Ammann Group modernisiert ERP: Startschuss mit SAP S/4HANA nach zehn Monaten

Erst das System umstellen, dann Prozesse bündeln und die neue Oberfläche einführen: Der Schweizer Baumaschinenhersteller Ammann Group ist beim ERP-Wechsel von SAP ECC 6.0 auf SAP S/4HANA schrittweise vorgegangen. „Alles andere hätte die Anwender überfordert“, so die Überzeugung von Bruno Schwager, dem damaligen CIO des Unternehmens.

Schon der SAP Campus Basel 2019 hat gezeigt, wie individuell Kunden auf dem Weg zu SAP S/4HANA vorgehen: „Jede Kundensituation ist anders“, sagt Dr. Volkmar Jaeckle, strategischer Berater bei SAP, auf dem Podium zusammen mit Bruno Schwager, Ex-CIO der Ammann Group, Tobias Rölz, Vice President IT & Digital Business bei Komax und Peter Baldauf, Leiter Informatik Warenwirtschaft, Finanzen & HR von Coop. Während sich Schwager für eine On-Premise-Installation in der Cloud (HEC) entschieden hat, setzt Komax-Manager Rölz auf die SAP S/4HANA Cloud und Coop-Experte Baldauf entscheidet sich dafür, mit einer europaweiten Vereinheitlichung der Finanzsysteme zu beginnen. „Harmonisierung und Vereinfachung sind die Treiber“, benennt SAP-Berater Jaeckle zwei der wenigen Gemeinsamkeiten, die alle Transitions-Projekte kennzeichnen.

ERP-Wechsel mit Brownfield-Ansatz

Gerade der Schweizer Baumaschinenhersteller Ammann Group ist ein Beispiel dafür, wie ein oft pauschal als sehr komplex und langwierig beschriebenes Brownfield-Projekt innerhalb von zehn Monaten abgeschlossen werden kann. Anders als beim so genannten Greenfield-Ansatz, bei dem auf keine gewachsenen Systeme Rücksicht genommen werden muss, setzt die Brownfield-Herangehensweise auf bestehenden Prozessen auf. „Alles andere wäre zu riskant gewesen“, sagt der Ex-CIO Bruno Schwager: „Das System umstellen, mit einer neuen Benutzeroberfläche arbeiten und neue Prozessen einführen: Das hätte unsere Nutzer überfordert“, meint Schwager mit Blick auf über 1.000 User in 20 Ländern.

Vereinheitlichung der Infrastruktur, Reorganisation und SAP-Bündelung in einem SAP-System

Ohnehin hat das Unternehmen in den letzten Jahren schon einige Veränderungen mitgemacht. Im Nachbarland sein Laptop „einzustöpseln“ und von dort aus zu arbeiten, sei vor wenigen Jahren noch nicht möglich gewesen, erinnert Schwager an Schwächen in der technischen Infrastruktur. Hinzu kam eine Business-Reorganisation im Unternehmen. Zwischen 2011 und 2016 war das Geschäft in die Serienproduktion (Maschinen) und das Projektgeschäft (Anlagen) unterteilt, in denen die weltweite Entwicklung, Produktion, Verkauf sowie Aftersales Sales & Support abgewickelt wurden, Heute bestehen die beiden Produktdivisionen zwar weiterhin, doch wurden die Bereiche Marketing, Verkauf, Service und Support herausgelöst und werden nun in der Abteilung „Global Sales & Marketing“ übergreifend geleistet. Erst harmonisierte Ammann die technische Infrastruktur, dann kam die organisatorische Umstellung, ehe das Unternehmen Anfang 2017 die vorherigen vier SAP-Systeme (SAP ECC) schließlich in einem gebündelt hatte.

Frühstarter mit SAP S/4HANA: Ressourcen sind künftig immer schwieriger zu bekommen

In Hinsicht auf die anstehende Digitalisierung allerdings war Schwager klar, dass er noch einen Schritt weiter gehen müsste – auf SAP S/4HANA. Nach Zahlen im Investitionsreport 2019 der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe DSAG ist SAP S/4HANA heute gerade einmal in drei Prozent der Unternehmen im produktiven Einsatz, während 75 Prozent der Unternehmen aktuell den Umstieg planen oder bereits ein Projekt gestartet haben und lediglich sechs Prozent der Befragten bei SAP ERP 6.0 bleiben wollen. Als der damalige CIO also Mitte 2017 die Entscheidung traf, auf das moderne ERP von SAP zu wechseln, gehörte erdamit zu den Vorreitern. „Das hat Vor- und Nachteile, früh dabei zu sein“, resümiert Schwager, „erst sind die Funktionalitäten vielleicht noch nicht ganz ausgereift und besonders die bei uns über 50 Umsysteme benötigen eine besondere Aufmerksamkeit. Der Vorteil liegt dann allerdings darin, dass nachher immer weniger Ressourcen für die Umsetzung zu bekommen sind und der Umstieg auf SAP S/4HANA teurer wird.“

SAP-S/4HANA-Startschuss nach zehn Monaten

Ein halbes Jahr nach Vertragsabschluss startet das Projekt schließlich Anfang 2018. Zehn Monate später war es bereits abgeschlossen. Der Monatsabschluss lässt sich nun wie auch die Planung des Materialbedarfs (MRP-Lauf) sofort ausgeben und die Logik hinter den Stücklisten beschleunigt die Transaktionen. Obwohl sich Schwager über zwei Verzögerungen im Projekt beklagt, sind letztlich lediglich drei Monate verloren gegangen. Ein Grund dafür liegt darin, dass über das bisher eingesetzte Tool eines Drittanbieters die Stückliste nicht wie im SAP ECC automatisiert erzeugen ließ. Ein neues Tool musste gefunden werden.

ERP: „Sind schon immer nah am Standard gewesen“

Die technische Migration hat die Ammann Group damit bewältigt. Das war zugleich der Startschuss für weitere Themen, die Ex-CIO Schwager nun seinem Nachfolger Oliver Enzmann überlässt. Er wird nun die neue Benutzeroberfläche einführen und einige Prozesse weltweit vereinheitlichen, was zu Beginn der Migration zu viel auf einmal gewesen wäre. Einen Beweis hat das Projekt bei der Ammann Group auf jeden Fall erbracht: Brownfield muss nicht kompliziert sein. „Private Cloud heißt nämlich nicht, dass im ERP alles kundenspezifisch und mit vielen „Sonderlocken“ ausgestattet ist“, sagt Schwager, „wir haben uns auch im SAP ECC immer schon nahe am Standard gehalten.“

Weitere Informationen:

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Das SAP S/4HANA Movement-Programm bringt Unternehmen von SAP ECC auf SAP S/4HANA. Erfahren Sie mehr.