Vom traditionellen Metallverarbeiter zum digitalen Dienstleister

Die SCHÄFER WERKE Gruppe hat eine IoT-Lösung entwickelt, die mit ausgefeilter Sensortechnik Daten von Containern erfasst, die Aufschluss über Füllstände, Standorte, Erschütterungen, Temperatur oder Viskosität geben. Diese Informationen können auf vielfältige Weise genutzt werden – von Wartung und Qualitätskontrolle bis zur Logistik.

Was kaum jemand weiß: Wenn am Tresen einer deutschen Gaststätte ein Bier gezapft wird, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Getränk aus einem Fass der SCHÄFER WERKE kommt, bei über 70 Prozent. Was ebenfalls kaum bekannt ist: Die sogenannten KEGs (keg: kleines Fass) gehören zu den langlebigsten Wirtschaftsgütern, sind fast unkaputtbar und nicht selten mehr als 30 Jahre in Betrieb. Auch 40 Jahre alte KEGs können heute noch im Einsatz sein.

Nun ist die Langlebigkeit von Fässern – wie auch anderer Transport-Container – aus mehreren Gründen wünschenswert. Sowohl aus Kostengesichtspunkten, aber ebenso im Sinne von Nachhaltigkeit und Ressourcen-Verbrauch, sind Mehrweg-Container Wegwerf- oder Einweg-Containern haushoch überlegen. Was aus Sicht der Hersteller allerdings nicht nur vorteilhaft ist: „Was nicht kaputt geht, muss auch nicht ersetzt werden. Damit sind die Grenzen des Wachstums klar vorgezeichnet“, sagt Rainer Bröcher, Geschäftsführer der SCHÄFER WERKE.

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Aber nicht nur aus diesem Grund hat der Manager mit seinem Team darüber nachgedacht, ob und wie sich seine Produkte mit digitaler Innovation aufrüsten lassen. Das mittelständische Unternehmen wollte schon früh an der digitalen Wertschöpfungskette partizipieren. Bereits seit geraumer Zeit gibt es Überlegungen zu neuen Geschäftsmodellen und deren Entwicklung in der Unternehmensstrategie. Und Bröcher sieht auch den gesunden Wettbewerb: „Wenn wir die Innovation nicht selbst angehen und unseren Kunden digitale Services anbieten, besteht natürlich die Gefahr, dass uns das branchenfremde Dienstleister aus der Hand nehmen.“

„Wir sind ein Unternehmen mit gut 80-jähriger Tradition in der Stahlverarbeitung, praktisch der klassische Metallverarbeiter“, sagt der Geschäftsführer. Zwar gehören die SCHÄFER WERKE mit ihrem Know-how in der Stahlverarbeitung, Produktionstechnik und der Herstellung von Transportbehältern und Containern zu den weltweiten Marktführern. Produktinnovation gehört gleichsam zum täglichen Geschäft. Dennoch ist Bröcher klar, dass all das in Zeiten der digitalen Transformation nicht mehr ausreicht, um sich im globalen Wettbewerb einen Spitzenplatz zu sichern.

IoT-Lösung und Sensortechnik machen Container intelligent

„Wir haben uns deshalb gefragt, wie wir ein tragfähiges digitales Geschäftsmodell entwickeln können, dass unseren Kunden einen messbaren Mehrwert liefert und uns weitere Wachstumsmöglichkeiten erschließt“, sagt der Geschäftsführer. Daraus entstand die Idee, die Transport- und Lagerungsbehälter (IBC – Intermediate Bulk Container), die einen beträchtlichen Teil zum Umsatz der SCHÄFER WERKE Gruppe beitragen, mit digitaler Sensortechnik auszustatten und diese Daten den Kunden zugänglich zu machen.“

IBCs sind Behälter für Transport und Lagerung flüssiger, pastöser und granularer Stoffe. Sie sind in unterschiedlicher Ausprägung und in Größenordnungen von 500 bis 1.500 Litern erhältlich und werden für verschiedenste Zwecke eingesetzt: Von Getränkezusatzstoffen bis zur Marmelade, von Mineralstoffen bis zu Gefahrgut in der Chemie, Petrochemie, Entsorgung, Recycling-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit mehrere Millionen Behältnisse im Einsatz sind.

Kernelement der von den SCHÄFER WERKEN entwickelten IoT-Lösung ist die Sensortechnik. Zusammen mit einem Partner wurde eine ausgefeilte Sensortechnologie entwickelt, die Daten wie beispielsweise Füllstand, Erschütterungen, Standort, Temperatur, Druck, Viskosität und Lichteinfall erfasst. Der Clou: Die gesamte Technik ist im Deckel des IBC untergebracht, so dass auch ältere IBCs – und auch die anderer Hersteller – mit geringem Aufwand durch den Austausch des Deckels einfach umgerüstet werden können.

„Das war schon in der Konzeptionsphase ein entscheidendes Kriterium“, blickt Geschäftsführer Bröcher zurück. „Damit der Kunde den größtmöglichen Nutzen aus der IT-Lösung ziehen kann, muss er in der Lage sein, seinen gesamten Bestand an IBCs mit der Sensortechnik auszustatten, ohne deswegen gleich alle Container erneuern zu müssen.“ Viele seiner Kunden verfügten über einen gewaltigen Bestand, Größenordnungen von mehr als 10.000 IBCs seien dabei keine Seltenheit.

SAP Cloud Platform als Rückgrat der IoT-Lösung

Die Messdaten der Sensoren werden an die SAP Cloud Platform (SCP) übertragen. Die Entscheidung für SAP als technologische Plattform lag für Bröcher auf der Hand. Nicht nur bei der SCHÄFER WERKE Gruppe bilden SAP-Applikationen das Rückgrat der Enterprise-IT. Wie ein Validierungsprozess in der Konzeptionsphase ergeben hatte, sind auch bei vielen IBC-Kunden des Unternehmens ERP-Systeme von SAP im Einsatz.

Aber nicht die einfachere Integration, sondern auch die Flexibilität und Leistungsfähigkeit des SAP IoT-Stacks und der SAP Cloud Platform mit ihren vielfältigen Funktionen etwa im Bereich Analytics, Visualisierung und der Einbindung von KI-Funktionen, haben das Projektteam bei den SCHÄFER WERKEN überzeugt.

Das System ist so ausgelegt, dass die Container im Standard einmal täglich ihre Daten an die SAP Cloud Platform übermitteln. Für spezielle Anwendungen, etwa im Bereich der Intralogistik, können die Sensoren auch so eingestellt werden, dass die Daten häufiger, bis hin zu Realtime, erfasst und übertragen werden können. Dabei beherrscht die Sensortechnik nahezu alle gängigen Übertragungstechniken, von  Bluetooth und NFC bis hin zu den Mobilfunkstandard 2G oder NarrowBand IoT. Damit können sich die IBCs in allen denkbaren Umgebungen, von der Fabrik- und Lagerhalle bis zum LKW- und Bahntransport jederzeit mit der SAP Cloud Platform verbinden.

IoT-Lösung liefert gezielt Wettbewerbsvorteile

Aktuell ist das Projekt noch in der Anfangsphase. Im dritten Quartal 2019 werden erste Pilotkunden mit dem Einsatz beginnen, ab dem vierten Quartal soll die Anwendung für alle Kunden erhältlich sein. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: „Vom Produktions- und Logistikleiter bis zur Wartung und Qualitätssicherung sind Szenarien denkbar, die nicht nur nice to have sind, sondern gezielt direkte Kosten- und Wettbewerbsvorteile ermöglichen“, ist Geschäftsführer Bröcher überzeugt.

Und dabei geht es nicht nur um verloren gegangene Container, die bei großen Beständen zum Alltag gehören und die mit der GPS-Funktion im Sensor zukünftig verlässlich wiedergefunden werden können. Oder die Druckprüfung, die früher mindestens einen Tag dauerte und mit der hochsensiblen Sensortechnik in wenigen Minuten erledigt ist. Wichtiger noch sind die vollkommen neuen Möglichkeiten, die sich im Zusammenspiel mit den Analyse- und KI-Funktionen der SAP Cloud Platform ergeben.

So sind Szenarien im Bereich der prädiktiven Wartung und Planung, die Ermittlung von Materialbeständen über alle Container hinweg, egal wo sie sich befinden, oder auch die Analyse und Optimierung von Transportwegen über die gesamte Containerflotte möglich, ebenso wie zur Qualitätssicherung. So lässt sich lückenlos nachvollziehen, welchen Temperaturen, Druckverhältnissen oder Erschütterungen ein Container ausgesetzt war. „Wir stehen hier noch am Anfang und werden nach und nach auch in Kooperation mit unseren Kunden weitere Einsatzmöglichkeiten erschließen“, sagt Rainer Bröcher. So soll das System später auch Material-Bedarfe antizipieren können und so zum Beispiel den Forecast optimieren

Dass er damit richtig liegt, steht für ihn außer Frage. Bröcher: „Es ist klar, dass der Weg vom Metallverarbeiter zum IT-Dienstleister nicht einfach ist. Aber wir wissen, dass wir ihn gehen müssen, wenn wir die Chancen der zunehmenden Digitalisierung für uns nutzen wollen.“

Die SCHÄFER Gruppe mit Hauptsitz in Neunkirchen im Siegerland hat ihre Wurzeln in der Stahlverarbeitung und besteht aus drei Unternehmenszweigen.

  • Die SCHÄFER WERKE Gruppe ist in der Stahlverarbeitung tätig und bietet neben einem Stahl-Service-Center, Lochblechen und Container Systemen auch Produkte und Dienstleistungen im Bereich Rechenzentrums- und Netzwerktechnik.
  • Die SSI SCHÄFER ist im Bereich der Lager- und Logistiksysteme tätig und auf die Konzeption von Lagereinrichtungen mit Eigenprodukten und Umsetzung von Logistikprojekten als Generalunternehmer spezialisiert.
  • Der SCHÄFER SHOP bedient den B2B- und B2C Versandhandel mit über 35.000 Artikeln für die Unternehmensausstattung und betreibt seit 1970 einen Versand mit bundesweitem Filial- und Außendienstnetz sowie Niederlassungen in 14 europäischen Ländern.

Insgesamt beschäftigt die SCHÄFER Gruppe rund  10.500 Mitarbeiter, ist in 60 Ländern vertreten und erwirtschaftet einen Umsatz von über 2,4 Milliarden US-Dollar.