Stabilität in Unternehmen durch IoT in Cloud-ERP

Als ich klein war, war ich – wie viele andere Kinder auch – von Technologie fasziniert.  Besonders begeistert war ich von LEGO Technic, das scheinbar wie von Zauberhand angetrieben wurde. Ein paar Jahrzehnte später kann es passieren, dass ein ganz normales Smart Home im Jahr 2021 ebenso faszinierend wirkt.

Als Erwachsene wissen wir jedoch, dass dahinter keine Zauberei steckt, sondern eine ganze Infrastruktur an vernetzten Geräten – das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Dieses Netz lässt uns miteinander und mit Geräten interagieren. Und genau das ist aktuell wichtiger denn je; die Corona-Pandemie ist noch immer nicht überstanden und hat die Welt, in der wir leben, auf den Kopf gestellt. Sie hat dazu geführt, dass die virtuelle Zusammenarbeit über verschiedene Standorte hinweg stets aufs Neue angepasst werden muss.

Für Unternehmen hat sich COVID-19 zu einer klassischen Fallstudie für die Auswirkungen einer Krise ungeahnten Ausmaßes entwickelt; es wurde ihnen vor Augen geführt, dass Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit notwendig sind, um den fortlaufenden Geschäftsbetrieb zu gewährleisten. Um widerstandsfähiger zu werden und schneller zum Normalbetrieb zurückzukehren, verfolgen Unternehmen verstärkt Automatisierungsstrategien, darunter das Industrial Internet of Things (IIoT) und Industrie 4.0. Dadurch steigen der Bedarf für die Automatisierung von Anlagen und stärkere Integration mit ihren Systemen für Fertigungsteuerung, Instandhaltung und Qualitätsmanagement sowie mit dem Außendienstmanagement, der Logistik, Lagerhaltung und dem Transport. Darüber hinaus müssen Unternehmen Schlüsselbereiche ihres Geschäfts transparenter gestalten, um die Produktion zu optimieren, Kosten einzusparen, die Produktqualität zu verbessern und gleichzeitig neue Kundenanforderungen zu identifizieren.

Damit unsere Kunden von Industrie 4.0 profitieren können, hat die SAP eine eigene Strategie für Industry 4.Now im Angebot. Diese vereint Fachwissen, Softwarelösungen, Enablement-Technologien und ein Partnernetz, um datengestützte Anwendungen, Entscheidungsfindung sowie eine überlegene Betriebseffizienz über das gesamte Unternehmen hinweg zu ermöglichen.

IIoT und Edge Computing

In der Peripherie der IT-Landschaft laufen geschäftskritische Prozesse, Anwendungen und Services ab, die zuverlässig und mit minimalen Latenzzeiten bereitgestellt werden müssen. Mithilfe von SAP Internet of Things und SAP Edge Services können unsere Kunden IoT-Sensordaten in der Netzwerkperipherie und in der Cloud erfassen, speichern, transformieren, anreichern, analysieren und entsprechende Maßnahmen einleiten.

SAP IoT bietet eine durchgängige Managed-Cloud-Lösung für Industrie 4.0. Diese Lösung ermöglicht eine ideale Wertschöpfung, indem sie Nutzungsdaten von Sensoren und Geräten aus dem laufenden Betrieb mit Geschäftssemantik wie Stamm- und Transaktionsdaten kombiniert. SAP IoT erweitert Anwendungen mit IIoT-Kontexten aus der Praxis, damit auf kritische Ereignisse reagiert werden kann, und unterstützt eine proaktive, intelligente Entscheidungsfindung. Business-Services von SAP IoT werden von SAP-Anwendungen sowie von Kunden- und Partneranwendungen genutzt und durch andere Services auf der SAP Business Technology Platform ergänzt. SAP-Digital-Supply-Chain-Lösungen wie SAP Predictive Asset Insights bieten Kunden integrierte Optionen für komplexe Analysen und maschinelles Lernen. Sie ermöglichen beispielsweise das Erkennen von Anomalien, Ausfallprognosen und eine vorausschauende Wartung.

Ansaldo Energia, eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der elektrischen Energietechnik, leitet komplexe Projekte auf der ganzen Welt. Suboptimale, isolierte Prozesse führten dabei jedoch zu mangelnder betrieblicher Transparenz und erschwerten deshalb die Projektplanung und -durchführung. Um diese Probleme anzugehen, führt das Unternehmen SAP S/4HANA ein. Gleichzeitig wird mit der SAP Business Technology Platform ein vorausschauender Anlagenservice ermöglicht. Das Ergebnis ist eine duale, digitale Transformation, die Ansaldo dabei hilft, die Fertigungsabläufe effizienter zu gestalten und das eigene Angebot zu optimieren.

Das Unternehmen konnte bis heute papierbasierte Qualitätskontrollen um 75 Prozent reduzieren, eine bessere Prozessintegration über Geschäftsbereiche und Konzerngesellschaften hinweg erzielen und den Aufwand für die Integration neuer Kunden in das eigene Serviceportal um 80 Prozent verringern. SAP S/4HANA verbindet Backend-Systeme für Fertigung, Produktlebenszyklusmanagement und Lagerhaltung, während SAP Internet of Things und SAP Edge Services vorausschauende Instandhaltung und Services möglich machen.

Mit der SAP-Strategie für IIoT in der Cloud und im Edge-Bereich haben Kunden die Wahl – sie profitieren von Optionen zur Interoperabilität und sind nicht an bestimmte Cloud-Anbieter gebunden. Die Strategie beruht auf drei Grundpfeilern:

  • Integration von IIoT-Erkenntnissen in Geschäftsanwendungen für spezifische Geschäftsbereiche und Branchen
  • Erweiterung von Geschäftsanwendungen für spezifische Geschäftsbereiche und Branchen mit IIoT
  • Ausführung wichtiger Geschäftsprozesse in der Netzwerkperipherie, um eine niedrige Latenzzeit sowie Geschäftskontinuität zu gewährleisten

Betrachten wir einige aktuelle Beispiele für Innovationen in diesen drei Kernbereichen:

IoT-Erkenntnisse ins Handling Unit Management integrieren

Unter Handling Units (HUs) versteht man einen Ansatz in SAP S/4HANA, um physische Einheiten aus Packmitteln und den darin enthaltenen Waren zu bilden.

Lagerleiter etwa müssen überprüfen, ob mit Sensoren ausgestattete HUs plötzlichen Erschütterungen, Stürzen oder anderen kritischen Bedingungen ausgesetzt waren. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Hochspannungsbatterien, die den teuersten und empfindlichsten Teil eines Elektrofahrzeugs ausmachen. Ein suboptimaler Ladezustand während der Lagerung verringert die Kapazität und die erwartete Lebensdauer der Batterie. ​Außerdem können falsche Ladezyklen oder Lagertemperaturen die Batteriezellen beschädigen und das Explosions- und Brandrisiko erhöhen.

IoT-fähiges Handling Unit Management, das IoT-Erkenntnisse in SAP S/4HANA integriert, kann hier Abhilfe schaffen; es ermöglicht Versandsachbearbeitern oder Lageristen, proaktiv zu handeln, wenn der Ladezustand ein kritisches Niveau erreicht. Unternehmen können mit unserer Hilfe so sicherstellen, dass ihre Kunden keine Produkte erhalten oder verwenden, die nicht in einem einwandfreien Zustand sind. Auf diese Weise sorgen sie für höhere Kundenzufriedenheit.

Bestandsaufstockung mit IoT-Sensoren erweitern

Viele SAP-Kunden in der Lebensmittelverarbeitung, chemischen Industrie, Pharmaindustrie und anderen Branchen stellen Waren her und lagern diese entweder in Silos oder Containern, die dann an Kunden geliefert werden. Häufig stehen sie vor Herausforderungen bei der Lagerhaltung und Bestandsverfolgung, da die manuelle Beobachtung des Füllstands in einem Silo zu einer ungenauen Bestandsübersicht im Enterprise Resource Planning (ERP), niedriger Bestandsverfügbarkeit und Produktionsausfallzeiten führen kann. SAP IoT bietet hier Lösungsansätze, indem Echtdaten von Füllstandsensoren genutzt werden, die an den Behältern angebracht sind. Dadurch wird die Bestandsaufstockung zu einem automatisierten, datengesteuerten Prozess. SAP IoT ermöglicht die Überwachung des Füllstands von Behältern in Echtzeit.

Wenn Kunden IoT-Erkenntnisse in SAP S/4HANA integrieren, kann automatisch eine Bestellung erstellt werden, sobald der Füllstand unter einen vordefinierten Wert fällt. Dieser Ansatz ermöglicht Just-in-time-Beschaffung, optimalere Bestandsverfügbarkeit und effizientere Prozesse aufgrund der stärkeren Automatisierung von Prozessschritten. Das zeigt, wie intelligente Unternehmen mithilfe neuester Technologien Informationen auswerten und daraus in Echtzeit konkrete Maßnahmen für das gesamte Unternehmen ableiten können.

Prozesse in der Netzwerkperipherie ausführen und in der Cloud koordinieren

Im Zeitalter von IIoT und Industrie 4.0 benötigen Hersteller intelligente, vernetzte und vorausschauende Lösungen. Der Vorteil von Edge Computing liegt darin, dass die Geschäftsprozesse lokal in Echtzeit ausgeführt werden können und so Wartezeiten vermieden werden. Das Angebot von SAP für den Edge-Bereich umfasst IoT-Datenverarbeitung, geht aber weit darüber hinaus. SAP Edge Services bietet seit vielen Jahren Services,  mit denen IoT-Daten eingelesen, gespeichert und analysiert werden können. Zudem können damit Modelle für vorausschauende Analysen lokal ausgeführt und vor allem ERP-Geschäftsprozesse in der Netzwerkperipherie betrieben werden.

Mit SAP Digital Manufacturing Cloud für Edge Computing können Kunden geschäftskritische Anwendungskomponenten in der Fertigungssteuerung auf Edge-Anwendungen in Fertigungsanlagen implementieren. Gleichzeitig sorgen sie für Synchronisierung mit den entsprechenden Anwendungen in der Cloud. Dies trägt dazu bei, Widerstandsfähigkeit, niedrige Latenzzeiten und Geschäftskontinuität zu gewährleisten, wo die Produktion ansonsten dem Risiko von Betriebsunterbrechungen aufgrund von Verbindungsproblemen in der Cloud ausgesetzt wäre. Gleichzeitig werden das Software-Lebenszyklusmanagement für den Edge-Bereich und die erforderliche betriebswirtschaftliche Konfiguration zentral aus der Cloud koordiniert, was zu niedrigen Gesamtbetriebskosten führt.

Um den Wandel zu intelligenten Unternehmen zu vollziehen, müssen Fertigungsunternehmen ihre Geschäftsmodelle überdenken und mit der Einführung von Industry 4.Now beginnen. Intelligente Technologien wie IIoT und Edge Computing sind heute mehr als nette Zusatzfunktionen – sie sind entscheidend für den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens. Je mehr Daten ein Unternehmen sammeln, speichern und analysieren kann, desto wettbewerbsfähiger ist es.

Letztendlich müssen wir auch weiterhin unsere Kunden bei ihren Entscheidungsprozessen unterstützen und ihnen die notwendigen Mittel an die Hand geben, sodass sie ihre Abläufe dynamisch und eigenständig handhaben und stets aufs Neue innovative Technologien einführen können. Vorstellungskraft und Innovation treiben nicht nur intelligente Geräte an, sondern erschließen uns fantastische Möglichkeiten, indem wir das verbinden, was bisher getrennt war.


Jan Gilg ist President von SAP S/4HANA. Dieser Artikel erschien auch auf LinkedIn.