereich fast keine Alu-Rahmen mehr im Programm, sondern verwendet nahezu ausschließlich Carbon. Der leichteste (Rennrad-) Rahmen wiegt lediglich 717 Gramm. Simplon gehörte auch zu den ersten, die bereits 2017 ein E-Bike auf den Markt brachten, das weniger als 20 Kilo wiegt.

Gerade das Edelsegment des Marktes wächst deutlich, und Simplon möchte mitwachsen. Aktuell baut man ca. 12.000 Räder pro Jahr, aber irgendwann sollen es 30.000 sein. Markus Geiger ist sich sicher, dass es die entsprechende Nachfrage gibt. „Und mit unseren Ressourcen und unserer Logistik könnten wir das leisten.“ Aber für die Prozesse, die es möglich machen, sind eben auch die richtigen IT-Werkzeuge vonnöten.

Genau die hatte Simplon bis Oktober 2017 noch nicht. Dabei braucht man sie nicht nur, um wachsen zu können,  sondern auch, um zwei disruptiven Veränderungen des Fahrradmarktes zu begegnen. Die eine ist der Trend – oder man sollte vielleicht sagen der Siegeszug – des E-Bikes. 2015 waren zehn Prozent der Simplon-Räder E-Bikes, 2019 werden es voraussichtlich 60 Prozent sein.

E-Bikes bestehen aus viel mehr Teilen

Diese Entwicklung bedeutet eine gigantische Herausforderung für die gesamte Organisation, für die Konfiguration der Räder und die damit verbundene Logistik, für die Stücklisten etc.

Denn Elektroräder bestehen aus viel mehr Teilen als Fahrräder ohne Motor. Und diese Teile müssen bestellt, gelagert, vorgehalten und miteinander kombiniert werden. Dementsprechend ist auch die Produktion deutlich aufwändiger: Während ein konventionelles Rennrad in etwa zwei Stunden montiert ist, dauert es bei seinem E-Pendant dreieinhalb bis vier Stunden. Solche Veränderungen lassen sich nur bewältigen, wenn die Prozesse des Unternehmens in der Lage sind, sie abzubilden.

Gleiches gilt für die zweite, nicht weniger radikale Veränderung in der Branche: den Trend zum Online-Handel. Lange galt es als nahezu unmöglich, Fahrräder übers Internet zu verkaufen. Weil der Karton, in dem sie dann geliefert werden, notwendigerweise sperrig und schwer ist. Und weil der Zusammenbau des Fahrrads und die immer notwendigen individuellen Einstellungen nicht jedermanns Sache sind. Doch diese Abneigung schwindet rasant, seit ein großer deutscher Hersteller den Online-Vertriebsweg mit Erfolg testet.

Einerseits passt diese Art des Fahrradkaufs überhaupt nicht zur Philosophie von Simplon, wo man die exakte Einstellung für extrem wichtig hält, weil die eigenen Räder ja hoch individuelle Produkte sind. Deshalb verkauft Simplon sie ja ausschließlich über 350 Fachhändler, die sich um das Einstellen und Anpassen kümmern.

Andererseits sind Simplon-Räder ganz bewusst nicht nur individuell, sondern auch individualisierbar. Prokurist Markus Geiger: „Wir haben mit unserem Konfigurationsmodell einen ähnlichen Komplexitätsgrad wie die Automobilindustrie.“

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Herausforderung für das ERP-System: Bodyscanning bei 40 Händlern

Und welche Plattform eignet sich besonders gut als Konfigurator? Eben: das Internet. Simplon-Produkte lassen sich online ganz nach Wunsch zusammenstellen, nur dass das Fahrrad anschließend nicht direkt an den Kunden ausgeliefert wird, sondern an einen Händler in seiner Nähe. Der nimmt dann die noch fehlenden Einstellungen zusammen mit dem Käufer vor. Und wer es noch individueller liebt, kann sich bei 40 der 350 Fachhändler sein Traumrad sogar per Bodyscanning elektronisch auf den Leib schneidern lassen.

An Herausforderungen für das ERP-System von Simplon bestand also kein Mangel, als man 2016 begann, die eigenen Strukturen mithilfe der SAP-Lösung SAP Business ByDesign fit zu machen für die Zukunft. Wie – in puncto ERP – die Ausgangslage war und warum sich Markus Geiger und seine Kollegen für diese Lösung entschieden und nicht für eine andere, das lesen Sie im nächsten Teil dieser Fortsetzungsgeschichte.

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