Das klima-intelligente Unternehmen: Agranimo setzt Integration mit SAP Business Technology Platform um

Das chilenisch-deutsche Start-up-Unternehmen Agranimo unterstützt Landwirte dabei, dank agrarspezifischer Daten bessere Entscheidungen zu treffen, sodass sie ihre Ressourcen effizienter verwalten können. Das Unternehmen wurde vor Kurzem in die Start-up-Initiative SAP Business Technology Platform (SAP BTP) aufgenommen und hilft SAP-Kunden nun dabei, klima-intelligente Prozesse umzusetzen.

Trotz der anhaltenden Streitfrage, ob die Avocado nun zum Obst oder Gemüse zählt, ist sie weltweit ein Exportschlager. Avocados werden in der südlichen Hemisphäre angebaut, sind aber besonders in Ländern sehr beliebt, in denen sie nicht geerntet werden können. Zudem wächst das Bewusstsein der Verbraucher darüber, dass intensiver Avocado-Anbau zu ökologischen Problemen in den Ländern führt, die sie exportieren.

„Wenn Sie die ländlichen Gebiete in Chile durchqueren, sehen Sie das große Ausmaß der Dürre, die das Land in den letzten fünf bis sieben Jahren erlebt hat“, erläutert Nikita Gulin. „Das ist teilweise auf den Klimawandel zurückzuführen, aber es lässt sich nicht bestreiten, dass intensive Landwirtschaft das Problem noch verstärkt.“ Das Bruttoinlandsprodukt Chiles ist in hohem Maße von der Landwirtschaft abhängig. Weitere landestypische Agrarprodukte sind neben Avocados auch Heidelbeeren, Kirschen und Walnüsse. „Wassereffizienz ist für die chilenischen Landwirte und das gesamte Land ein wichtiges Thema.“

Für Nikita Gulin, den russischstämmigen CEO des Start-ups Agranimo, und Chief Technology Officer (CTO) Sergio Esteban, den chilenischen Mitbegründer, war dies ein offensichtliches Problem, das es anzupacken galt. „In Chile kennt jeder jemanden, der im Agrarsektor arbeitet, egal, ob es ein Onkel oder ein Freund eines Freundes ist“, so Sergio. „Als wir das Problem und die bereits vorhandenen Lösungen betrachteten, wurde deutlich, dass es viel Raum für Verbesserungen mithilfe von Technologie gibt – und wir hatten die notwendigen Kompetenzen, um dies umzusetzen.“

Um ihr technisches Know-how mit Agrarforschung zu kombinieren, nahmen sie Kontakt zu Hochschulen auf. „Die Universidad de Chile war sofort bereit, mit uns zusammenzuarbeiten“, berichtet Nikita Gulin. Agranimo hat zehn Mitarbeiter in Chile, Russland und Deutschland, die über einen technologischen Hintergrund, Forschungsexpertise und praktische Erfahrung in der Landwirtschaft verfügen.

„Chile ist nicht das einzige Land, in dem dieses Problem auftritt“, erklärt Nikita Gulin. „Wasser ist weltweit ein rares Gut. Ausgehend von unserer ersten Anwendung für Wassereffizienz haben wir unsere Vision erweitert, indem wir weitere Klimaprobleme einbezogen haben. Wasser ist immer noch eine der Hauptkomponenten, aber wir arbeiten jetzt mit allen Informationen, die wir aus Klima- und Bodendaten ableiten können.“ 

Vom Feld in ein Data Warehouse

Sergio Esteban beschrieb die Lösung: „Im Grunde führen wir viele Sensoren in einem System zusammen, um Verantwortlichen für das Feldmanagement agrarspezifische Informationen zur Verfügung zu stellen. Einige dieser Sensoren stellen wir selbst her, andere stammen von Drittanbietern. Die Sensoren senden Informationen in die Cloud, wo wir versuchen, Daten aus verschiedenen Quellen zu kombinieren. Wir sammeln Informationen zu den pflanzlichen Erzeugnissen und bieten der Branche Analysen in Bezug auf das Klima oder, wie wir es nennen, ‚Klima-Intelligenz‘.“

Agranimo arbeitet mit großen Obst- und Gemüseerzeugern zusammen, die auf Beschaffungsquellen auf der ganzen Welt zurückgreifen. Die Grundidee besteht darin, Verantwortliche für das Feldmanagement und Teams im Handel bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. „Dazu gehören Bewässerung, Krankheitsmanagement wie die Anwendung von Fungiziden oder Pestiziden, die Begutachtung von Frostschäden und Ernteprognosen“, erklärt Nikita Gulin. „Mit dieser Reihe von Indikatoren führen wir auch eine Bewertung der späteren Phasen der Lieferkette durch: Export, Import, Vertrieb und Einzelhandel. Alle müssen wissen, was sie in Bezug auf die kommende Ernte zu erwarten haben. Und da Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit immer stärker in den Blickpunkt rücken, möchten die Verbraucher auch mehr darüber erfahren, wie das Feld, vom dem ihre Avocados stammen, bewirtschaftet wird.“

Wirkungskreis mit SAP erweitern

Die Gründer von Agranimo sahen die SAP bereits im Anfangsstadium als potenziellen Partner. „Die Integration mit SAP kam uns gleich in den Sinn, da viele Unternehmen deren Anwendungen nutzen – so auch unsere Kunden“, betont Nikita Gulin. Nach der Kontaktaufnahme mit SAP Deutschland wurde Agranimo auf das Accelerator-Programm SAP.iO Foundry aufmerksam gemacht.  „Es schien die einfachste und direkteste Möglichkeit, die Integration mit SAP umzusetzen, also bewarben wir uns“, sagt Gulin. Im März 2020 wurde Agranimo in den SAP.iO Accelerator in Berlin aufgenommen – als Teil einer Gruppe von Start-ups, die Lösungen im Bereich Industrie 4.0 entwickeln.

„Die Nachfrage nach Avocados und anderen wasserintensiven Nahrungsmittelpflanzen zieht beträchtliche Umweltschäden nach sich und hat zu einem Verlust an Artenvielfalt sowie zu extremen Wetterbedingungen geführt und einige Dörfer haben bereits keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser“, berichtet Miroslav Dimitrov, Leiter der SAP.iO Foundry in Berlin. „Agranimo geht dieses Problem an, denn das Start-up möchte etwas bewirken und dazu beizutragen, das Leben von Menschen zu verbessern. Wir bei SAP.iO wollen das unbedingt unterstützen.“

„Gemeinsam mit SAP.iO sind wir zu dem Schluss gekommen, dass diese Integration stattfinden muss“, fügt Gulin hinzu. „Wir haben zudem untersucht, welche der verschiedenen Technologien in Frage kommen und wie die Integration am besten strukturiert werden kann.“

Die Verbindung zum Kunden: SAP Business Technology Platform

Zuvor war Agranimo in die Start-up-Initiative SAP Business Technology Platform aufgenommen worden – als eines von mehreren Jungunternehmen mit großem Potenzial, die mithilfe der geschäftsorientierten, offenen Plattform schneller wachsen können. Liga Bronowski leitet als Programm-Managerin die Aktivitäten rund um die Einführung der SAP Business Technology Platform (SAP BTP). „Dieses Programm war damals ganz neu“, betont sie. „Agranimo war eines unserer ersten Start-ups in der Pilotphase.“ Zur Zielgruppe des Start-up-Programms SAP BTP gehören Jungunternehmen, die bereits mit SAP zusammengearbeitet haben, zum Beispiel als Teil einer SAP.iO-Accelerator-Kohorte. „Das übergeordnete Ziel des Programms besteht darin, die Akzeptanz der SAP Business Technology Platform zu erhöhen“, erklärt Bronowski.

SAP BTP ist die Plattform für das Intelligente Unternehmen. Kunden erzielen Agilität, geschäftlichen Nutzen und kontinuierliche Innovationen durch Integration, Wertschöpfung aus Daten und Erweiterbarkeit aller Anwendungen und Datenbestände von SAP und Drittanbietern. Mit der SAP BTP sind Kunden in der Lage, ihre Geschäftsabläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu optimieren. Prozesse, Daten und Nutzererlebnisse lassen sich über SAP- und Drittanbieterlösungen hinweg verknüpfen. Über eine einzige, zuverlässige Plattform werden einheitliche Prozesse im gesamten Unternehmen realisiert. Für Start-ups gibt es zwei Möglichkeiten, die SAP BTP zu nutzen. Ein Szenario ist, dass das Start-up seine eigenen Services auf der SAP BTP von Grund auf neu entwickelt, damit diese sofort mit SAP-Produkten kompatibel sind. Das andere Szenario ist, dass das Start-up die technische Architektur der SAP BTP nutzt, um seine bereits vorhandenen Lösungen in SAP zu integrieren, so wie es Agranimo getan hat.

„Gemeinsam mit dem SAP-BTP-Team haben wir die Integration unserer Lösung in SAP Analytics Cloud durchgeführt“, berichtet Gulin. „Wir sind noch dabei, unsere Lösungen an die SAP-Systeme anzubinden, mit denen unsere Kunden arbeiten. Als Start-up haben wir uns auf Aktivitäten konzentriert, die für einen sofortigen Geldzufluss sorgen. Doch die Zusammenarbeit mit SAP ist ein langfristiges Projekt. Wir betrachten dies als eine Investition, die uns helfen soll, zu wachsen.“

„Wir bieten SAP BTP ausgewählten, vielversprechenden Start-ups an, deren Lösungen unseren Kunden großen Mehrwert bieten können“, erklärt Upen Barve, Mitbegründer und Business Owner des Programms. „Sie erhalten bis zu 50.000 Euro Cloud-Guthaben und können entscheiden, wie sie das ausgeben. So können sie sämtliche Vorteile der SAP BTP nutzen, während sie sich als Unternehmen weiterentwickeln und wachsen. Mit diesen Investitionen helfen wir Start-ups, ihren Traum zu verwirklichen und zu einem Unternehmen zu werden – durch Zugang zu einem leistungsstarken Technologieportfolio, zu unserer Community sowie zu unserem Kunden- und Partnernetz“, fährt Barve fort. „Kontinuierliche Unterstützung und Expertensupport sind der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg, und wir sind stolz darauf, dass Agranimo und SAP gemeinsam wichtige Schritte in Richtung nachhaltige Zukunft unternehmen.“

Gulin freut sich über die Fortschritte. Die Zusammenarbeit mit SAP hat der CEO von Agranimo sehr positiv erlebt. „Uns wurde viel persönliche Aufmerksamkeit gegeben“, betont. „Keine Frage von uns blieb unbeantwortet. Anderen Start-ups kann ich das Programm auf jeden Fall weiterempfehlen.“