Intelligente RPA: der etwas andere Trend 2020

Hinter der wahren Sintflut an Expertenprognosen zum Aufstieg von intelligenter robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA) verbergen sich massive Veränderungen der Kunden- und Mitarbeitererlebnisse in jeder Branche.

Analysten von Gartner nennen RPA als wichtigen Bestandteil der „Hyperautomatisierung“. Das ist ein zentrales Thema in den wichtigsten strategischen Technologietrends, die das Analystenhaus für 2020 prognostiziert. Eine Umfrage von Gartner ergab kürzlich, dass hauptsächlich aus zwei Gründen in künstliche Intelligenz (KI) investiert wird, nämlich, um Routineaufgaben oder manuelle Tätigkeiten zu automatisieren (66 Prozent) und um das Kundenerlebnis zu verbessern (63 Prozent).

Laut IDC dürften bis 2022 75 Prozent aller Unternehmen intelligente Automatisierung in die Entwicklung von Technologien und Prozessen einbinden und dabei auf KI-basierte Software setzen, um operative und erlebnisbezogene Einblicke zu gewinnen, die ihnen bei Innovationen den Weg weisen. IDC geht davon aus, dass in den nächsten Jahren die Ausgaben für KI-gestützte RPA die für RPA ohne KI übersteigen werden. IDC stellt fest, dass bislang nur die wenigsten RPA-Anbieter KI und maschinelles Lernen in großem Stil nutzen. Ich konnte aber in diesem Video-Interview auf der SAP TechEd erfahren, wie die SAP Entwicklern geholfen hat, Softwareanwendungen in SAP S/4HANA Cloud intelligent zu machen.

„Maschinelles Lernen, intelligente robotergesteuerte Prozessautomatisierung und integrierte Analysefunktionen sind die Kernkomponenten für Unternehmen, die zu intelligenten Unternehmen werden möchten“, erklärte Sven Denecken, Head of Product Success and Customer Co-Innovation für SAP S/4HANA. „Mit vorkonfigurierten Bots, Modellen für maschinelles Lernen, Vorlagen und Reports haben wir es Entwicklern leicht gemacht, diese Funktionen in SAP S/4HANA Cloud einzubinden und damit die Arbeitsweise der Menschen und die wachstumsorientierten Abläufe im Unternehmen zu revolutionieren.“

Mit intelligenten Funktionen zu Geschäftsergebnissen, die sich sehen lassen können

Anders als traditionelle RPA, bei der lediglich manuelle Datenverarbeitungsaufgaben automatisiert wurden, eröffnet die intelligente Version Arbeitnehmern und Unternehmen einzigartige Möglichkeiten – vorausgesetzt, sie zieht sich durch einen vollständigen Geschäftsprozess wie Finanzwesen, Beschaffung, Vertrieb oder Lieferkette. Als ich nach der SAP TechEd mit Sven Denecken sprach, betonte er, wie wichtig es sei, dass sich Unternehmen auf Geschäftsergebnisse konzentrierten, um den größtmöglichen Nutzen aus intelligenten Technologien zu ziehen.

„Wenn man intelligente Bots in die Zahlungsabwicklung integriert, kann nicht nur die Buchhaltung viel effizienter arbeiten und die Zahlungsverwaltung beschleunigen, sondern – was ebenso wichtig ist – auch die Kunden sind zufriedener“, führte Denecken aus. „Dasselbe gilt für die gesamte Auftragsabwicklung. KI kann Routineaufgaben automatisieren und neue Geschäftschancen finden. Der Vertrieb kann dann mehr Zeit in das Upselling investieren, um die richtigen Produkte zu den richtigen Preisen an die richtigen Kunden zu verkaufen. Jeder einzelne Geschäftsprozess wird gestrafft, Umsatzprognosen werden genauer, Lieferungen werden pünktlicher, und der Cashflow wird verbessert.“

Ein etwas anderes Mitarbeitererlebnis

Dass hier intelligente Funktionen auf ein neues Niveau gehoben werden, bedeutet nicht, dass die Menschen nichts mehr wert wären. Gartner kommt zu dem Schluss, dass RPA-Tools Wissensarbeiter ergänzen und sie von langweiligen, lästigen Routineaufgaben entlasten. Forrester bezeichnet Arbeitnehmer in dieser neuen Ära der intelligenten Funktionen als den „Klebstoff, der die Unternehmenskultur zusammenhält, und die innere Kraft in der Arbeitswelt der Zukunft. Wenn ein Unternehmen weniger Mitarbeiter hat, agieren diese in Eigeninitiative als anpassungsfähige Botschafter für die Marke und Unternehmenskultur. Sie halten das Kernunternehmen zusammen und halten seine Seele für die Gig-Economy-Arbeitnehmer an allen Fronten lebendig, die kommen und gehen, während Roboter immer mehr Entscheidungen übernehmen.“

In manchen Branchen mag intelligente RPA tatsächlich überlebenswichtig werden. IDC prognostiziert, dass bis 2023 60 Prozent der G2000-Fertigungsunternehmen dem zunehmenden Fachkräftemangel mit hohen Investitionen in intelligente RPA begegnen werden. Die Analysten meinen, „die Integration von optischer Zeichenerkennung, Verarbeitung natürlicher Sprache und maschinellem Lernen in KI-gestützte RPA eröffnet neue Möglichkeiten für Datenerfassung, Workflow und operative/taktische Entscheidungsfindung“. IDC bringt intelligente RPA in Verbindung mit den Zielen für Industrie 4.0. Fertigungsunternehmen können mehr erreichen als größere Effizienz und Produktivität – nämlich neue Geschäftsmodelle wie dynamische Vertriebsmodelle und Hyperpersonalisierung.

Mit der traditionellen RPA traten Unternehmen in die erste Phase der Automatisierung ein. Angesichts moderner intelligenter Funktionen, die dazu beitragen, alle Informationen und Aktivitäten im Unternehmen miteinander zu verbinden, dürften die Trends für intelligente RPA viel mehr sein als eine Randnotiz in den Listen für 2020. Sie wird ganz sicher Unternehmen und Branchen stärker verändern als irgendetwas anderes zuvor.