Vaterschaftsurlaub – ein Beitrag auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit

Väter befürchten oft einen Karriereknick, wenn sie Erziehungsurlaub nehmen. Es bringt jedoch auch Firmen Vorteile, gerechtere Regelungen für den Elternurlaub einzuführen. Shuchi Sharma, Gender Intelligence Lead bei SAP, berichtet in seinem Blog, welche Fortschritte es bei der Akzeptanz von Elternurlaub zu vermelden gibt.

Ich bin seit vielen Jahren berufstätig, aber ich kann mich nicht erinnern, dass bei Gesprächen im Büro jemals das Wort Vaterschaftsurlaub fiel.

Niemand spricht darüber. Auch männliche Bewerber fragen nicht danach. Dennoch gibt es viele Väter, die mehr von ihrem Arbeitgeber erwarten. Sie möchten zuhause bei ihrem Neugeborenen sein und eine Beziehung zu ihm aufbauen. Sie möchten das Abenteuer Elternsein erleben, mit all seinen Freuden und Sorgen.

Doch die Gesellschaft macht es ihnen nicht immer leicht, ihre Rolle als Vater zu leben und mit ihren beruflichen Pflichten in Einklang zu bringen. Eine Umfrage von Deloitte hat ergeben, dass 57 Prozent der Männer auf eine Familienpause verzichten, weil dies als mangelndes Engagement ausgelegt werden könnte. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. In vielen Firmen ist es vollkommen akzeptabel, dass Männer die Arbeit verlassen, um ihre Kinder in der Kindertagesstätte abzuholen, oder dass Frauen an der Spitze großer Unternehmen stehen. Die Elternzeitregelungen sollten diese Entwicklung besser widerspiegeln. Zudem könnten sie dazu beitragen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Diese unterschiedlichen Denkweisen können helfen, Kunden besser zu verstehen, Mitarbeiter stärker einzubinden und Innovationen zu verbessern.

Vaterschaftsurlaub? Der Gesetzgeber ist gefragt

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Richtlinien und Gesetze das Verhalten beeinflussen. Den Vätern wird das Vatersein schwer gemacht. Die Zahlen sprechen für sich: Fast zwei Drittel aller Kinder unter einem Jahr – fast 90 Millionen – leben in Ländern, in denen Väter keinen Anspruch auf bezahlten Vaterschaftsurlaub haben. 40 Prozent der Länder rund um die Welt haben eine Regelung für Vaterschaftsurlaub. Doch meist ist dieser Urlaub unbezahlt. Angestellten in den USA wird nach dem Family and Medical Leave Act von 1993 eine unbezahlte Freistellung von zwölf Wochen garantiert. Und die USA ist eines von nur acht Ländern, in denen es keine nationale Gesetzgebung gibt, die bezahlten Elternurlaub für Mütter oder Väter garantiert.

Wenn Regierungen keine fairen Rechtsnormen festlegen, sind Unternehmen auch nicht motiviert, dies zu tun. So wird das Vorurteil, dass nur Frauen die Betreuung von Kindern übernehmen können, durch Unternehmensrichtlinien weiter bestärkt. Die Unternehmen haben erkannt, dass Mütter viel Zeit für die Pflege ihres neugeborenen Kindes benötigen. So gewähren sie ihnen im Schnitt 41 Tage Elternzeit. Väter jedoch erhalten im Schnitt nur 22 Tage. Dieser Unterschied setzt ein deutliches Zeichen: Väter fühlen sich unwohl dabei, wenn sie Erziehungsurlaub nehmen. Laut einer Umfrage des Wall Street Journal befürchten zwei Drittel der Teilnehmer, dass sie ihre Karriere gefährden, wenn sie sich nach der Geburt eine Auszeit nehmen würden. Viele nehmen nicht den vollen Urlaub, der ihnen zusteht. Bei den Frauen sind es 66 Prozent und bei den Männern nur 36 Prozent.

SAP als Vorreiter

Aber allmählich beginnen die Unternehmen, diese Normen zu ändern. Weil in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten gehen, wird der Markt für Talente immer größer. Die Unternehmen haben erkannt, dass es viele Vorteile bringt, gerechtere Regelungen für den Elternurlaub einzuführen. Die SAP arbeitet gerade an einem mutigen Plan und entwickelt eine Strategie zur besseren Akzeptanz von Elternurlaub. Eine globale Kommunikationskampagne entkräftigt die Mythen, erhöht die Teilnahmequote und misst am Ende die Wirkung.

Im ersten Schritt werden allen Mitarbeitern die Vorteile für Männer und Frauen aufgezeigt, egal, ob sie bereits Eltern sind oder nicht. Väter, die ihre Vaterrolle aktiver leben, haben stärkere Familienbeziehungen und sind erfolgreichere Partner. Elternzeit wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aus, sowohl bei Müttern als auch bei Vätern. Sie sind glücklicher, engagierter und arbeiten produktiver. Das Ziel der SAP ist, eine flexiblere Arbeitskultur zu schaffen, indem sie Mitarbeiter ermutigt, Vaterschaftsurlaubs zu nutzen, den sie rund um die Welt anbietet. Die SAP ist davon überzeugt, dass dies zu mehr Chancengleichheit führt und langfristig eine Gleichstellung der Geschlechter bewirkt.

Vaterschaftsurlaub bei internationalen Unternehmen

Ein SAP-Kunde, der Getränkehersteller Diageo, leistet bereits Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Das Unternehmen hat gerade 26 Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub eingeführt. Chief Human Resources Officer Mairéad Nayager sagt dazu: „Wir legen großen Wert auf eine inklusive und vielfältige Belegschaft und sind fest davon überzeugt, dass Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Gesellschaft von morgen zu gestalten.“

Kulturelle Veränderungen brauchen Zeit. Aber wenn Firmen wie SAP und Diageo den Wandel gestalten und Richtlinien einführen, die nicht nur ihre Unternehmen, sondern auch die Welt verändern, kann das Tempo auf dem Weg zur Chancengleichheit von Frauen und Männern deutlich erhöht werden.

Shuchi Sharma ist Gender Intelligence Lead bei SAP.