Wie Unternehmen mit Robotik von einem 3,7-Milliarden-Dollar-Markt profitieren können

Laut den jüngsten Voraussagen von IDC wird der weltweite Softwaremarkt für robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) bis 2022 auf 3,7 Milliarden Dollar anwachsen.

Grund hierfür ist, dass Abteilungen wie Finanz– und Personalwesen eines erkennen: RPA ist nicht der nächste große Trend, sondern die neue Normalität, weil Bots nach wie vor die Effizienz steigern, den Kundenservice verbessern und Kosteneinsparungen ermöglichen. Und genau dies sind auch die wichtigsten Gründe, warum Unternehmen Funktionen auf Basis von künstlicher Intelligenz (KI) einführen, wie Analysten von Gartner erklärten.

Die SAP TechEd Las Vegas bot die Gelegenheit, RPA in Aktion zu sehen. In einem Demo-Video zeigte Meijie He, RPA-Experte bei SAP, wie Entwickler effektive Bots mit SAP Intelligent Robotic Process Automation auf der Grundlage von SAP Cloud Platform erstellen können.

Die interessantesten Branchen für RPA

Das Bankgewerbe, die Versicherungswirtschaft und das Gesundheitswesen zählen zu den Branchen, in denen RPA am schnellsten auf breiter Linie eingeführt wird – und die Gründe sind offensichtlich. Gut trainierte Bots können Millionen von Finanztransaktionen in kürzester Zeit auf vermutete Betrugsfälle durchsuchen und entsprechende Warnungen ausgeben – viel schneller als Menschen. So können Menschen sich auf das konzentrieren, was sie am besten können: ihr menschliches Urteilsvermögen einbringen, um potenzielle Probleme zu lösen. Gleiches gilt für die Versicherungsbranche. RPA kann zu einer schnelleren Schadens­abwicklung beitragen, indem sie die Routinearbeiten übernimmt und Ermessens­entscheidungen und die Pflege von Geschäftsbeziehungen den Menschen überlässt. Das Gesundheitswesen ist ein Paradebeispiel für die erwarteten Ergebnisse von RPA-Technologien. Ärzte könnten das Ausfüllen von immer wieder neuen Formularen delegieren und hätten stattdessen mehr Zeit für ausführliche Gespräche mit ihren Patienten.

Die Wahrheit über Bots

Die Befürchtung, dass Bots Menschen zunehmend ersetzen werden, ist weit verbreitet. Dabei müssen Unternehmen, die die Einführung von robotergesteuerter Prozessautomatisierung planen, erst einmal gründlich über den Sinn und Nutzen dieses Vorhabens reflektieren. Wie He betonte, müssten Unternehmen zuerst herausfinden, an welchen Punkten RPA tatsächlich eine Verbesserung bewirken würde. Im IT-Jargon sind das die Anwendungsfälle oder Use Cases. Grob gesagt, gibt es zwei Arten: vollständig automatisierte Prozesse, die keine Eingriffe durch Menschen erfordern, und teilweise automatisierte Prozesse, bei denen in bestimmten Schritten Eingriffe durch Menschen erforderlich sind. Unabhängig davon beruhen Intelligenz und Effizienz der Bots auf der Fähigkeit, Daten von überall her aus unter­schiedlichsten Systemen einzuspeisen. Die Inhalte könnten sich an beliebigen Orten befinden, wie es in der Realität auch meist der Fall ist, zum Beispiel in Softwareanwendungen in vielfältigen Systemen in und außerhalb der Organisation.

„In typischen Anwendungsfällen müssen dieselben Daten in mehreren Instanzen von Systemen eingegeben werden“, erläuterte He. „Beispielsweise müssen Shared-Service-Center, wie sie im etwa im Gesundheits-, Versicherungs- oder Bankwesen verbreitet sind, Bestellanforderungsdaten in mehrere Systeme eingeben. Genauso ist es im Finanzwesen, wo Rechnungsnummern aus unterschiedlichen Systemen gesammelt werden müssen. Diese Prozesse können automatisiert werden, um eine höhere Genauigkeit zu erreichen, Zeit zu sparen und die allgemeine Produktivität zu steigern.“

Bots können in jeder Branche Probleme lösen

Finanzwesen, HR und Kundenservice sind in jedem Unternehmen wichtige Funktionen, ganz gleich, in welcher Branche – und alle ächzen unter der Last zeitraubender Routineprozesse, die reif sind für eine robotergesteuerte Automatisierung.

„Bots können Support-Tickets automatisch an die richtige Stelle senden, sodass die Problemlösung beschleunigt wird“, meinte He. „Egal, in welcher Abteilung, Bots können Daten schneller aus unterschiedlichen Systemen abrufen, um einen konsolidierten Bericht mit genauen, aktuellen Informationen zu erstellen.“

Bei SAP wurde kürzlich mithilfe von SAP Intelligent Robotic Process Automation die Employee Experience beim Einstellungsprozess verbessert. Das Ergebnis: Der Bot erwies sich als das ideale Tool zum Sammeln von Mitarbeiter- und Unternehmensinformationen aus unterschiedlichen Systemen, die die Daten für Angebotspakete enthalten.

„Wir konnten den Bot auf einfache Weise konfigurieren und in die HR-Prozesse integrieren“, ergänzte He. „Wenn jetzt eine Neueinstellung oder ein Stellenwechsel ansteht, sammelt und extrahiert der Bot die relevanten Daten mithilfe einer Vorlage, generiert das Angebots­schreiben, konvertiert es in das benötigte Format und sendet es nach Prüfung durch das HR-Team an den Bewerber. Das ist insbesondere deshalb wertvoll, weil sichergestellt ist, dass das Anschreiben die länderspezifischen gesetzlichen Vorschriften erfüllt.“

Angesichts eines Potenzials von 3 Milliarden Dollar lohnt es sich zweifellos für Unternehmen, in die Neugestaltung ihrer Geschäftsprozesse durch intelligente RPA-Lösungen zu investieren.