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Digitale Transformation für mehr Nachhaltigkeit

Führungskräfte bewältigen jeden Tag zahlreiche Herausforderungen. Aber sind wir bereit, die folgende Herausforderung zu bewältigen? Heute leben 7,7 Milliarden Menschen auf der Welt. Schon morgen werden es 190.000 mehr sein.



Indonesien hat angekündigt, die Hauptstadt von Jakarta  zu verlegen. Durch den steigenden Meeresspiegel und durch Bodensenkungen sinkt die Stadt pro Jahr um 25 Zentimeter ab, zumal auch zuviel Grundwasser entnommen wird. In OECD-Ländern ist das Durchschnittseinkommen der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung ungefähr neunmal so hoch wie das der ärmsten 10 Prozent.

Geht uns das nichts an? Doch, jetzt schon. Um die größten Probleme von heute zu lösen, müssen wir alle aktiv werden, ganz egal, ob in der Wirtschaft, der Technologie, der Gesellschaft oder dem Bildungswesen. Denn alles, was wir tun, hängt zusammen.

Die Macht der Verbraucher

Kritische Köpfe mögen fragen, warum sich Unternehmen engagieren sollten, schließlich existieren sie doch in erster Linie, um Geld zu verdienen. Die Kritiker sollten die Macht der Verbraucher nicht unterschätzen.

Verbraucher haben heute Zugang zu mehr Informationen als jemals zuvor. Sie wissen genau, was sie wollen, und sie wissen, wie sie es bekommen. Das beste Produkt zum besten Preis ist immer nur einen Klick entfernt.

Aber ihre Kriterien haben sich verändert: Immer mehr Verbraucher entscheiden nicht mehr nur nach Produkt und Preis. Sie schauen sich genau an, was ein Unternehmen sagt, was es tut und wofür es steht.

Genauso verhält es sich bei Arbeitnehmern: Sie treten Arbeitsstellen nicht nur um des Geldes willen an. Sie entscheiden sich für Unternehmen, die ihre Verantwortung gegenüber der Menschheit und dem Planeten ernst nehmen. Einfach ausgedrückt, hängt der Erfolg von Unternehmen nicht mehr nur von ihrem Finanzergebnis ab, sondern auch davon, was sie tun, um die Gesellschaft ein Stück besser zu machen.

Schneller reagieren dank Technologie

Wohin auch immer man schaut, erkennt man wachsende Sorge über den Einfluss der Technologie auf Arbeitsplätze, Gehälter, Gleichstellung, Gesundheit, Ressourceneffizienz und Sicherheit. Unsere Welt verändert sich so massiv, dass alle Unternehmen gezwungen sind, sich mit ihr zu verändern, um nicht unterzugehen.

Das bedeutet, dass sie digitale Technologie in allen Geschäftsbereichen einsetzen müssen, um ihre Abläufe von Grund auf zu verändern und für die Wertschöpfung der Kunden ganz neue Wege zu gehen. Für so manchen mögen das beängstigende Aussichten sein, aber die Motivation, Veränderungen zu vollziehen, könnte kaum größer sein. Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen, um im Geschäft zu bleiben.

Technologie und Digitalisierung helfen ihnen dabei, dieses Ziel mit intelligenten, enorm flexiblen digitalen Lieferketten zu erreichen, die Veränderungen im Geschäftsumfeld prognostizieren und entsprechend reagieren, um neue Chancen schnell zu nutzen und alte Hürden einzureißen.

Sie brauchen dafür moderne Technologie, ein flexibles Datenmanagement und extrem agile Prozesse. Nur dann sind Unternehmen in der Lage, neue Geschäftsmodelle zu etablieren, die auf einem Partnernetz aufbauen. Dabei arbeiten die Partner in einer durchgängigen Wertschöpfungskette zusammen, um den Kunden das Leben zu erleichtern.

Eine Veränderung der Unternehmenskultur anstoßen

Doch Transformation bedeutet auch eine Veränderung der Unternehmenskultur, die ein radikales Umdenken erfordert – bei den Menschen ebenso wie im Hinblick auf Prozesse und Technologien. Ein digitales Unternehmen zu werden, bedeutet nicht nur, digitale Produkte und Services anzubieten, sondern auch, zentrale Geschäftsprozesse und operative Abläufe mit Technologie zu steuern. Oft geht das mit tektonischen Verschiebungen bei den zu erledigenden Aufgaben und bei der Interaktion innerhalb des gesamten Partnernetzes einher.

Genauso, wie ein Unternehmen die digitale Transformation nicht vollziehen kann, solange sich die Menschen im Unternehmen nicht verändern, glaube ich, dass Technologie und Digitalisierung eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Lösungen für eine bessere Zukunft spielen können, auch wenn sie ihrerseits mit Umweltkosten verbunden sind.

Man denke nur an die Blockchain mit ihrem unglaublichen Potenzial, durch Nachverfolgbarkeit in den Lebensmittelversorgungsketten Vertrauen aufzubauen, wovon Hersteller, Verbraucher und Regulierungsbehörden gleichermaßen profitieren. Künstliche Intelligenz (KI) kann Menschen mit Behinderungen helfen, beispielsweise durch die Übersetzung von Augenbewegungen in Programmbefehle, oder dazu beitragen, Vorurteile bei der Personalbeschaffung auszumerzen. In Smart Cities wird alles von Sensoren bis zur offenen Datenerfassung und intelligenter Straßenbeleuchtung genutzt, um bessere Dienstleistungen zu erbringen und ressourcenschonend zu wirtschaften.

Das klingt einfach, verlangt aber tatsächlich einen hohen Transformationseinsatz. Transformation in Unternehmen durch die Integration digitaler Technologie in allen Geschäftsbereichen. Transformation der Unternehmenskultur, wobei Führungskräfte den Ton angeben, offen für Veränderungen sind und ihren Mitarbeitern als vertrauenswürdiges Vorbild dienen. Transformation der Wahrnehmung von Technologie in der Gesellschaft.

Dass Technologie und digitale Transformation Silos aufbrechen und eine transparente, einheitliche Datenbasis für objektive Entscheidungen schaffen, steht außer Frage. Doch noch viel mehr verändern sie die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Beziehungen zur Außenwelt handhaben.

Aktionsplan für die Zukunft für mehr Nachhaltigkeit

Das Makroumfeld ist unerklärlicherweise und fraglos unberechenbar. Wenn wir eine Welt schaffen wollen, die von Zusammenhalt und Nachhaltigkeit geprägt ist, müssen wir unseren Blick über die Unternehmensgrenzen hinaus auf die Gesellschaften und Gemeinschaften richten, in denen wir aktiv sind. Wir müssen ein vernetztes System des Vertrauens errichten, in dem wir Einigkeit schaffen und Brücken bauen können, ein Netz von Verbindungen, über das wir Ideen darüber austauschen können, wie wir ein Sicherheitsnetz für diejenigen aufspannen können, die an den Rand gedrängt wurden, die in Krisengebieten leben, die Opfer des Klimawandels werden.

Unter dem Strich steht und fällt der Erfolg der Transformation mit den Menschen. Denn noch soviel Technologie kann ein Unternehmen nicht retten, wenn es nicht auch über kompetente Mitarbeiter verfügt. Deshalb müssen wir Menschen für diese massive Transformation für eine bessere Zukunft gewinnen. Als Weltbürger haben wir nicht nur Rechte, sondern auch Verantwortung und Verpflichtungen.

Nutzen wir die Zeit in Davos für Diskussionen und Zusammenarbeit, um den Weg für Veränderungen freizumachen und einen Aktionsplan zu erarbeiten, wie unsere Gesellschaft den Weg in die Zukunft gehen kann. Es liegt nun an uns allen, technologische Innovationen zu nutzen, um die größten Herausforderungen der Welt anzugehen und sie in unsere größten Chancen zu verwandeln. Das sind wir der Welt schuldig.


Christian Klein ist CEO der SAP SE.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf der Webseite des World Economic Forums.

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